Deutschland plant Reform der Notfallversorgung: Integrierte Notfallzentren sollen 112 entlasten
Gesundheitsministerin Warken will mit neuem Gesetzentwurf Notaufnahmen entlasten und Patientenströme steuern – Kliniken kritisieren Sparmaßnahmen
Quick Look
- Die Bundesregierung plant eine Reform der Notfallversorgung mit integrierten Notfallzentren, die weniger dringende Patienten an Notfallpraxen weiterleiten sollen.
- Der Rettungsdienst und die Nummer 112 sollen entlastet werden, während die Servicenummer 116117 stärker genutzt werden soll.
- Kritik kommt von Krankenhäusern und Kassenärztlicher Vereinigung, die Sparmaßnahmen und zusätzliche Aufgaben befürchten.
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Why It Matters
Die Notaufnahmen deutscher Krankenhäuser sind seit Jahren überlastet. Die Zahl der ambulanten Notfälle ist 2024 auf 13 Millionen gestiegen, ein Plus von fünf Prozent zum Vorjahr. Der Gesetzentwurf knüpft an Pläne der Vorgängerregierung an, die wegen des Koalitionsbruchs nicht umgesetzt wurden.
Notaufnahmen gelten als überlastet, teilweise gibt es lange Wartezeiten. Deshalb ist vorgesehen, sogenannte »Integrierte Notfallzentren« aufzubauen, die Patienten mit weniger schlimmen Beschwerden in nahe gelegene Notfallpraxen weiterleiten können. Diese Empfangsstationen für Menschen mit Beschwerden sollen 24 Stunden geöffnet sein. Zum anderen soll der Rettungsdienst und die Notrufnummer 112 entlastet werden. Auch hier sollen Patientinnen, die sich nicht in einer medizinischen Notfallsituation befinden, zunächst die Servicenummer 116117 anrufen, um zu einer Ersteinschätzung ihrer Beschwerden zu kommen. Sollte dennoch ein Notfall vorliegen, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen der 116117 und den Rettungsleitstellen vorgesehen. Um die Menschen dazu zu bewegen, in weniger dringenden Fällen 116117 statt 112 anzurufen, sind Anreize geplant. Patientinnen mit entsprechendem Nachweis könnten dann am Empfang in der Klinik bei gleichgewichtigen Beschwerden bevorzugt behandelt werden. Sorge vor Sparmaßnahmen und zusätzlichen Aufgaben Während die Krankenkassen die Reform begrüßen, kommt Kritik insbesondere aus Richtung der Kliniken. Die Reform bedeute Sparmaßnahmen und zusätzliche Aufgaben – etwa durch die Einrichtung einer Empfangsstation vor der Notaufnahme. Die Kliniken seien am Limit, heißt es von der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Auch die Kassenärztliche Vereinigung sieht Probleme in der Umsetzung, weil Kassenärzte in die Notfallversorgung stärker eingebunden wären, sowohl telefonisch als auch ambulant. Laut Statistischem Bundesamt steigt die Anzahl der ambulanten Notfälle in Kliniken seit Jahren an. 2024 waren es 13 Millionen, ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gesundheitsministerin Warken bezeichnete die Reform als »überfällig«. Der Gesetzentwurf knüpft an die Gesetzespläne der Vorgängerregierung an, die wegen des Bruchs der Ampelkoalition aber nicht mehr umgesetzt wurden. 2027 könnte das Gesetz in Kraft treten.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Das Gesetz wird 2027 wie geplant in Kraft treten
Likely · Within months
Weitere Diskussionen über Finanzierung und Umsetzung zwischen Kliniken und Politik
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Wie genau sollen die Integrierten Notfallzentren finanziert werden?
- Welche konkreten Anreize sollen Patienten motivieren, 116117 statt 112 zu wählen?
- Wie wird die Zusammenarbeit zwischen 116117 und Rettungsleitstellen technisch umgesetzt?


