Der erste Trainer seit Klopp, der zum BVB passt
Die Vertragsverlängerung mit Niko Kovac bis 2029 ist ein logischer Schritt für Borussia Dortmund, da er den Verein sportlich stabilisiert und den erfolgreichsten Punkteschnitt der Vereinsgeschichte erzielt hat.
Quick Look
- Niko Kovac hat sich als BVB-Trainer etabliert und mit einem Punkteschnitt von 2,15 den Vereinsrekord aufgestellt.
- Die Vertragsverlängerung bis 2029 unterstreicht die sportliche Stabilität und den Erfolg des pragmatischen Trainers in Dortmund.
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Why It Matters
Niko Kovac übernahm den BVB im Februar 2025. Er folgte auf eine lange Reihe von Trainern, die seit dem Abschied von Jürgen Klopp im Jahr 2015 den Verein trainierten.
Was haben Thomas Tuchel, Peter Bosz, Peter Stöger, Lucien Favre, Marco Rose, Edin Terzic und Nuri Sahin miteinander gemein? Sie alle haben, nachdem sich im Sommer 2015 ein gewisser Jürgen Klopp verabschiedet hatte, den BVB trainiert. Die meisten von ihnen waren durchaus erfolgreich: Tuchel gewann den DFB-Pokal, unter ihm holten die Dortmunder im Schnitt 2,09 Punkte pro Bundesligaspiel. Favre (2,08) war ihm dicht auf den Fersen. Terzic führte den BVB ebenfalls zu einem Pokalsieg sowie in das Champions-League-Finale 2024.
Und doch hatten sie primär in einer Kategorie keine Chance: im ewigen wie nervigen Vergleich mit Klopp, der in Dortmund mit jedem neuen Trainer angestellt wurde. Natürlich kam niemand dem kultisch verehrten aktuellen Bundestrainer nahe: nicht im Hinblick auf fußballerische Vorstellungen – vor allem aber nicht in Bezug auf die Persönlichkeit. Wie sollten sie auch?
Auch Niko Kovac ist mit Klopp kaum zu vergleichen. Kovac legt wesentlich mehr Wert auf defensive Stabilität, weiß die Erfahrung von Spielern deutlich mehr zu schätzen. Er stand, zumindest eilte ihm der Ruf voraus, als er im Februar 2025 kam, nicht unbedingt für Innovation und Offensive – eher für knochentrockenen Pragmatismus. Das gefiel (und gefällt nach wie vor) nicht jedem BVB-Fan. Doch mit Resultaten hat Kovac seine Kritiker weitgehend zum Schweigen gebracht.
Mentalitätsdebatten beim BVB? Das war gestern
In seiner ersten Saison führte er Dortmund in einem fulminanten Schlussspurt doch noch in die Champions League. Das war aus wirtschaftlichen Gründen wichtig. In seinem zweiten Jahr, seiner ersten vollen Saison, eroberten sich die Dortmunder den zweiten Platz hinter den Bayern zurück. Das war für das Selbstverständnis dieses stolzen Klubs von enormer Bedeutung.
Kovac hat es geschafft, dass der BVB wieder respektiert wird. Mentalitätsdebatten? Das war gestern. Die Mannschaft ist fit, robust und für Gegner in aller Regel unangenehm zu bespielen – obwohl es in den zwei Saisonvorbereitungen, die Kovac im vergangenen und vorletzten Sommer absolvieren konnte, kaum Zeit für umfangreiche athletische Arbeit gab. Doch Kovac ist halt tatsächlich ein Trainer alter Schule: Er weiß, dass Athletik zwar nicht alles ist – aber eben auch, dass sie die Basis für alles ist. Jüngere Trainer setzen häufig andere Schwerpunkte.
In der laufenden Saison will der BVB sein Spektrum erweitern: Die Mannschaft soll wieder für Attraktivität und Spektakel stehen. Das sei mit Kovac nicht möglich, haben die Kritiker geunkt. Doch die Indizien deuten darauf hin, dass sie irren könnten: Kovac bindet kreative Spieler wie Konstantinos Karetsas und Ethan Nwanery ein. Auch Talente wie Joane Gadou und Mathis Albert haben oder werden Chancen bekommen – vorausgesetzt, sie sind reif genug, sich so zu verhalten, dass sie die Balance nicht gefährden.
Die Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen dem BVB und diesem Trainer bis 2029 ist deshalb nicht nur folgerichtig – sondern Anlass, zu gratulieren. Kovac, weil er die Gelegenheit bekommt, die Vorurteile, die ihn über Jahre begleitet haben, zu widerlegen – und dem BVB, weil er so auch langfristig wieder einen Trainer hat, der zum Verein passt. Auch wenn dies viele lange Zeit nicht glauben wollten.
Ob der gemeinsame Weg dazu führt, dass der BVB wieder Deutscher Meister wird, ist offen. Das hängt in erster Linie davon ab, ob die Bayern auf Sicht so dominant bleiben werden, wie sie es in den vergangenen beiden Jahren waren. Doch das war ja, wenn wir ehrlich sind, auch schon in der Ära Klopp, als die Dortmunder 2011 und 2012 die Schale gewinnen konnten, die entscheidende Frage.
Apropos Klopp: Der kam in seinen sieben Dortmunder Jahren auf einen Schnitt von 1,91 Punkten. Kovac schaffte in 53 Bundesligaspielen 2,15 Zähler. Bezogen auf den Punkteschnitt ist er damit der erfolgreichste BVB-Trainer aller Zeiten. Was noch fehlt, sind Titel. Ausgeschlossen, dass die in den kommenden Jahren gewonnen werden, ist es zumindest nicht.
Open Questions
- Wird der BVB unter Kovac wieder Deutscher Meister?
- Wie entwickelt sich die offensive Spielweise langfristig?


