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Das Hotel Frankfurt Gravenbruch war bisher eine beliebte Unterkunft für Politiker und Prominente wie Bill Clinton, Arnold Schwarzenegger und Harry Styles sowie für die deutsche Fußballnationalmannschaft. Seit Mitte August nimmt es aufgrund von Sanktionen gegen den Eigentümer Ali Ansari keine Gäste mehr auf.
Das ehemalige Hilton Frankfurt Gravenbruch steckt in der Krise. EU- und US-Sanktionen gegen den Eigentümer erschweren die Rettung. So einen Fall hat der Insolvenzverwalter „noch nie erlebt“.
Luxushotel in Gravenbruch: Bislang beliebte Unterkunft für Politiker und Promis. Foto: Gökay Gürsoy/HB
Düsseldorf, Neu-Isenburg. Eigentlich gehört die Ruhe zu den Vorzügen des Luxushotels Frankfurt Gravenbruch. Rund 15 Kilometer vor den Toren der Bankenmetropole liegt das 225-Zimmer-Hotel in Neu-Isenburg mit Schwimmbad, Spa und Tennisplätzen. Ein Ort, an dem man bleiben möchte.
Doch inzwischen ist die Ruhe kaum mehr auszuhalten.
Die Lobby ist menschenleer. Nur vereinzelt huschen Mitarbeiter durch die Gänge. Wo sonst Gäste einchecken, ist kein Fremdenverkehr. Politiker und Stars wie Bill Clinton, Arnold Schwarzenegger oder Harry Styles haben in Gravenbruch logiert. Auch die deutsche Fußballnationalmannschaft hat hier schon öfter Quartier bezogen. Doch seit Mitte August beherbergt das Hotel keinen einzigen Gast mehr.
Der Miteigentümer des Hotels, der iranische Geschäftsmann Ali Ansari, steht wegen mutmaßlicher Unterstützung der iranischen Führung auf den Sanktionslisten der EU und der USA. Deshalb kündigte die US-Kette Hilton, die bis Ende August Betreiber des Luxushotels war, den Vertrag. Die Gesellschaften hinter dem Hotel sind insolvent, ihr Vermögen ist eingefroren. Über die Zukunft der Belegschaft entscheiden jetzt Behörden – nicht der Markt.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Kühne sagt: „Ich habe in meiner gesamten Laufbahn noch nie so einen Fall erlebt.“
Berichten zufolge hat Ansari sich in Europa ein etwa 400 Millionen Euro schweres Immobilienvermögen aufgebaut. Dazu zählt auch das Hotel Gravenbruch, das Ansari zum Teil direkt gehört.
Leere Lobby: Seit Mitte August nimmt das Hotel keine Gäste mehr auf. Foto: Gökay Gürsoy/HB
Gravenbruch ist nicht der einzige Fall: Ansari ist Berichten zufolge auch Eigentümer des „Hilton Frankfurt City Centre“, dessen Vertrag Hilton offenbar ebenfalls gekündigt hat. Indizien deuten darauf hin, dass das Vertragsverhältnis zum 1. November endet – ab dann sind über die Hilton-Webseite keine Zimmer mehr buchbar. Ansaris britischer Anwalt Roger Gherson reagierte nicht auf Fragen des Handelsblatts.
Die Europäische Union (EU) hat am 30. Juli Sanktionen gegen Ansari verhängt. Sie wirft Ansari vor, die iranische Regierung zu unterstützen. Ansari erwerbe „über ein Netzwerk von Unternehmen erhebliche Vermögenswerte, einschließlich Immobilien in der EU und im Vereinigten Königreich, im Namen von Personen, die mit der iranischen Führung verbunden sind, darunter auch der Oberste Führer Mojtaba Khamenei“. So steht es in der entsprechenden Durchführungsverordnung der EU.
Keine Buchungen über Booking
Großbritannien hatte schon im Herbst 2025 Sanktionen gegen Ansari verhängt. Im Januar 2026 stufte die EU dann die iranische Revolutionsgarde als Terrororganisation ein.
Zu diesem Zeitpunkt bekam das Hotel erstmals finanziell davon etwas zu spüren: Die Maßnahmen sollen die Hotelplattform Booking.com dazu bewegt haben, Hotels mit Verdacht auf Verbindungen zu Ansari aus dem Angebot zu nehmen. Auch Gravenbruch flog bei Booking raus.
Noch härter kam es im Juli: Das US‑Finanzministerium sanktionierte Ansari am 10. Juli als „wichtigen Geldgeber“ für Khamenei. US-Firmen sollten bis zum 9. August die Geschäfte mit Ansaris Unternehmen Smart Global Limited, einem der Gesellschafter des Hotels in Gravenbruch, beenden.
Ali Ansari: Die EU hat Sanktionen gegen den iranischen Geschäftsmann verhängt. Foto: imago images/ZUMA Wire
Damit geriet Hilton unter Druck, kündigte den Vertrag in Gravenbruch und zog Ende August aus. Die Hilton-Logos wurden offenbar entfernt oder mit schwarzem Klebeband überklebt.
Machtloser Insolvenzverwalter
Erst eine Woche vor der EU-Sanktion, am 23. Juli, hatte das Amtsgericht Offenbach am Main das vorläufige Insolvenzverfahren der beiden Gesellschaften hinter dem Hotel eingeleitet. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmte es Joachim Kühne von der Kanzlei CMS Hasche Sigle.
In dieser Rolle müsste Kühne eigentlich Rechnungen begleichen, Bestellungen aufgeben oder Dienstleister beauftragen. Doch dazu ist er nicht in der Lage. Der Grund: Die deutschen Sanktionsbehörden haben das Vermögen der Gesellschaften eingefroren.
„Jede beabsichtigte Zahlung müssen wir bei der Bundesbank anzeigen, die den Vorgang prüft und dann erst die Zahlung freigibt“, erklärt Kühne im Vorfeld einer Personalversammlung des Hotels. Das erschwere es ihm enorm, „wichtige operative Entscheidungen zu treffen“.
Neben der Bundesbank ist auch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) an der Freigabe wirtschaftlicher Ressourcen beteiligt. Die Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung (ZfS) der Generalzolldirektion ermittelt zudem zu eingefrorenem Vermögen.
» Lesen Sie auch: „Tiefe strukturelle Krise“: Insolvenzverwalter werden immer mehr zu Sanierern
Ein Sprecher der ZfS sagte dem Handelsblatt, dass man zu konkreten Einzelfällen nichts sagen könne. Auch die BAFA wollte sich „mit Blick auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse nicht zu einzelnen etwaigen Ausfuhrvorgängen äußern“.
„Ansari hat keinen Einfluss auf mein Handeln"
Kühne betont, er habe das Amt des sogenannten starken vorläufigen Insolvenzverwalters bekommen. Das bedeutet, dass er die vollständige Kontrolle über das Vermögen hat, während die Geschäftsführung außen vor bleibt.
„Die Behörden sind trotz allem der Ansicht, dass Ansari noch Einfluss nehmen kann“, sagt Kühne. Diese Sorge kann er nicht nachvollziehen: „Herr Ansari hat keinen Zugriff auf das von mir verwaltete Vermögen und keinen Einfluss auf mein Handeln.“
Aus Sicht der Behörden könnte die Verbindung zu Moris Mashali problematisch sein. Werner Kleber, Geschäftsführer der Eigentümergesellschaft des Hotels in Gravenbruch, führt gemeinsam mit dem im Iran geborenen Briten eine weitere Gesellschaft.
Laut Bloomberg gründete Mashali gemeinsam mit Ali Ansari das Unternehmen Ziba Leisure Limited. Nach Angaben des US-Finanzministeriums heißt die Gesellschaft heute Smart Global Limited. Sie hält Anteile an dem Hotel in Gravenbruch.
Gegenüber Bloomberg erklärte Mashali, er sei lediglich als Rechtsanwalt und Berater für Ansari tätig und habe keine Beziehung zu Khamenei. Kleber sagte dem Handelsblatt, er habe nie direkt mit Ali Ansari zusammengearbeitet.
Wer hinter der Allsco GmbH steht
Eigentümer des Hotels ist die Allsco GmbH, die laut dem jüngsten Jahresabschluss über eine Bilanzsumme von mehr als 85 Millionen Euro verfügt. Einer der drei Gesellschafter ist Ansari persönlich, der 5,2 Prozent des Unternehmens hält. Hinzu kommt Ansaris Smart Global Limited, die auf der als Offshore-Finanzplatz bekannten Karibikinsel St. Kitts and Nevis registriert ist. Ihr gehören 4,9 Prozent. Mit 89,9 Prozent ist ein erst im Frühjahr 2025 gegründetes Luxemburger Unternehmen der größte Gesellschafter.
Diesem Unternehmen gehört laut Handelsregister auch die Allsco Gravenbruch Hotelbetriebsgesellschaft mbH, also die Betreibergesellschaft des Hotels.
Die Zukunft des Hotels liegt in den Händen der Behörden. Joachim Kühnevorläufiger Insolvenzverwalter
Anwalt Kühne sieht indes vor allem eine Chance für das Hotel: „Wir wollen das Hotel an einen Investor verkaufen, damit die 140 Mitarbeiter wieder eine berufliche Zukunft haben“, sagt Kühne. Daher habe er schon mit Verfahrensbeginn einen Verkaufsprozess angestoßen. „Es gibt auch ernsthafte Interessenten.“
Allerdings ist auch ein Verkauf nur möglich, wenn die Behörden zustimmen. „Vor einigen Wochen habe ich die Behörden gefragt, ob sie einem Verkauf des Hotels zustimmen würden“, sagt Kühne. „Ich habe bis heute keine Antwort erhalten.“
Wenn es keine Lösung gebe, „reicht das Geld aus der Insolvenzmasse etwa für einen Monat“. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens erwartet Kühne für den 1. Oktober. „Die Zukunft des Hotels liegt in den Händen der Behörden.“
Kein Hilton-Hotel mehr: Das Logo wurde offenbar überklebt. Foto: Gökay Gürsoy/HB
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Robin Eisermann ist Chef des Betriebsrats des Hotels. „Wir hatten vor den Sanktionen eine richtig starke Prognose für dieses Jahr“, sagt Eisermann. „Ich bin Küchenchef und kann seit den Sanktionen nicht mehr meiner Arbeit nachgehen.“ So gehe es allen Abteilungen im Haus. „Die Mitarbeiter sind mittlerweile zermürbt.“
Mehr: Booking.com-Chef: „Manchmal buchen Gäste günstiger beim Hotel direkt"
Erstpublikation: 29.09.2026, 15:59 Uhr.
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