Eric Schmidt warnt vor russischem Angriff auf Nato-Staaten
Der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt sieht eine wachsende Gefahr für Europa und betont die Notwendigkeit militärischer Innovationen sowie souveräner KI-Systeme.
Quick Look
- Der frühere Google-Chef Eric Schmidt warnt auf der Konferenz „Bits & Pretzels“ vor einem möglichen russischen Angriff auf Nato-Staaten, insbesondere im Baltikum.
- Er fordert zudem verstärkte militärische Innovationen und europäische Souveränität bei KI-Technologien.
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Why It Matters
Der Ukraine-Krieg beschleunigt militärische Innovationen. Eric Schmidt ist seit 2025 Vorstandsvorsitzender bei Relativity Space.
München. Der frühere Google-Chef Eric Schmidt rechnet mittel- bis langfristig mit einem russischen Angriff auf ein Nato-Land. „Je stärker Russland wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass es sich irgendwann ein Ziel in einem Nato-Land aussucht“, sagte Schmidt, auf der Münchner Gründerkonferenz „Bits & Pretzels“. Dort sprach er mit Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes. Am ehesten träfe ein russischer Angriff die baltischen Staaten, sagte Schmidt, der seit 2025 Vorstandsvorsitzender und Verwaltungsratschef des Raketenunternehmens Relativity Space ist.
„Ich mache mir sehr, sehr große Sorgen um Europa“, sagte Schmidt. Der Krieg in der Ukraine treibe die militärische Innovation auf beiden Seiten in bislang ungekanntem Tempo voran: „Eine neue Technologie auf russischer Seite wird binnen drei Monaten in der Ukraine nachgeahmt – und umgekehrt.“ Russlands Tempo bei dieser Entwicklung habe zuletzt zugenommen.
Europas Armeen bezeichnete Schmidt als „sehr klein im Vergleich zu dem, was tatsächlich benötigt wird“. Die Entscheidung europäischer Staaten, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen, begrüßte er ausdrücklich: „Insbesondere Deutschland macht dabei einen hervorragenden Job.“
Neben dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sprach Schmidt auch über die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI). Microsoft-Mitgründer Bill Gates hatte zuvor gewarnt, KI könne eines Tages bis zu eine Milliarde Menschen töten. Schmidt entgegnete, solche Aussagen seien zu ungenau: Wer eine solche These aufstelle, müsse erklären, wie genau das passieren solle. Die Technologie sei zwar „enorm mächtig“, hinter jeder Handlung eines KI-Systems stehe aber bislang immer ein Mensch, der sie ausgelöst habe.
Einen Entwicklungsstopp für KI lehnt Schmidt ab. Eine Verlangsamung müsste weltweit gelten, damit sie wirkt. Nötig wäre dafür zunächst ein Vertrag zwischen den USA und China, den beiden führenden KI‑Mächten. Doch selbst das reicht ihm zufolge nicht: Auch die europäischen Staaten müssten sich einigen, ebenso bräuchte es eine Stelle, die die Einhaltung weltweit kontrolliert. Genau an dieser Kontrolle scheitere es in der Praxis meist.
Er warb für den Einsatz von KI in Entwicklung und Fertigung in Deutschland: Entwürfe könnten künftig binnen eines Tages entstehen, per 3D-Druck gefertigt und sofort getestet werden. Zudem plädierte er für eigene, „souveräne“ KI-Sprachmodelle je europäischem Land, da US-Systeme nicht automatisch europäische Werte und Geschichtsinterpretationen abbildeten. Als Beispiel für ein europäisches KI-Unternehmen nannte er das Start-up Mistral.
Open Questions
- Wie genau soll eine weltweite KI-Kontrollinstanz implementiert werden?
- Welche konkreten Nato-Staaten sind am stärksten gefährdet?





