Nach dem Amoklauf in Krakau mit sechs Toten hat die Polizei im Haus des Täters drei weitere Leichen gefunden. Es handelt sich um Eltern und Schwester.
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Ein 24-jähriger Täter erschoss auf dem Hauptmarktplatz in Krakau sechs Menschen und verletzte weitere Personen, bevor er von der Polizei gestoppt wurde.
Die drei Toten im Haus des Todesschützen von Krakau sind nach Polizeiangaben die Eltern und die Schwester des Mannes. Das berichtete der polnische Rundfunksender RMF FM unter Berufung auf den Sprecher der polnischen Polizeizentrale in Warschau, Andrzej Fijolek.
Die Leichen waren bei einem Polizeieinsatz am Samstagabend im Haus des 24-jährigen Schützen in der Stadt Ostrowiec Swietokrzyski etwa zwei Stunden Autofahrt nordöstlich von Krakau entdeckt worden. Ministerpräsident Donald Tusk hatte zuvor bereits gesagt, dass es sich wahrscheinlich um die engste Familie des Todesschützen handele.
Nach dem verheerenden Gewaltverbrechen in der Innenstadt von Krakau trauert Polen um die zahlreichen Opfer und rätselt weiter über das Motiv des Täters. Er erschoss am Samstag aus einem Auto heraus sechs Zufallsopfer auf dem Hauptmarktplatz und verletzte mehr als ein Dutzend Menschen, bevor Polizisten ihn mit Schüssen außer Gefecht setzen konnten. Staatspräsident Karol Nawrocki kündigte für Sonntag und Montag eine landesweite Staatstrauer an.
Bei dem Täter handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen jungen Polen, der nicht gezielt, sondern wahllos auf seine Opfer geschossen haben soll. Vier Frauen und zwei Männer wurden getötet. Unter den Opfern sind nach Angaben des polnischen Innenministers Marcin Kierwinski auch Ausländer. Von den sechs Todesopfern habe ein Mensch eine ausländische Staatsangehörigkeit, sagte der Minister, die BBC berichtet von einem getöteten Briten.
Unter den ins Krankenhaus eingelieferten 16 Menschen seien fünf Nicht-Polen, sagte Kierwinski weiter. Darunter sei auch eine Person aus Deutschland, außerdem Menschen aus Österreich, Portugal, Russland und Großbritannien. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es auf Anfrage, man könne bestätigen, dass bei dem Angriff auch eine Person mit deutscher Staatsangehörigkeit verletzt worden sei. Das deutsche Generalkonsulat Krakau stehe mit den zuständigen Behörden in Kontakt. Zwölf der Verletzten sind nach Angaben des Chefs der Woiwodschaft Kleinpolen, Krzysztof Kleczar, in einem kritischen oder lebensgefährlichen Zustand.
Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus und dementierte Berichte über eine Fahndung nach einem möglichen Komplizen. Weshalb der Schütze am frühen Nachmittag das Feuer eröffnete und welche Vorgeschichte seine Tat hatte, ist noch Teil der Ermittlungen. Der Mann soll nach ersten Erkenntnissen „sehr radikale Ansichten“ vertreten haben, wie Innenminister Kierwinski sagte. Es gebe Anzeichen dafür, dass er von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen sei, auch wenn dies noch näher überprüft werden müsse.
Nach Polizeiangaben verwendete der Täter eine halbautomatische Langwaffe, ähnlich einem Sturmgewehr vom amerikanischen Typ AR-15. Die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtete, Fotos nach zu urteilen sei die Waffe mit einer Vorrichtung zur präziseren Schussabgabe ausgestattet gewesen. Der Täter habe zudem eine Pistole bei sich geführt. In seinem Auto seien viele weitere Waffen und Munition gefunden worden, sagte eine Polizeisprecherin.
Medienberichten zufolge war der Wagen des Mannes auf der Flucht vom Tatort an einer Kreuzung mit einem anderen Auto zusammengestoßen. Daraufhin sei der Angreifer aus seinem Fahrzeug gesprungen und habe auf die Einsatzkräfte geschossen. Diese hätten das Feuer erwidert und den Täter getroffen, der überwältigt werden konnte und ins Krankenhaus gebracht wurde.
The „blitzschnelle Reaktion“ der Polizei habe ein noch größeres Massaker verhindert, betonte Innenminister Kierwinski. Die Beamten hätten innerhalb von drei Minuten nach der ersten Alarmierung schon Schüsse auf den Angreifer abgegeben. Das polnische Verteidigungsministerium dementierte Spekulationen, dass es sich bei dem Verdächtigen um einen Soldaten oder Ex-Soldaten handele.
Zwei Polizisten wurden verletzt, einer von ihnen erlitt den Angaben zufolge drei Schusswunden. „Wir beten für diesen tapferen Polizisten, für diesen Helden, dass er überleben möge“, sagte der Innenminister. Der Täter selbst sei wegen seiner lebensgefährlichen Verletzungen in einem Krakauer Krankenhaus mehrfach operiert worden.
Welche Dimensionen das Gewaltverbrechen hat, wurde erst nach und nach klar. Später suchten Einsatzkräfte das etwa zwei Stunden Autofahrt von Krakau entfernte Wohnhaus des Schützen auf. Wegen des Verdachts, dass sich dort Sprengsätze befinden könnten, wurden mithilfe einer Drohne Aufnahmen gemacht, auf denen die drei Toten zu sehen waren.
Augenzeugen schildern chaotische Szenen
Aufnahmen von der Tat und panisch flüchtenden Menschen machten in sozialen Medien und im Fernsehen schnell die Runde. Augenzeugen berichteten von beängstigenden Szenen im Zentrum der zweitgrößten Stadt des Landes.
„Im ersten Moment hat großes Chaos geherrscht. Die Menschen haben begonnen, sich hektisch zu bewegen, ich habe umgestürzte Tische gesehen“, sagte eine Person dem TV-Sender Polsat News. „Plötzlich ist ein Auto herangefahren, und ein Mann hat begonnen, aus dem Fenster des Wagens zu schießen“, berichtete ein weiterer Augenzeuge. Der Angreifer habe einen Helm oder eine Maske getragen, sein Gesicht sei nicht zu sehen gewesen.
Die Spurensicherung am Tatort sollte bis mindestens Sonntag dauern, sagte Justizminister Waldemar Zurek. Zeugen wurden gebeten, sich bei der nächsten Polizeidienststelle zu melden. Zurek kündigte eine harte Bestrafung des Täters an.
Regierungschef Tusk und sein Innenminister machten sich noch am Samstag auf den Weg nach Krakau. Die Universitätsstadt hat mehr als 800.000 Einwohner und ist als Teil des Unesco-Welterbes ein beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt.
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Landesweite Staatstrauer am Sonntag und Montag
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