Vor einem Jahr stimmten die Hamburger für Klimaneutralität bis 2040. Die ganz großen Veränderungen blieben aus, doch der eigentliche Stresstest steht erst noch bevor.
Ein Jahr nach dem Volksentscheid für Klimaneutralität in Hamburg bis 2040 ist die große Veränderung ausgeblieben, doch der erste Härtetest steht mit der Schätzbilanz im Sommer 2027 bevor.
AI-generated summary
Vor einem Jahr stimmten Hamburger für Klimaneutralität bis 2040. Seit Anfang 2026 gelten erstmals gesetzliche CO2-Höchstmengen.
Als die Hamburger vor einem Jahr für Klimaneutralität bis 2040 stimmten, schien die Sache eindeutig. Die einen feierten den Volksentscheid vom 12. Oktober 2025 als historischen Schritt für den Klimaschutz. Die anderen warnten vor Milliardenkosten, Verboten und sozialen Verwerfungen. Zwölf Monate später ist beides nicht eingetreten. Das verschärfte Klimagesetz gilt, doch die große Veränderung ist ausgeblieben. Weder ist Hamburg erkennbar klimaneutraler geworden, noch sind die befürchteten Folgen für Mieter, Autofahrer oder Unternehmen sichtbar. Dafür steht die Stadt vor der Frage: Was passiert im nächsten Jahr?
Denn: Die schärfsten Instrumente des sogenannten Zukunftsentscheids kommen erst noch. Seit Anfang 2026 gelten erstmals gesetzlich festgelegte Höchstmengen für den jährlichen CO2-Ausstoß der Stadt. Ob Hamburg diese Budgets einhält, wird im Sommer 2027 klar. Bis zum 30. Juni muss der Senat eine Schätzbilanz vorlegen. Dann wird sichtbar, ob die Ziele gerissen worden sind. Bei einer Überschreitung müsste der Senat nach den Vorgaben des Klimaschutzgesetzes innerhalb von fünf Monaten Maßnahmen beschließen, die das Defizit ausgleichen sollen.
Was dann konkret passieren würde, lässt der Senat bislang offen. Man prüfe „ein breites Spektrum an Maßnahmen“, heißt es aus der Umweltbehörde. Derzeit befänden sich die Behörden in den Vorbereitungen für die nächste Fortschreibung des Klimaplans. Gleichzeitig verweist der Senat darauf, dass ein Sofortprogramm nur Maßnahmen enthalten könne, die tatsächlich in Hamburgs eigener Regelungskompetenz liegen.
Ende Juni veröffentlichte die Umweltbehörde erstmals eine solche Schätzbilanz, die als unmittelbare Folge des verschärften Klimaschutzgesetzes eingeführt wurde. Ihr Zweck: deutlich früher als bisher sichtbar zu machen, ob Hamburg beim Klimaschutz vorankommt oder zurückfällt. Das erste Ergebnis war ernüchternd. Für das Jahr 2025 wies die Bilanz CO2‑Emissionen von 12,037 Millionen Tonnen aus. Gegenüber dem Vorjahr entsprach das einem Anstieg um 2,6 Prozent. Seit 1990 hat Hamburg seine Emissionen damit zwar um 41,3 Prozent gesenkt. Vom gesetzlichen Zwischenziel einer Minderung um 70 Prozent bis 2030 ist die Stadt jedoch weiterhin ein gutes Stück entfernt.
Die Ursachen für den Anstieg von 2024 auf 2025 liegen nach Darstellung der Umweltbehörde vor allem außerhalb klassischer Klimapolitik. Ein kälterer Winter ließ den Verbrauch von Erdgas und Kohle für die Fernwärme steigen, die wirtschaftliche Erholung erhöhte den Energiebedarf der Unternehmen. Hinzu kommt ein Effekt, der die Widersprüche der Transformation sichtbar macht: Mit der zunehmenden Elektrifizierung des Verkehrs steigt zunächst der Stromverbrauch. Gleichzeitig fiel die Dekarbonisierung des Bundesstrommixes schwächer aus als in den Vorjahren.
Zwar konnte die Fernwärme ihren CO2‑Fußabdruck senken. Nach Angaben der Umweltbehörde sank dort der CO2‑Ausstoß pro Kilowattstunde innerhalb eines Jahres um rund 13 Prozent. Verantwortlich seien eine stärkere Nutzung industrieller Abwärme sowie zusätzliche Abwärme aus der Müllverwertungsanlage Borsigstraße. Der Effekt reichte jedoch nicht aus, um den insgesamt gestiegenen Energieverbrauch in Hamburg auszugleichen.
Für die Initiatoren des Volksentscheids bestätigt die Bilanz vor allem ihre Kritik am bisherigen Tempo des Senats. „Der Anstieg der Emissionen im Jahr 2025 stellt einen unerwarteten Tiefpunkt dar und hätte für den Senat den Wendepunkt darstellen müssen“, sagt Annika Rittmann, Sprecherin der Initiative Zukunftsentscheid. Die Schätzbilanz mache nun erstmals sichtbar, was Kritiker seit Jahren beklagten: die Lücke zwischen den selbst gesetzten Zielen und den tatsächlichen Fortschritten.
Zu erwähnen ist dabei, dass die erste Schätzbilanz noch keine unmittelbaren Folgen auslöst. Für das Jahr 2025 galten die neuen Emissionsobergrenzen noch nicht. Sie wurden erst mit Beginn des Jahres 2026 wirksam. Der eigentliche Stresstest des Volksentscheids steht daher noch aus. Erstmals im Sommer kommenden Jahres wird sich zeigen, ob Hamburg den gesetzlich vorgeschriebenen Emissionspfad einhält oder ob der Senat zum Nachsteuern gezwungen wird.
„Derzeit sind die bundespolitischen Entwicklungen für Hamburg keine Hilfe“
Spätestens dann dürfte ein Konflikt in den Mittelpunkt rücken, der sich bereits heute abzeichnet. Die Umweltbehörde wie auch die Verkehrsbehörde verweisen immer wieder auf Rahmenbedingungen, die Hamburg nicht selbst bestimmen kann. Im Verkehrsbereich seien die entscheidenden Hebel die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte und ein klimafreundlicherer Strommix. Die Diskussion über das Verbrenner-Aus und fehlende günstige Elektroautos habe den Wandel zuletzt gebremst. Auch beim Ausbau von Wärmepumpen und Wärmenetzen sieht der Senat den Bund in der Pflicht.
„Derzeit sind die bundespolitischen Entwicklungen für Hamburg keine Hilfe“, heißt es dazu aus der Umweltbehörde. Benötigt würden verlässlichere Rahmenbedingungen für Wärmepumpen, schnellere Genehmigungen für Wärmenetze und wettbewerbsfähige Strompreise. Auch die Verkehrsbehörde verweist auf Förderprogramme und steuerliche Anreize, die nur Berlin setzen könne.
Genau darin wiederum sieht die Initiative ein Problem. „Anstatt den klaren Auftrag der Wählerinnen und Wähler anzunehmen, schiebt der Senat die Verantwortung nach Berlin ab“, sagt Rittmann. Für das eigentliche Kernproblem habe die Stadt bisher keine Antwort vorgelegt. „Für die über Jahre angehäufte Ambitionslücke hat der Senat bis heute keinen Plan kommuniziert.“
In ihrem jüngsten Klimaplan-Zwischenbericht bewertet die Umweltbehörde die Aussichten für Industrie, Gewerbe und private Haushalte vergleichsweise optimistisch. Als Sorgenkind gilt dagegen der Verkehrssektor. Dort seien zusätzliche Maßnahmen notwendig, um die vorgesehenen Minderungsziele zu erreichen. Ausgerechnet in jenem Bereich also, in dem Klimapolitik unmittelbar in den Alltag der Hamburger eingreift, sieht der Senat schon heute den größten Handlungsbedarf.
Umstieg auf Elektroautos würde helfen
Die Verkehrsbehörde setzt dennoch vor allem auf technologische Lösungen. Der Schlüssel zur Emissionsminderung liege „nicht in Fahrverboten oder sonstigen Einschränkungen, sondern in der Antriebswende und im Strommix“. Hamburg verfüge bereits über den höchsten Anteil von Elektroautos und Plug-in-Hybriden unter den Bundesländern. Zudem werde die Ladeinfrastruktur massiv ausgebaut. Bis 2030 sollen 10.000 Ladepunkte zur Verfügung stehen. Gleichzeitig verweist die Behörde auf steigende Fahrgastzahlen im HVV, sinkende Zulassungen privater Pkw und einen wachsenden Radverkehr.
Auch Umweltsenatorin Katharina Fegebank sieht Hamburg auf Kurs. „Klimaneutralität bis 2040 ist ein extrem ambitioniertes Ziel und für eine Industrie- und Hafenmetropole wie Hamburg ein gewaltiges Projekt“, sagt die Grünen-Politikerin. Der Auftrag der Wähler sei angenommen worden. Die erste Bilanz liege vor, nun würden die Weichen für die nächste Fortschreibung von Klimaplan und Klimaschutzgesetz gestellt.
Besonders offen spricht Fegebank dabei über die Unsicherheit des Prozesses. „Wir kennen das Ende nicht, machen uns aber auf den Weg – auch wenn wir heute noch nicht jeden einzelnen Schritt bis 2040 am Reißbrett kennen“, sagt sie. Für die Senatorin ist das kein Ausdruck von Planlosigkeit, sondern eine Haltung, die sie bei einem Besuch in Kopenhagen kennengelernt habe und die sie auch für Hamburg anstrebt.
Genau daran wird sich der Volksentscheid in seinem zweiten Jahr messen lassen müssen. Die Abstimmung ist entschieden, das Ziel ebenfalls. Offen ist inzwischen weniger das Ob als das Wie. Wenn die nächste Schätzbilanz im Sommer 2027 vorliegt, wird sich zeigen, ob Hamburg den neuen Emissionspfad einhält oder erstmals nachsteuern muss. Dann dürfte auch die Frage lauter werden, ob die größten Hindernisse tatsächlich in Berlin liegen – oder doch vor der eigenen Haustür.
Redakteurin Julia Witte genannt Vedder arbeitet in der Hamburg-Redaktion von WELT und WELT AM SONNTAG. Seit 2011 berichtet sie über Hamburger Politik. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Umweltpolitik. Sie ist Co-Vorsitzende der Landespressekonferenz Hamburg, dem Verein der Landespolitikjournalisten.
AI outlook — possibilities, not facts
Vorlage der Schätzbilanz durch den Senat
Very likely · Within months
Four people were killed in the United States in connection with Hurricane Isaias, one in Florida and two in Alabama. Hundreds of thousands of households are without electricity. At the same time, Mexico is preparing for Hurricane Simon, which has wind speeds of almost 300 km/h and is expected to cause storm surges and flooding on the coast of Jalisco.

Hurricane Isaias has claimed four lives in the United States and left hundreds of thousands without power. The category two storm hit Florida, later weakening, but the threat of flooding remains. At the same time, Mexico is preparing for Hurricane Simon, which is expected to be Category 4.

Hurricane Isaias hit the US Gulf Coast in Florida and Alabama with heavy rain, flooding and squalls. More than 726,000 people were without power, and authorities warned of floods and tornadoes.

Brazil's public prosecutor's office is demanding around 96 million euros in damages from Shell because of the deadly floods in the state of Rio Grande do Sul in 2024. It is the first time in the world that a national prosecutor's office has sued an oil company over a climate disaster.

Hurricane Isaias made landfall on the Florida coast as a force two storm. Hundreds of thousands of homes in Florida and Alabama are without power, roads have been closed and evacuations have been ordered.

Hurricane Isaias has hit the US Gulf Coast, triggering evacuations in Florida and Alabama and significantly impacting oil and gas production in the Gulf of Mexico. At the same time, political developments became known: Katie Zacharia becomes Trump's new press secretary, Trump is again considering the dismissal of central bank director Lisa Cook and the USA is imposing sanctions against the International Criminal Court.