Dax-Vorstände greifen zu: Insiderkäufe bei Adidas, Rheinmetall und Fresenius
Im September nutzten Dax-Konzernchefs wie Bjørn Gulden, Armin Papperger und Michael Sen gefallene Kurse für Millionen-Aktienkäufe.
Quick Look
- Im September nutzten Vorstände deutscher Dax-Konzerne wie Adidas, Rheinmetall und Fresenius gefallene Aktienkurse für Millionenkäufe.
- Experten sehen darin antizyklische Signale für Anleger.
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Why It Matters
Finanzexperten werten Bafin-Meldungen zu Aktiengeschäften von Unternehmensvorständen monatlich aus.
Frankfurt. Was haben Bjørn Gulden, Armin Papperger und Michael Sen gemeinsam? Sie sind Vorstandsvorsitzende von Dax-Konzernen und sehen offensichtlich Chancen bei den Aktien ihrer Unternehmen. Das zeigt die September-Auswertung des Handelsblatts zu den größten Insiderdeals bei deutschen Unternehmen.
Bei Adidas, Rheinmetall und Fresenius haben die Chefs höchstpersönlich im September zugegriffen und Aktien der eigenen Unternehmen gekauft. Und es gibt eine weitere Gemeinsamkeit: Alle drei Aktien sind in den vergangenen zwölf Monaten gefallen.
Olaf Stotz, Professor für Asset Management an der Privatuniversität Frankfurt School of Finance & Management, sagt dazu: „Die Vorstandschefs kauften antizyklisch gegen den Trend, und das macht die Aktien auch für Privatanleger einen Blick wert.“ Aber auch zwei große Insiderkäufe aus der zweiten Reihe findet er interessant.
Stotz beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit den legalen Aktiengeschäften, die Unternehmen der Finanzaufsicht Bafin melden. Die Bafin-Daten analysiert er monatlich für das Handelsblatt.
Der interessanteste Insiderkauf im September ist für Stotz der von Gulden bei Adidas. Die Aktie des Sportartikelherstellers hat allein seit Vorlage der Quartalszahlen Ende Juli mehr als 20 Prozent verloren. Dabei lief das zweite Quartal laut Gulden sogar besser als erwartet und der Konzern erhöhte seine Prognosen für das laufende Jahr.
Gulden kaufte zuletzt Ende Juli Adidas-Aktien und legte im September noch einmal mit Käufen für insgesamt gut eine halbe Million Euro zu Kursen um die 140 Euro nach.
Stotz hält die Adidas-Aktie für günstig bewertet. Sie kostet nur noch das etwa 15-Fache des von Analysten im Schnitt für die nächsten zwölf Monate erwarteten Nettogewinns. Damit spiegelt sie auch nach Ansicht von Analysten wie Thomas Maul von der DZ Bank die „Qualitäten von Adidas nicht ausreichend wider“.
Rheinmetall musste anders als Adidas zuletzt die Umsatzprognose für das laufende Jahr Anfang August leicht senken. Das lag vor allem daran, dass die Bundesregierung das Fregattenprogramm der Bundeswehr stoppt, das Rheinmetall übernehmen wollte.
Die Rheinmetall-Aktie rutschte daraufhin weiter ab. Seit ihrem Rekordhoch vor einem Jahr hat sie inzwischen mehr als die Hälfte an Wert verloren. Seit Beginn des Ukrainekriegs im Februar 2022 liegt sie indes immer noch rund 850 Prozent im Plus.
Papperger kaufte Ende September Aktien für knapp eine halbe Million Euro zum Kurs von gut 950 Euro. Seit Jahren zählen Papperger und andere Rheinmetall-Vorstände und Aufsichtsräte zu den aktivsten Insidern. Auf der Handelsblatt-Liste der größten Insiderdeals tauchten sie in den vergangenen zwölf Monaten nur als Käufer auf.
Die Aktie des Gesundheitskonzerns Fresenius hat in den vergangenen zwölf Monaten nur rund sieben Prozent verloren und sich von ihrem Jahrestief Ende Mai schon wieder deutlich erholt. Die Anfang August vorgelegten guten Quartalszahlen und der angehobene Jahresausblick stützten die Aktie zuletzt aber nicht mehr nachhaltig.
Sen kaufte daraufhin Anfang September Aktien für knapp 200.000 Euro zum Durchschnittskurs von 47,70 Euro. Finanzvorständin Sara Hennicken legte kurz danach mit Käufen für 100.000 Euro zum Kurs von 44,50 Euro nach.
Zuletzt hatten es Sen und andere Fresenius-Vorstände Anfang April mit Käufen von zusammen 875.000 Euro zum Kurs von um die 44 Euro auf die Handelsblatt-Liste der größten Insiderkäufe geschafft. Die jüngsten Käufe sind deutlich geringer, aber angesichts der positiven Aussichten im Gesundheitssektor und der vergleichsweise niedrigen Bewertung hält Stotz die Fresenius-Aktie für interessant.
Noch größere Insiderkäufe als bei Fresenius gab es im September beim Motorenhersteller Deutz und dem Onlinebroker Flatexdegiro. Beide sind im MDax der mittelgroßen Unternehmen notiert.
Die Deutz-Aktie hatten Vorstandschef Sebastian Schulte und andere Vorstände schon Anfang August gekauft. Nach den Käufen stieg die Deutz-Aktie bis zum 10. September um mehr als ein Drittel auf rund 13,30 Euro.
Danach fiel sie aber wieder, vor allem weil Deutz Mitte September über eine Kapitalerhöhung bei großen Investoren knapp 179 Millionen Euro einsammelte und die Aktien dafür zu 11,70 Euro ausgab. Deutz will vor allem sein Rüstungsgeschäft ausbauen und braucht dafür Kapital.
Deutz-Aufsichtsräte nutzten den gefallenen Kurs einige Tage nach der Kapitalerhöhung zum Kauf. Die Aktie fiel danach zwar noch etwas weiter, liegt auf Sicht der vergangenen zwölf Monate aber immer noch knapp 20 Prozent im Plus.
Die Aktie von Flatexdegiro notiert rund 35 Prozent unter ihrem Anfang Februar erreichten Rekordhoch, schwankt in diesem Jahr aber sehr stark. Die wieder gefallenen Kurse nutzten Ende September der inzwischen zum Co-Vorstandschef aufgestiegene Janos Benon über eine Vermögensverwaltung und Risikovorstand Evgeni Kaplun zum Kauf.
Nach einem starken ersten Halbjahr hatte der Onlinebroker die Gewinnprognose für das laufende Jahr kräftig erhöht. Kundenzuflüsse erhofft sich Flatex wie die gesamte Anlagebranche durch das im neuen Jahr startende Altersvorsorgedepot.
Den mit Abstand größten Aktienverkauf von Insidern im September gab es mit 47,7 Millionen Euro beim im SDax notierten Smart-Home-Anbieter Shelly. Grund dafür ist, dass der französische Elektrokonzern Schneider Electric Shelly übernehmen will.
Die Mitgründer und größten Anteilseigner Dimitar Stoyanov Dimitrov und Svetlin Iliev Todorov unterstützen die Übernahme. Todorov verkaufte seine Anteile im September über eine Holding.
Einen vergleichsweise kleinen Verkauf meldete Ende September zudem der Dax-Konzern Siemens Energy. Aufsichtsrat Robert Kensbock trennte sich von Aktien im Gesamtwert von gut 160.000 Euro.
Zuletzt hatte Kensbock Anfang April Siemens-Energy-Aktien für gut 80.000 Euro im April verkauft. Die Aktie stieg danach noch etwas weiter auf ein Rekordhoch von über 190 Euro. Seither hat sie mehr als ein Fünftel an Wert verloren.
Insgesamt haben im September 64 Unternehmen Aktienkäufe ihrer Führungskräfte an die Finanzaufsicht Bafin gemeldet und damit 15 mehr als im August. Aktienverkäufe meldeten 16 Unternehmen und damit nur eines weniger als im Vormonat.
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