DAX steigt dank schwacher US-Arbeitsmarktdaten und fallenden Ölpreisen
Quick Look
- Der DAX gewann 1,17 Prozent auf 25.231,20 Punkte, unterstützt von positiven US-Vorgaben, fallenden Ölpreisen und starken KI-Aktien wie Infineon.
- Schwächere als erwartete US-Arbeitsmarktdaten lösten Hoffnung auf eine weniger aggressive Zinspolitik der Fed aus.
- Gleichzeitig sank die Inflation in der Eurozone auf den höchsten Stand seit drei Jahren, während die G7-Reservefreigabe den Ölpreis drückten und Nike nach enttäuschenden Quartalszahlen stark fiel.
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Why It Matters
Der DAX hatte unter Druck gestanden nach einer schwierigen Woche, wobei er erstmals seit Juli unter 25.000 Punkte fiel. Die Marktstimmung wurde durch globale Unsicherheiten geprägt, insbesondere durch Zins- und Inflationssorgen sowie geopolitische Spannungen.
Auf dem deutschen Aktienmarkt fassten die Anlegerinnen und Anleger heute wieder etwas Mut. Bis zum Handelsende gewann der DAX 1,17 Prozent auf 25.231,20 Punkte. Damit konnte der Deutsche Leitindex sein Wochenminus auf 0,7 Prozent eindämmen. Am Vortag hatte der DAX erstmals seit Juli wieder unter der Marke von 25.000 Punkten geschlossen.
Positive Vorgaben aus den USA halfen, genau wie sinkende Ölpreise und Anleiherenditen. Als Stütze für den deutschen Markt erwiesen sich einmal mehr Aktien mit KI-Fantasie. Im Kielwasser erneut starker US-Chiptitel schaffte es der Halbleiterkonzern Infineon mit einem Plus von 8,8 Prozent an die DAX-Spitze. Der Baukonzern Hochtief gewann 2,8 und der Energietechnikkonzern Siemens Energy zwei Prozent.
Auch in den USA waren Tech-Aktien gefragt. Das bescherte dem Technologieindex Nasdaq 100 ein Rekordhoch. Der marktbreite S&P 500 gewann in den ersten Handelsstunden rund ein Prozent auf 7.740 Punkte. Der Leitindex Dow Jones Industrial machte 0,6 Prozent gut auf 51.217 Punkte.
Grund für die positive Entwicklung nach einer schwierigen Woche waren sinkende Ölpreise, nachgebende Renditen und die aktuellen Arbeitsmarktdaten.
Die US-Arbeitsmarktdaten fielen schwächer aus als erwartet. Dennoch oder gerade deshalb hat das den Aktienmarkt angeschoben: Im September sind in den USA außerhalb der Landwirtschaft nur 29.000 neue Arbeitsplätze entstanden. Statt wie erwartet 90.000.
Die einen schüttelten das ab, weil sie es nur als Ausrutscher werteten. Anderen gab es Hoffnung, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen vielleicht doch nicht so bald wird weiter erhöhen müssen. Denn steigende Zinsen könnten die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt bremsen. Weil sie Kredite und Investitionen teurer machen. Und hohe Zinsen schaden dem Aktienmarkt, weil sie andere, oft weniger riskante Anlageformen wie Anleihen attraktiver machen.
Die Inflation in der Eurozone ist im September wegen hoher Energiepreise weiter deutlich auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen. Im Jahresvergleich legten die Verbraucherpreise einer ersten Schätzung des Statistikamts Eurostat um 3,8 Prozent zu. Dies ist die höchste Inflationsrate seit drei Jahren. Volkswirte hatten im Schnitt einen etwas geringeren Anstieg erwartet, nämlich 3,6 Prozent. Im August lag die Inflation noch bei 3,2 Prozent.
Die G7-Staaten haben sich darauf verständigt, bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus ihren Reserven in den kommenden vier Monaten freizugeben. Die koordinierte Freigabe soll sofort beginnen und über die IEA erfolgen. US-Präsident Donald Trump hatte die europäischen Partner zuvor zur Freigabe von Reserven gedrängt. Nach Angaben des französischen Präsidenten Emmanuel Macron verpflichteten sich alle G7-Teilnehmer einschließlich Trump, auf Exportverbote zu verzichten.
Die Entscheidung wirkte sich umgehend auf die Märkte aus. Der US-Ölpreis fiel zeitweise um bis zu fünf Prozent, die internationale Nordseesorte Brent sank vorübergehend wieder unter 100 Dollar je Barrel.
Nachdem der weltweit größte Sportartikelhersteller Nike gestern nach Börsenschluss enttäuschende Geschäftszahlen vorgelegt hat, kam heute die Quittung: Im frühen Handel an der Wallstreet verloren die Papiere fast sechs Prozent. Und waren zeitweise schwächster Titel im US-Leitindex Dow Jones.
Im vergangenen Quartal ist der Umsatz des Sportartikelherstellers im Jahresvergleich um vier Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar gefallen. Der Gewinn sank um zwei Prozent auf 712 Millionen Dollar. Für das Geschäftsjahr rechnet Nike mit einem Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich.
Dass das Management ein Sanierungsprogramm angekündigt hat, mit dem in den kommenden Jahren rund 2,5 Milliarden Dollar eingespart werden sollen, versöhnte die Anleger offenbar nicht.
Experten bewerten die derzeitige Schwäche von Nike für überwiegend hausgemacht. So halten es viele für einen Fehler, dass der Marktführer in den vergangenen Jahren auf Kosten des Einzelhandels sehr stark auf den Verkauf über eigene Vertriebskanäle gesetzt hat. Die Strategie ist nicht aufgegangen. Vor allem im US-Markt nahmen konkurrierende Marken - wie etwa Adidas - Nike den Regalplatz in den Läden ab.
Nachdem der Bundesgerichtshof eine Preiserhöhung beim Abonnement Amazon Prime aus dem Jahr 2022 gekippt hat, reagiert der Online-Händler Amazon und senkt die Abo-Preise für betroffene Kunden. Das sind diejenigen, deren Prime-Mitgliedschaft vor Mitte September 2022 begonnen und seither unverändert bestanden hat.
Der BGH hatte einer Klage der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen stattgegeben. Und damit das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf bestätigt.
Die Verbraucherzentrale hatte geklagt, weil Amazon die Prime-Preise zum 15. September 2022 von 7,99 Euro auf 8,99 Euro im Monat beziehungsweise von 69,00 Euro auf 89,90 Euro im Jahr hochgesetzt hatte. Die Gerichte monierten, dass Amazon die betroffenen Kunden nicht transparent genug informiert habe, welche Rechte sie im Rahmen der Preiserhöhung hätten.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Fed wird voraussichtlich in den kommenden Monaten von weiteren Zinserhöhungen absehen, falls die Arbeitsmarktschwäche anhält.
Likely · Within months
Der DAX wird kurzfristig volatil bleiben, abhängig von weiteren US-Wirtschaftsdaten und Ölpreisbewegungen.
Possible · Within weeks
Open Questions
- Wie lange wird die positive Marktentwicklung durch die schwachen US-Arbeitsmarktdaten anhalten?
- Wird die Fed tatsächlich von weiteren Zinserhöhungen absehen?
- Wie effektiv wird das angekündigte Sparprogramm von Nike sein?
- Welche langfristigen Auswirkungen hat die G7-Reservefreigabe auf den Ölmarkt?






