
Mehr als 59 Prozent des deutschen Stroms stammten im ersten Halbjahr 2026 aus erneuerbaren Quellen. Dennoch treibt der Bund den Ausbau von Gaskraftwerken voran.
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Im ersten Halbjahr 2026 lag der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix bei 59,1 Prozent. Deutschland plant den Kohleausstieg bis 2038 und setzt zur Absicherung auf neue Gaskraftwerke.
Wind und Sonne machen den deutschen Strommix grüner. Trotzdem treibt der Bund den Ausbau von Gaskraftwerken voran. Eine Grafik zeigt, woher der Strom zuletzt kam.
Windenergie an Land und auf See liefert den meisten Strom in Deutschland. Foto: Christian Charisius/dpa
Düsseldorf. Mehr als die Hälfte des deutschen Stroms stammt inzwischen aus erneuerbaren Quellen: Im ersten Halbjahr 2026 lag ihr Anteil laut Statistischem Bundesamt bei 59,1 Prozent.
Wichtigster Energieträger blieb die Windkraft vor der Kohle. Zugleich exportierte Deutschland deutlich mehr Strom als im Vorjahreszeitraum, der Importüberschuss schrumpfte von 8,3 auf 0,6 Terawattstunden (TWh). Ein Überblick, woher Deutschlands Strom aktuell kommt, wie viel das Land verbraucht und was passiert, wenn Energieträger ausfallen.
Wie setzt sich der Strommix in Deutschland zusammen?
Der Strommix setzt sich jeden Tag anders zusammen. An Sommertagen steigt der Anteil der Solarenergie, im Winter erzeugen Windräder tendenziell mehr Strom. So stellte im letzten Quartal 2025 Wind Onshore mit 30,6 Prozent den größten Anteil aller Energieträger an der Nettostromerzeugung. Onshore-Windkraftanlagen befinden sich auf dem Festland, während Offshore-Windkraft auf hoher See oder vor den Küsten produziert wird.
Auch auf Jahressicht trägt laut Angaben der Bundesnetzagentur Windkraft den größten Teil zur inländischen Stromerzeugung bei. 2025 waren es 30,3 Prozent. In den vergangenen Wochen blieb der Windkraft-Anteil dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE zufolge hoch, wie die folgende Grafik zeigt.
Hinweis: Die Grafik zeigt die öffentliche Nettostromerzeugung. Pumpspeicher sind ausgenommen.
Auffällig: Die Wetterlage der vergangenen Wochen führte zu merklichen Verschiebungen des Strommixes im Vorjahresvergleich. Allen voran die Dürreperiode verursachte im Sommer niedrige Pegelstände an Deutschlands Flüssen und drosselte die Stromerzeugung von Wasserkraftwerken.
Wie hoch ist die aktuelle Stromerzeugung in Deutschland?
Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland laut vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamts (Destatis) 230,6 TWh Strom erzeugt und ins Netz eingespeist, 4,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Nicht enthalten ist Strom, den Industriekraftwerke erzeugen und direkt im eigenen Betrieb verbrauchen, ebenso wie Solarstrom, den private Haushalte selbst nutzen. Im gesamten Jahr 2025 wurden laut Destatis 438,2 TWh Strom erzeugt und eingespeist.
Zur Einordnung: Ein durchschnittlicher Einpersonenhaushalt in einer Wohnung verbraucht laut Stromspiegel rund 1400 Kilowattstunden im Jahr. Rein rechnerisch würden 438,2 TWh den Jahresbedarf von etwa 313 Millionen solcher Haushalte decken. Tatsächlich fließt der größte Teil des Stroms aber nicht in Privathaushalte, sondern in die Wirtschaft. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) verbrauchten private Haushalte 2025 knapp 132 TWh, die Industrie dagegen 194 TWh.
Wie viel Strom verbraucht Deutschland?
Die in Deutschland verfügbare und nachgefragte Strommenge lag im ersten Halbjahr 2026 laut Destatis bei 231,2 TWh, ein Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit lag der Verbrauch leicht über der Erzeugung. Die Differenz von 0,6 TWh deckte Deutschland durch Importe aus dem Ausland. Ein Jahr zuvor war dieser Importüberschuss mit 8,3 TWh noch deutlich größer.
Dass Strom importiert wird, hat vor allem ökonomische Gründe – und bedeutet nicht, dass Deutschland den eigenen Strombedarf nicht decken könnte. Vielmehr erhält im gekoppelten europäischen Strommarkt grundsätzlich das günstigste Angebot den Vorzug.
Ist dänischer Windstrom oder französischer Atomstrom billiger als das nächste deutsche Kraftwerk, wird importiert. Umgekehrt funktioniert es genauso: Im ersten Quartal 2026 exportierte Deutschland unterm Strich Strom, weil die Großhandelspreise stärker fielen als in den meisten Nachbarländern, erklärt die Bundesnetzagentur. Claudia Kemfert, Leiterin der Energieabteilung am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, spricht von einem „ganz normalen Markteffekt“.
Mit welchem Land betreibt Deutschland am meisten Stromhandel?
Auf dem europäischen Strombinnenmarkt war Dänemark im vergangenen Jahr Deutschlands größter Lieferant von Strom (19,4 TWh). Dabei exportierte Deutschland mit 13,5 TWh die größte Menge Strom nach Österreich. Das geht aus den Zahlen der Bundesnetzagentur hervor.
Erneuerbare Energien: Wie sicher ist die Stromversorgung in Deutschland?
Photovoltaik und Windkraft sind die beiden Haupttechnologien des erneuerbaren Strommixes in Deutschland. Die Menge an Strom, die die beiden Technologien produzieren, ist jedoch volatil – und abhängig vom Wetter.
Scheint keine Sonne und weht kein Wind, können beide Quellen nahezu wegfallen. So spricht der Deutsche Wetterdienst von einer Dunkelflaute, wenn Wind- und Solaranlagen mindestens zwei Tage am Stück nur ein Zehntel dessen produzieren, was sie eigentlich könnten. Laut Statistik der Meteorologen passiert das in Deutschland im Schnitt zweimal pro Jahr.
Nach Angaben des BDEW haben Dunkelflauten in der Vergangenheit die Versorgungssicherheit Deutschlands jedoch zu keinem Zeitpunkt infrage gestellt. Auch die Bundesnetzagentur gibt Entwarnung. Spielt die Natur bei der Stromerzeugung nicht mit, springen bislang fossile Brennstoffe ein.
Künftig entfällt jedoch ein Energieträger: Bis 2038 steigt Deutschland aus der Kohleverstromung aus. Ersetzt werden soll sie mitunter durch den Ausbau von Gaskraftwerken. Elf Gigawatt will die Bundesregierung nach dem im Juli in Kraft getretenen „Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz“ (StromVKG) in den kommenden zwölf Monaten ausschreiben. Die erste Runde über 4,5 Gigawatt lief am 8. September, die zweite folgt Ende Dezember.
Insgesamt neun Gigawatt entfallen dabei auf sogenannte Langzeitkapazitäten. Das heißt: Die Anlagen müssen mindestens zehn Stunden am Stück mit mindestens 80 Prozent ihrer Leistung Strom liefern können. Formal ist das technologieoffen, in der Praxis erfüllen diese Vorgabe vor allem jedoch Gaskraftwerke.
Fallen fossile Energieträger perspektivisch weg, sollen die Kraftwerke nach Angaben der Bundesregierung später auf Wasserstoff umgestellt werden. Demnach müssen alle über das Gesetz geförderten Anlagen ab 2045 klimaneutral sein. Zusätzlich sollen laut Bundesnetzagentur ausgebaute Speicher und steuerbare Verbraucher wie Wärmepumpen und E-Autos die Versorgung sichern – ebenso wie der Stromhandel im europäischen Verbund.
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