Dax: Die Stimmung am deutschen Aktienmarkt steigt – doch ein Problem bleibt
Deutsche Aktien haben sich zuletzt besser entwickelt als US-Titel, doch die Handelsblatt-Umfrage warnt vor verfrühter Kaufpanik.
Quick Look
- Der deutsche Aktienmarkt entkoppelt sich von den USA, doch das Handelsblatt-Sentiment zeigt: Anleger sollten trotz Erholung vorsichtig bleiben.
- Fehlende liquide Mittel und anstehende US-Wahlen könnten für weitere Turbulenzen an der Börse sorgen.
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Why It Matters
Das Handelsblatt-Sentiment befragt wöchentlich über 10.000 Privatanleger zur Markteinschätzung. Die Methodik wurde kürzlich angepasst, um Extremwerte präziser zu erfassen.
Düsseldorf. Der deutsche Aktienmarkt hat sich von den US-Börsen entkoppelt. Der deutsche Leitindex Dax legte nach einer längeren Schwächephase in der abgelaufenen Woche um 2,1 Prozent zu. Der marktbreite US-Index S&P 500 verlor dagegen 1,9 Prozent an Wert.
Anleger müssen aber nicht in Kaufpanik verfallen. Denn die kommenden Wochen könnten noch einmal turbulent werden, zeigt die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment.
Für das Dax-Sentiment befragt das Handelsblatt jeden Freitagmorgen bis Samstagabend mehr als 10.000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer aktuellen Markteinschätzung. Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, wertet die Antworten aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.
Dabei hat Heibel seine Auswertungsmethodik angepasst. Bislang galten Werte unter minus vier Punkten oder über vier Punkten als extrem. Nun verwendet er eine komplexere Methodik, die er auch in einer separaten Umfrage von AnimusX verwendet. Die Extremwerte sind dabei variabel und liegen auf einer anderen Skala.
Auf der neuen Auswertungsskala verbessert sich die Anlegerstimmung (Sentiment) von minus 36,6 Punkten in der Vorwoche auf minus 15 Punkte. Damit hat sich die Stimmung deutlich vom Extrembereich entfernt, der bei minus 46 Punkten beginnt.
Die Selbstzufriedenheit verbessert sich ebenfalls, aber weniger stark. Sie steigt lediglich von 1,41 auf 1,48 Punkte. 80 Prozent der historischen Werte liegen in der Spanne von 1,42 bis 1,91 Punkten. Damit liegt die Selbstzufriedenheit immer noch nahe den unteren Extremwerten.
Gemessen wird die Selbstzufriedenheit, indem die Umfrageteilnehmer angeben, ob sich ihre Erwartungen in der abgelaufenen Woche erfüllt haben. Je weniger sich die Erwartungen erfüllen, desto niedriger ist die Selbstzufriedenheit.
Viele Anleger haben die Kurserholung verpasst
Dass sich die Werte trotz des deutlichen Kursanstiegs nur leicht verbessern, interpretiert Heibel wie folgt: „Offensichtlich haben längst nicht alle Anleger an der Erholung im Dax partizipiert, viele werden wohl in den Technologieaktien investiert sein, die vergangene Woche unter Druck waren.“
Die Zukunftserwartung sinkt derweil die zweite Woche in Folge. Sie fällt von plus 18,9 Punkten auf 13,6 Punkte. Dabei geben die Umfrageteilnehmer an, welche Marktphase sie in drei Monaten erwarten.
Eine mögliche Erklärung für sinkenden Optimismus sieht Heibel in einer häufig zu beobachtenden Entwicklung: Steigen die Kurse, fällt in der Umfrage häufig die Zukunftserwartung, weil mit den steigenden Kursen ein Teil der erwarteten Kursgewinne bereits eingetreten ist.
Die Kaufbereitschaft ist dagegen wieder gestiegen, von 54,7 auf 56,9 Punkte. Bei Werten über 50 gibt es mehr Käufer als Verkäufer. Extremwerte erreicht dieser Indikator erst ab Werten über 63.
In der Kombination aus steigender Stimmung, sinkender Zukunftserwartung und höherer Kaufbereitschaft sieht Heibel eine positive Entwicklung: „Das ist das Bild einer Erholung.“
Denn in der Vergangenheit endeten Abwärtsbewegungen häufig, wenn die aktuelle Stimmung schlecht und die Zukunftserwartungen niedrig waren. In diesem Fall ist das ein Zeichen, dass die meisten Anleger, die ihre Positionen ohne langfristige Überzeugung halten, bereits verkauft haben. Dadurch nimmt der Verkaufsdruck so weit ab, dass die Kurse wieder nachhaltig steigen können.
Allerdings sieht Heibel das Problem aktuell nicht auf der Verkäuferseite, sondern auf der Käuferseite. Denn eine separate Umfrage von AnimusX ergibt, dass Anleger aktuell nur noch wenige freie liquide Mittel haben. „Wer soll also noch kaufen?“, fragt Heibel.
Er bewertet die aktuelle Ausgangslage daher zweigeteilt: „Das Hindernis, das ich in den vergangenen Wochen beschrieben habe, der trotzige Optimismus, löst sich auf. Dem steht eine Positionierung gegenüber, die kaum noch frisches Geld übrig lässt.“
Der Sentiment-Experte sieht daher für Anleger keinen Grund, ihr freies Geld sofort und vollständig zu investieren. Er rechnet vielmehr damit, dass es an der Börse noch einmal ungemütlich werden könnte. Denn die bestehende Belastung aus gestiegenen Zinsen, hohen Energiepreisen und Zweifeln am Boom Künstlicher Intelligenz bleibt bestehen.
Heibel sagt daher: „Die Zwischenwahlen in den USA werden nochmals für Turbulenzen sorgen, in denen Anleger sukzessive das über den Sommer aufgebaute Cashpolster zum Einsammeln übertrieben abgestrafter Lieblingsaktien verwenden können.“
Die Entwicklung vom Montag scheint den AnimusX-Experten zu bestätigen: Der Dax gibt mehr als ein Prozent nach.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
US-Zwischenwahlen sorgen für Markt-Turbulenzen.
Likely · Within weeks
Open Questions
- Wie stark werden die US-Zwischenwahlen die Kurse beeinflussen?
- Wann kehrt das Vertrauen in Technologieaktien zurück?







