DAX erholt sich knapp über 26.000 Punkte trotz Ölpreisdruck und Zinsunsicherheit
Quick Look
- Der DAX hat seinen jüngsten Ausverkauf gestoppt und bei 26.003 Punkten geschlossen, unterstützt von einer steigenden Wall Street.
- Ölpreise über 95 Dollar für Brent, anhaltende geopolitische Spannungen im Persischen Golf und hohe Anleiherenditen belasten den Markt, während Investoren auf die bevorstehenden US-Arbeitsmarktdaten warten.
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Why It Matters
Der DAX hatte zuvor aufgrund steigender Ölpreise und hoher Anleiherenditen korrigiert, nachdem er ein Rekordhoch von 26.618 Punkten erreicht hatte. Die Situation wird durch geopolitische Spannungen im Persischen Golf und unsichere Zinsaussichten verschärft.
Der DAX hat mit einer steigenden Wall Street im Rücken seinen jüngsten Ausverkauf zumindest kurzfristig gestoppt und die Marke von 26.000 Punkten wieder knapp übertroffen. Am Ende schloss der deutsche Leitindex bei 26.003 Punkten, ein Tagesgewinn von 0,63 Prozent. Der DAX hatte gestern 0,5 Prozent auf 25.839 Zähler verloren, zeitweise notierte er dabei so tief wie seit Ende Juli nicht mehr.
Seit seinem Rekordhoch vom vergangenen Freitag bei 26.618 Punkten hat das Börsenbarometer den Rückwärtsgang eingelegt - und zeitweise mehr als 800 Punkte verloren. Steigende Ölpreise und hohe Anleiherenditen sorgten für eine deutliche Korrektur.
Die Ölpreise erweisen sich derzeit als Zünglein an der Waage. Fakt ist: Die Durchfahrt der wichtigen Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports abgewickelt wird, bleibt weiter nahezu unmöglich. "Der Krieg dauert länger an, als alle gehofft haben", sagte Lauren Cassidy, Anlagechefin beim Founders 100 ETF. Wenn er ende, würden die Energiepreise nachgeben und die Inflation sei kein so großes Thema mehr. Aber so weit ist es nicht - und das hat Folgen für die Verbraucherpreise.
"Es gibt keinen strukturellen Trend in der aktuellen Entwicklung, und der Markt folgt typischerweise den kurzfristigen Bewegungen beim Öl", so Analyst Nadege Dufosse von Candriam. "Es ist ein Markt, der schwer zu navigieren ist." Den Aussagen von US-Präsident Donald Trump, dass die jüngsten US-Angriffe auf den Iran nur von kurzer Dauer seien, standen neue iranische Angriffe auf den mit den USA verbündeten Golfstaat Kuwait gegenüber.
Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, sprach von einer "trügerischen Ruhe im Nahen Osten". Das von ihm so genannte "Schreckensszenario der Investoren" von Ölpreisen über der 100-Dollar-Marke, welches zunächst gebannt schien, könnte schnell Realität werden: Aktuell notiert der Preis für die Nordseesorte Brent über 95 Dollar.
Mit der Entwicklung der Energiepreise stehen und fallen die Zins- und Inflationsprognosen und Erwartungen der Marktteilnehmer. Spätestens seit der Rede von US-Notenbankchef Kevin Warsh am vergangenen Freitag wird klar, dass die führende US-Notenbank Federal Reserve sich alle Handlungsoptionen offen lässt, um auf die mit rund 3,7 Prozent weiterhin viel zu hohe Inflation zu reagieren.
Erschwerend kommt hinzu, dass die hohe Staatsverschuldung der USA von rund 40 Billionen Dollar sich zunehmend am Anleihenmarkt bemerkbar macht. Zuletzt stiegen die Renditen am langen Laufzeitenende deutlich an. Investoren verlangen in Anbetracht der hohen Geldentwertung eine höhere Risikoprämie. Auch in Europa zogen die Renditen zuletzt an, mit einer weiteren Zinserhöhung durch die EZB wird fest gerechnet.
Die US-Investoren setzen nach Aussagen eines führenden Fed-Bankers derweil auf eine Verlängerung der Zinspause. Am Mittag Ortszeit legten alle großen Aktienindizes der Wall Street rund ein Prozent zu. Übergeordnet blicken aber auch die US-Investoren mit Sorge auf die Entwicklung am Persischen Golf sowie die der Energiepreise und der Anleihenrenditen.
Wöchentliche Daten vom Arbeitsmarkt zeigten derweil, dass der Jobmarkt weiter robust bleibt - ebenso wie der vielbeachtete ISM-Einkaufsmanagerindex für den August.
Mehr und mehr richten sich die Blicke der Anleger auf die am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten. Hiervon erhofft man sich weitere Hinweise auf die derzeitige Verfassung der US-Wirtschaft und den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank.
Mit Blick auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht werde ein Stellenplus erwartet, kommentierten die Experten der Helaba. "Sollte sich dies bestätigen, könnten Vertreter der US-Notenbank darin bestärkt werden, die Leitzinsen alsbald zu erhöhen."
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Federal Reserve wird die Leitzinsen in den kommenden Monaten erhöhen, wenn die Inflation nicht deutlich zurückgeht.
Likely · Within months
Die Ölpreise werden kurzfristig über die 100-Dollar-Marke steigen, wenn die geopolitischen Spannungen im Persischen Golf weiter eskalieren.
Possible · Within weeks
Open Questions
- Wie lange werden die geopolitischen Spannungen im Persischen Golf anhalten?
- Wann wird die Federal Reserve die Zinsen tatsächlich erhöhen?
- Wird die EZB ihrerseits die Zinsen weiter anheben?
- Wie werden die bevorstehenden US-Arbeitsmarktdaten die Markterwartungen beeinflussen?






