BackDebatte über gefälschte Impfzertifikate erschüttert Schweizer Profisport
Debatte über gefälschte Impfzertifikate erschüttert Schweizer Profisport
Developing
FAZ1 hour agoSports3 min readGermanyView translation

Debatte über gefälschte Impfzertifikate erschüttert Schweizer Profisport

Nach Enthüllungen um Granit Xhaka, Breel Embolo und Patrick Fischer streitet die Schweiz über Vorbildfunktion und Konsequenzen für Profisportler.

Quick Look

  • Die Schweiz debattiert über den Umgang mit Profisportlern wie Granit Xhaka, Breel Embolo und Patrick Fischer, die während der Pandemie gefälschte Impfzertifikate nutzten.
  • Während der Fußballverband für sein Krisenmanagement kritisiert wird, entbrennt eine politische Debatte.

AI-generated summary

Why It Matters

Mehrere Schweizer Profisportler nutzten während der Pandemie gefälschte Impfzertifikate. Dies löste eine öffentliche Debatte über die Vorbildfunktion von Sportlern und die Glaubwürdigkeit der Verbände aus.

Font size

Vor sechseinhalb Jahren hat das Coronavirus jeglichen Sportbetrieb lahmgelegt. Die Pandemie wirkt heute vielerorts vergessen und verdrängt. In der Schweiz aber kehrt sie gerade mit Wucht in die öffentliche Debatte zurück. Nach Enthüllungen über die Fußball-Nationalspieler Granit Xhaka und Breel Embolo sowie den einstigen Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer streitet das Land darüber, wie man mit Profisportlern umgeht, die sich während der Corona-Zeit mit unerlaubten Mitteln über geltende Regeln hinweggesetzt haben.

Besonders in den Fällen Xhaka und Embolo gehen die Vorstellungen über angemessene Konsequenzen weit auseinander. Bekannt wurden die Vorwürfe gegen Nationalmannschaftskapitän Xhaka durch einen Bericht der Boulevardzeitung „Blick“. Die Luzerner Staatsanwaltschaft ermittelt demnach gegen ihn und eine Ärztin. Diese soll unter anderem für Xhaka eine Impfbestätigung ausgestellt haben, ohne zu impfen. Der Sunderland-Profi ließ zunächst verbreiten, er sei geimpft worden. Drei Tage später gab Xhaka aber zu, im Frühjahr 2022 ein Zertifikat gekauft zu haben. Xhaka und der Schweizerische Fußballverband einigten sich darauf, dass der Kapitän die vier Spiele der laufenden Länderspielphase nicht bestreitet.

Nur einen Tag vor dem ersten Spiel gegen Nordmazedonien teilte der Verband mit, dass auch Embolo nicht zur „Nati“ hinzustößt. In Skopje kam es zu einer Pressekonferenz, an der der Schweizer Nationaltrainer Murat Yakin irgendwann sagte: „Wir haben übrigens ein Spiel morgen.“ Der Fußballverband bestätigte, von Embolo drei Tage vor dem Spiel über einer Verurteilung wegen Anstiftung zur Urkundenfälschung informiert worden zu sein. Die Entscheidung, Embolo nicht zum Team stoßen zu lassen, fiel jedoch erst, nachdem die CH-Media-Gruppe die Strafe öffentlich machte. Schon frühere Recherchen legten nahe, dass Embolo 2021 über ein Mitglied der Hells Angels zwei Corona-Testzertifikate kaufte. Der Vermittler wurde mittlerweile von zwei Instanzen wegen Betrugs und Sexualdelikten verurteilt.

Die Beobachter sind sich einig, dass der Fußballverband bei Embolo eine äußerst schlechte Figur abgab. „Man hatte an der Medienkonferenz das Gefühl, der Einzige, der überrascht worden ist, war der Fußballverband“, sagte der Kommentator des Schweizer Fernsehens Sascha Ruefer. Kopfschütteln rief auch hervor, dass der Verbandssprecher in Skopje erklärte, Embolo habe den Verband nach der Verurteilung im Jahr 2025 nicht informiert, aber „inwiefern muss uns ein Spieler über eine private Angelegenheit informieren“?

Damit hört die Einigkeit in der Beurteilung aber auch auf. Der frühere Nationalspieler und heutige Ko-Kommentator Benjamin Huggel beschwerte sich per Whatsapp beim Züricher „Tages-Anzeiger“, nachdem dieser einen Kommentar veröffentlicht hatte, wonach Xhaka als Kapitän nicht mehr tragbar sei. „Es heißt, dass Xhaka nicht mehr als Vorbild tauge. Ich frage mich dann immer: Vorbild für wen?“, sagte Huggel. Auch die Schweizer Fußballjournalisten streiten über diese Frage. Die einen fordern, Nationalspieler müssten mit gutem Beispiel vorangehen. Andere sehen die Fälle Xhaka und Embolo nur als Spitze des Eisbergs in einem Geschäft, in dem täglich gelogen und betrogen werde.

Auch Patrick Fischer meldete sich in der jüngsten Debatte zu Wort. Im April war der damalige Trainer der Eishockey-Nationalmannschaft entlassen worden, nachdem er zugegeben hatte, dass er 2022 mit einem gefälschten Impfzertifikat zu den Olympischen Spielen nach Peking gereist ist. „Es tut mir leid für Granit. Ich verstehe seine Gründe“, sagte Fischer, nachdem Xhaka in seinem Statement betont hatte: „Ich empfand tiefes Misstrauen gegenüber dem Impfstoff.“ Zunächst wurde in der Debatte angeführt, der Fall Fischer wiege schwerer, weil er sich über eine Impfpflicht hinwegsetzte. Mittlerweile berichtete jedoch „Tages-Anzeiger“, Xhaka solle das Zertifikat für eine USA-Reise mit seinem damaligen Verein Arsenal London verwendet haben. Xhaka selbst äußerte sich dazu bisher nicht.

Auch die Gegner der Corona-Maßnahmen in der Schweizer Politik äußern sich. Die Jugendorganisation der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) startete eine Petition, die Straffreiheit für Personen fordert, die während der Pandemie Impfzertifikate gekauft haben. Der Einsatz der SVP bedeutet auch deswegen eine Verschiebung, weil es gerade SVP-Politiker waren, die den kosovarischstämmigen Xhaka wegen des Zeigens des Doppeladlersymbols 2018 im WM-Spiel gegen Serbien kritisierten. „Nein, das war keine harmlose Grußbotschaft“, schrieb „Weltwoche“-Chefredakteur Roger Köppel, der damals auch SVP-Abgeordneter war. Heute sagt Köppel in seinem Videopodcast: „Lasst Xhaka in Ruhe!“

Die Debatte könnte aber auch bald eine andere Richtung nehmen. So haben die Schweizer ohne Xhaka in den beiden Spielen gegen Nordmazedonien und Schottland überzeugt. Beide Spiele gewann die „Nati“ mit 3:0. In Skopje schoss sie allein in der ersten Halbzeit 17 Mal auf das gegnerische Tor. In Glasgow kamen von 732 Pässen der Schweizer deren 688 an. Überzeugt die Mannschaft auch am Samstag gegen Slowenien und am Dienstag wieder gegen Nordmazedonien, dürfte Trainer Yakin öfter die Frage hören, ob er bei der EM 2028 wirklich auf den dann fast 36 Jahre alten Xhaka setzen soll. Ardon Jashari von der AC Mailand hat ihn als Ballverteiler bislang gut vertreten. Als neuer Star der „Nati“ gilt ohnehin der Offensivkünstler und frühere Freiburg-Profi Johan Manzambi.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Trainer Yakin muss sich zur Zukunft von Xhaka in der Nationalmannschaft positionieren.

    Likely · Within weeks

Open Questions

  • Welche strafrechtlichen Konsequenzen folgen für Xhaka?
  • Wird Xhaka dauerhaft aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen?

Related Topics

This article was originally published by FAZ.

Related Stories

More on this topicgranit xhaka