
Nach einem tödlichen Unfall in Südkorea geraten Teslas versenkte Türgriffe und komplizierte Notöffner international in die Kritik. Behörden und Verbraucherschützer prüfen den Fall.
Nach dem tödlichen Unfall eines Lkw-Fahrers in einem brennenden Tesla Model Y in Südkorea prüfen Behörden und Verbraucherschützer weltweit die Sicherheit der elektrischen Türgriffe und Notentriegelungen.
AI-generated summary
Ein Lkw-Fahrer starb am 10. Oktober 2024 bei Anseong in einem brennenden Tesla, da sich die Türen nicht öffnen ließen. Weltweit gibt es ähnliche Vorfälle und Klagen.
Bei einem Tesla-Brand in Südkorea bekamen die Helfer die Tür nicht auf. Jetzt prüfen drei Behörden den Fall. Auch in den USA klagen Familien, in China ruft Tesla Fahrzeuge zurück.
Bei einem Unfall in Korea konnte sich der Fahrer nicht aus dem Auto befreien. Foto: NA TV
Am 10. Oktober 2024 musste ein Lkw-Fahrer in Anseong die Scheibe eines brennenden Tesla Model Y einschlagen, da sich die Tür nicht öffnen ließ. Der Fahrer starb auf dem Rücksitz.
In den USA gab es mindestens 15 Todesfälle bei ähnlichen Vorfällen. Seit September 2025 untersucht die US-Verkehrsbehörde NHTSA 174.000 Model Y, deren Türen bei schwacher Batterie von außen nicht zu öffnen sind.
Die Verbraucherorganisation Citizens United for Consumer Sovereignty erstattete Strafanzeige gegen Tesla Korea und drei Geschäftsführer.
Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.
Düsseldorf. Die Front des Tesla war an einer Mauer zerquetscht. Unter dem Wagen schlugen Flammen hervor. Auf dem Rücksitz trat jemand gegen das Fenster. Ein herbeigeeilter Lkw-Fahrer versuchte, die Tür des weißen Model Y zu öffnen. Sie ging nicht auf.
Das geschah am 10. Oktober 2024, auf der Provinzstraße 23 bei Anseong, südlich von Seoul. Der Helfer holte ein Werkzeug aus seinem Lkw und schlug eine Scheibe ein. Dichter, brauner Rauch quoll aus dem Tesla. Der Mann kam nicht mehr an den Wagen heran.
Um 17.45 Uhr ging bei der koreanischen Feuerwehr ein Notruf ein, sechs Minuten später traf der erste Trupp an der Unfallstelle ein. 58 Einsatzkräfte brauchten bis 18.56 Uhr, um den Brand zu löschen. Um 19.53 Uhr bargen sie den toten Fahrer. Er lag auf dem Rücksitz, hinter dem Fahrersitz. Der Fall beschäftigt bis heute die Behörden.
Beileid unabhängig von Schuld
Zwei Jahre später sitzt Seo Young-deuk, der Chef von Tesla Korea, als Zeuge im Verkehrsausschuss der Nationalversammlung. Die Abgeordneten haben ihn zu ihrer jährlichen Prüfung der Regierungsarbeit geladen. Tesla Korea hat nach Seos Angaben in diesem Jahr bis Ende September rund 89.000 Autos verkauft.
Ob er den Unfall von Anseong kenne, will der Abgeordnete Hwang Un-ha wissen. „Ich habe davon gehört“, antwortet Seo. Hwang legt den Bericht der Feuerwehr vor. Die Tür sei von innen nicht zu öffnen gewesen und von außen auch nicht, hält er dem Manager vor. „Ist das kein ernstes Problem?"
Hat Tesla vor, das zurückzurufen, oder nicht? Hwang Un-ha Abgeordneter der koreanischen Nationalversammlung
Seo spricht sein Beileid aus, „unabhängig von Schuld oder Unschuld“. In einem Tesla gebe es eine Vorrichtung, mit der sich die Türen von Hand öffnen ließen. „Was soll das denn sein?“, fragt Hwang. Ob Seo die Abdeckung meine, die man abreißen müsse, um dann an einem Band zu ziehen?
„Richtig“, antwortet der Manager, „die Vordersitze und ...“. Weiter kommt er nicht. „Hat Tesla vor, das zurückzurufen, oder nicht?“, setzt Hwang nach. Seo beginnt mit „In China ...“, dann schneidet ihm der Abgeordnete das Wort ab: „Hören Sie auf, es ist schon zu viel Zeit vergangen."
Fahrzeugdaten verbrannten
Dem Handelsblatt liegen die Unterlagen vor, die Feuerwehr, Polizei und Verkehrsministerium zum Unfall von Anseong verfasst haben. Am Tag nach dem Unfall kündigte ein Polizeibeamter an, die Verriegelung des Wagens vom Nationalen Forensik-Institut analysieren zu lassen. Ermittler vermuteten, der Fahrer sei vor den Flammen nach hinten ausgewichen und dann nicht mehr aus dem Model Y herausgekommen.
Auf dem Video eines Autofahrers, das der Sender MBC zeigte, leuchtet am brennenden Wagen noch das linke Rücklicht. Der Fahrzeugexperte Lee Ho-geun von der Daeduk-Universität schrieb eine Woche nach dem Unfall, die Verbindung zur 12-Volt-Versorgung sei deshalb wahrscheinlich nicht getrennt gewesen. Dann begutachteten Feuerwehr, Polizei, Forensiker und die Verkehrssicherheitsbehörde das Wrack in einem Tesla-Servicecenter.
Sicherheitsbedenken
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Das Institut identifizierte laut Polizei an Vorder- und Hintertür die Seilzüge der manuellen Entriegelung. Ob sie funktionierten und erreichbar waren, geht aus der Zusammenfassung der Polizei nicht hervor. Youngsuk Choi leitet den Autoausschuss der Verbraucherorganisation Citizens United for Consumer Sovereignty. Er sagt, möglich sei auch, dass „einfach Kabelteile in den Türen gefunden wurden".
Von der verbrannten SD-Karte mit den Fahrdaten ließ sich nichts auslesen. Die Feuerwehr nennt als Ursache des Personenschadens die „rasche Verbrennung durch thermisches Durchgehen der Batteriezellen“. Die Polizei führte den Tesla als „Fahrzeug des Beschuldigten“. Sie schloss die Akte, weil der Fahrer tot war.
Crashtest für die Wahrheitsfindung
Das Verkehrsministerium ordnete Ende Oktober 2024 eine Prüfung an. Anlass waren laut Prüfbericht Medienberichte über die Türen von Tesla-Fahrzeugen nach dem Unfall von Anseong. Geprüft wurde, ob Tesla die Vorschriften zum Insassenschutz bei einem Aufprall einhält.
Die Prüfstelle kaufte ein Testauto und fuhr es am 13. Dezember mit 56,53 Stundenkilometern gegen eine verformbare Barriere. Es war ein Model 3, gebaut in Shanghai. Danach waren die Schlösser entriegelt, alle vier Türen ließen sich ohne Werkzeug öffnen.
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Das Ergebnis lautete „erfüllt“. Ob die Türen von innen oder außen, elektrisch oder von Hand geöffnet wurden, hielten die Prüfer nicht fest. Bei einem Fahrzeug und einem Crashtest blieb es laut Bericht „unter Berücksichtigung der gesamten Rahmenbedingungen wie Budget und Zeitplan“. Ein Model Y prüfte die Behörde nicht.
Für das Model 3 der Jahre 2017 bis 2023 nennt das koreanische Handbuch für eine Notöffnung nur den Hebel an den Vordertüren. Wie sich eine Hintertür ohne Strom öffnen lässt, steht in Teslas Werkstatthandbuch. Der Mechaniker löst eine Schraube unter der Armlehne, nimmt eine Abdeckung ab und zieht den Seilzug mit einem Haken aus der Türverkleidung.
Warum die Tür des Model Y von Anseong nicht aufging, steht in keinem der drei Berichte. Tesla ließ eine Anfrage hierzu unbeantwortet.
Weltweit Tote
Das Problem mit den Tesla-Türen ist weltweit bekannt. In Deutschland starben 2022 bei Dobbrikow in Brandenburg zwei Jugendliche auf der Rückbank eines Model S. Ersthelfer hatten die hinteren Türen nicht aufbekommen. Gutachter des Prüfkonzerns Dekra schrieben für die Staatsanwaltschaft später von einem „Versagen dieser Sicherungsfunktion“. Bei korrekter Funktion der Türen hätte „noch eine Bergung der beiden auf der Rücksitzbank verbliebenen Insassen“ erfolgen können.
Nachdem das Handelsblatt 2024 darüber berichtet hatte, empfahl der Automobilklub ADAC Tesla-Fahrzuegen, einen Notfall-Fensterhammer mitzuführen. Das Kraftfahrt-Bundesamt erklärte, es setze sich bei der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für eine Anpassung der Vorgaben ein. Auf Nachfrage teilte die Behörde nun mit, die dortige Arbeitsgruppe habe „spürbare Fortschritte“ erzielt: Versenkbare Türgriffe sollen nach einem Unfall automatisch ausfahren oder anders von außen zugänglich werden. Der finale Entwurf soll im Dezember 2026 vorliegen.
Unfallstelle bei Dobbrikow: Ersthelfer berichteten, dass sie die Hintertüren des Tesla nicht öffnen konnten. Foto: 7aktuell.de
In den USA kam Ende Oktober 2025 in Easton, Massachusetts, ein 20-Jähriger mit seinem Model Y des Modelljahrs 2021 von der Straße ab. Er überlebte den Aufprall und rief den Notruf: Er komme nicht heraus, der Wagen brenne. Die Polizei fand seine Überreste auf dem Rücksitz. Im Februar 2026 verklagte seine Familie Tesla vor einem Bundesgericht.
Weitere Familien klagen in Kalifornien, Wisconsin und Texas. Die Nachrichtenagentur Bloomberg zählte im Dezember 2025 mindestens 15 Tote in einem Dutzend Unfällen. Jeweils ließen sich die Türen eines brennenden Tesla nicht öffnen. Die US-Verkehrsbehörde NHTSA untersucht seit September 2025 rund 174.000 Model Y, deren Türen sich bei schwacher Batterie von außen nicht öffnen ließen.
In China meldete Tesla im August 2026 einen Rückruf für fast drei Millionen Fahrzeuge an. Die mechanische Notentriegelung sei „schwer zu erkennen und zu bedienen“, schreibt der Konzern auf seiner Website. Bei einem schweren Unfall könnten Insassen die Türen womöglich nicht schnell öffnen. Acht weitere Hersteller, darunter Xiaomi und Xpeng, riefen am selben Tag Fahrzeuge wegen der Notöffner zurück.
Anzeige in Seoul
In Korea erstattete Chois Verbraucherorganisation am 7. Oktober Strafanzeige gegen Tesla Korea, gegen Seo und zwei weitere Geschäftsführer, David John Feinstein und Rakesh Bhatia. Sie wirft ihnen vor, Sicherheitsmängel ihrer Fahrzeuge weder offengelegt noch behoben zu haben. Darauf stehen bis zu zehn Jahre Haft.
Die Anzeige stützt sich auf das Kfz-Verwaltungsgesetz, das Hersteller und Importeure verpflichtet, Mängel am sicheren Betrieb unverzüglich offenzulegen und zu beheben. Die Ursache des Unfalls von Anseong legt die Anzeige nicht fest. Als Mangel nennt die Organisation die Notöffner der Türen.
Bei einem Tesla liegen die Griffe bündig in der Karosserie, die Türen öffnen elektrisch, per Knopfdruck.
Nicht alle Model Y sind mit einer manuellen Entriegelung für die Hintertüren ausgestattet. Teslas Model-Y-Handbuch 2020-2024
Fällt der Strom aus, bleibt den Insassen nur eine mechanische Entriegelung. Die Verbraucherschützer nennen sie das „letzte Fluchtmittel“. Sie sitze bei den meisten Modellen an einer schwer auffindbaren Stelle. Beim Model Y ist es an den Vordertüren ein Hebel vor den Fensterschaltern. Für die Hintertüren beschreibt Teslas Handbuch drei Handgriffe: Matte aus dem Türfach nehmen, Abdeckung über eine rote Lasche lösen, Seil nach vorn ziehen.
Im selben Kapitel steht: „Nicht alle Model Y sind mit einer manuellen Entriegelung für die Hintertüren ausgestattet.“ Von außen lassen sich die Türen nur elektrisch öffnen. Es ist nicht die erste Anzeige der Organisation gegen Tesla. Im Juni 2021 zeigte sie Tesla Korea, die US-Zentrale und Elon Musk wegen der Türgriffe von Model X und Model S an.
Die Polizei in Seoul gab den Fall ein Jahr später mangels Beweisen nicht an die Staatsanwaltschaft weiter. Mit dem Rückruf in China habe Tesla the Mangel selbst anerkannt, argumentiert Verbraucherschützer Choi. Das sei ein Beweis, „den es 2021 nicht gab“.
Ein ungeklärter Tod
Am Tag darauf sitzt Seo im Ausschuss. Nach ihm sagt auch Choi als Zeuge aus. Die Behörden hätten den Unfall jeweils nur aus ihrer Sicht betrachtet, kritisiert er. Die Hinterbliebenen würden das Ergebnis wohl erst durch diese Anhörung erfahren. „Der Kern dieses Unfalls ist, dass jemand starb, weil er nicht herauskam."
„Reicht allein die Erklärung, dass es eine Notöffnungsvorrichtung gibt?“, schreibt der Abgeordnete Hwang nach der Befragung. Die Verbraucherschützer verlangen eine Vorschrift, nach der sich Türen auch ohne Strom von jedem Sitz aus schnell öffnen lassen. Ihre Begründung: „Ein Unfall kann jeden treffen."
AI outlook — possibilities, not facts
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