Die Anziehungskraft des psychischen Leidens in der Gegenwart
Quick Look
Catherine Liu erklärt, dass psychische Störungen heute vor allem von der oberen Mittelschicht beansprucht werden und andere Formen des Leidens überdecken, da sie sich im Kapitalismus selbst optimieren wollen.
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Why It Matters
Der Artikel diskutiert die zunehmende Tendenz, psychische Störungen wie Angst, Autismus, Depression und ADHS selbst zu diagnostizieren und kleine Vorfälle als traumatisch zu wahrnehmen.
DIE ZEIT: Angst, Autismus, Depression, ADHS, alle scheinen damit beschäftigt zu sein, das eigene Leid zu diagnostizieren; auch kleine Vorfälle werden als traumatisch wahrgenommen. Warum übt seelisches Leid in der Gegenwart eine solche Anziehungskraft aus?
Catherine Liu: Ich glaube, diese Anziehungskraft besteht vor allem für die Eliten der oberen Mittelschicht. Psychische Störungen sind in gewisser Weise »gentrifiziert« worden und werden heute nahezu vollständig von Angehörigen der Mittelschicht beansprucht, die schon bei der geringsten Belastung in einer Welt leiden, in der sie nur ein Ziel verfolgen: sich selbst für den Wettbewerb im Kapitalismus zu optimieren. Ihr Leiden überdeckt dadurch alle anderen Formen des Leidens.
Open Questions
- Wie verbreitet ist dieses Phänomen tatsächlich?
- Welche Rolle spielen soziale Medien bei dieser Entwicklung?
- Gibt es Gegenbeispiele aus anderen sozialen Schichten?




