Kanzler Friedrich Merz will eine Frau als Nachfolgerin für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Entscheidung wird Anfang kommender Woche erwartet. Ein Überblick über mögliche Kandidatinnen der Union.
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Kanzler Friedrich Merz sucht eine Nachfolge für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und präferiert eine Frau.
Eine Frau soll es sein – doch wer nach dem Willen von Kanzler Friedrich Merz Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Amt nachfolgen soll, ist bislang offen.
Anfang kommender Woche wird mit der Entscheidung für eine CDU-Kandidatin gerechnet. Deren Chancen sind ungewiss, denn die von der CSU vorgeschlagene bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner genießt parteiübergreifende Anerkennung. Ein Überblick über die kursierenden Namen:
Familien- und Bildungsministerin Karin Prien
Karin Prien (CDU) ist Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und hat damit Gestaltungsmacht über ganz grundsätzliche Themen des Alltags. Die 61-Jährige ist die erste jüdische Bundesministerin. Geboren wurde sie in Amsterdam, wohin ihre deutschen Großeltern vor den Nazis geflohen waren. Erst mit 26 Jahren nahm sie die deutsche Staatsbürgerschaft an.
Prien profilierte sich in der Vergangenheit bundesweit als Bildungspolitikerin und ist seit 2022 auch Vize-Parteichefin. Die dreifache Mutter thematisiert regelmäßig warnend den Antisemitismus in Deutschland und den Aufstieg der AfD. Zuletzt machte sie mit der Elterngeldreform Schlagzeilen: Wegen der Sparvorgaben legte sie eine Reihe von Kürzungen vor, schwächte diese nach erheblichen Protest aber wieder ab.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner
Klöckner ist seit März vergangenen Jahres Bundestagspräsidentin und bekleidet damit das zweithöchste Staatsamt. Die 53-Jährige legt eine striktere Gangart an den Tag als ihre Vorgängerin Bärbel Bas (SPD). Sie führt das Parlament mit kühler Strenge, droht Störern im Plenum regelmäßig mit Rauswurf, und verschärfte die Kleiderordnung. In die Kritik geriet sie unter anderem mit ihrer Weigerung, auf dem Bundestag zum CSD die Regenbogenflagge zu hissen, sowie ihrem Umgang mit den Kirchen, denen sie politische Zurückhaltung auftrug.
Die in Bad Kreuznach geborene Politikerin blickt auf eine lange Karriere in der Landespolitik und im Bund zurück, unter anderem als Bundeslandwirtschaftsministerin.
Ex-Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer
Die Liste der Ämter von „AKK“ ist lang: Saarlands Ministerpräsidentin, CDU-Generalsekretärin, Parteichefin, Verteidigungsministerin – und beinahe auf dem Weg, die damalige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu beerben. Seit Anfang dieses Jahres sitzt die aus dem saarländischen Völklingen stammende dreifache Mutter der parteinahen Konrad-Adenauer-Stiftung vor.
Parteitreue ist es auch, was die 64-Jährige verkörpert. Kramp-Karrenbauer gilt als pflichtbewusst, uneitel und bodenständig. Gleichzeitig kann sie Emotionen zeigen: Nach ihrem Rücktritt als Parteichefin im Zuge der Regierungskrise in Thüringen gestand sie beim Parteitag Schmerz, Enttäuschung und Autoritätsverlust ein. Damals war der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit CDU- und AfD-Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt worden, was ausdrücklich gegen die Parteilinie der Bundes-CDU verstieß.
Hessens Fraktionschefin und Bundesvize Ines Claus
Ines Claus hingegen ist im Vergleich zu den anderen kursierenden Namen bundesweit kaum bekannt. Die 49-Jährige stammt aus Bochum, ist Volljuristin und hat drei Kinder. Seit April 2020 ist Claus Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion in Hessen und erst seit Anfang dieses Jahres einer von sechs Stellvertretern der Bundes-CDU.
Dass ihr Name kursiert, ist eine Überraschung. Einem Bericht zufolge soll sie aber als eine der Favoritinnen von Merz für Steinmeiers Nachfolge gelten. Ihr Interesse hat Claus vorsichtshalber schon einmal selbst signalisiert.
Bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner
Die CSU-Politikerin Ilse Aigner gehört zu den erfahrensten Kandidatinnen im Feld. Die 61-Jährige stammt aus Feldkirchen-Westerham in Oberbayern und machte zunächst eine Ausbildung zur Radio- und Fernsehtechnikerin, bevor sie sich zur staatlich geprüften Elektrotechnikerin weiterbildete. Von 1998 bis 2013 saß sie im Bundestag, anschließend war sie fünf Jahre lang stellvertretende Ministerpräsidentin Bayerns. Von 2008 bis 2013 gehörte sie als Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz dem Kabinett von Angela Merkel an. Seit 2018 steht sie an der Spitze des Bayerischen Landtags.
Aigner gilt als pragmatische und über Parteigrenzen hinweg anerkannte Politikerin. Ihre lange Regierungserfahrung auf Bundes- und Landesebene sowie ihr derzeitiges Amt als Landtagspräsidentin könnten für sie sprechen. Zugleich wäre ihre Nominierung eine Entscheidung mit politischem Gewicht: Merz müsste sich gegen andere Bewerberinnen aus der eigenen Partei positionieren und den Vorschlag des Koalitionspartners CSU berücksichtigen.
AfD-Politiker Baumann hält vorgeschlagene Kandidatinnen für ungeeignet
Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann, hält nichts von den derzeit in der Union gehandelten Personen für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Auch Steinmeier selbst habe im Amt versagt. „Das sind alles Leute, die diesem Mainstream zuzuordnen sind“, sagt er bei WELT TV. Er nennt die Kandidatinnen, wie auch Steinmeier, „pseudo-ausgleichend“ und „einseitig“.
Einen eigenen Kandidaten-Namen wollte Baumann noch nicht nennen. Aber es „müsste eine Person sein, die nicht parteipolitisch aus diesen Parteien kommt, die diese Brandmauer-Politik weitermacht“, so Baumann.
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Entscheidung für eine CDU-Kandidatin Anfang kommender Woche
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