Erstes Urteil im Regeni-Fall: Drei ägyptische Geheimdienstmitarbeiter zu je zehn Jahren Haft verurteilt
Quick Look
- Ein römisches Schwurgericht hat drei ägyptische Geheimdienstmitarbeiter wegen Freiheitsberaubung des italienischen Forschers Giulio Regeni zu jeweils zehn Jahren Haft verurteilt.
- Ein vierter Angeklagter wurde freigesprochen.
- Das Urteil erfolgte fast zehn Jahre nach dem Tod des 28-jährigen Studenten, dessen Leiche 2016 in Kairo gefunden wurde.
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Why It Matters
Giulio Regeni, ein 28-jähriger italienischer Doktorand, verschwand Ende Januar 2016 in Kairo. Seine Leiche wurde am 3. Februar 2016 gefunden und wies Spuren schwerer Misshandlungen und Folter auf. Der Fall zog internationale Aufmerksamkeit auf sich und führte zu diplomatischen Spannungen zwischen Italien und Ägypten.
Ein erster juristischer Meilenstein: Fast zehn Jahre nach dem Tod des italienischen Doktoranden Giulio Regeni hat ein Schwurgericht in Rom drei Mitarbeiter des ägyptischen Geheimdienstes verurteilt. Die Richter sprachen den Major Magdi Ibrahim Abdelal Sharif sowie die Obersten Uhsam Helmi und Athar Kamel Mohamed wegen Freiheitsberaubung schuldig und verhängten jeweils Haftstrafen von zehn Jahren. Ein vierter Angeklagter, General Tariq Sabir, wurde freigesprochen.
Von dem Vorwurf des Mordes wurden die Verurteilten freigesprochen. Das Gericht sah den Tatbestand der Entführung beziehungsweise Freiheitsberaubung als erwiesen an.
Das Urteil erging 3890 Tage nach dem Fund der Leiche Regenis am 3. Februar 2016 in Kairo. Der 28-jährige Forschungsstudent war wenige Tage zuvor in der ägyptischen Hauptstadt verschwunden. Sein Körper wies zahlreiche Spuren schwerer Misshandlungen und Folter auf. Der Fall hatte international für Empörung gesorgt.
Urteil wahrscheinlich ohne Ausführung
Mit dem Urteil liegt nun erstmals eine gerichtliche Bewertung des Falls vor. Die italienische Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, dass sich ihre Anklage auf Dokumente, Zeugenaussagen, forensische Gutachten und weitere unabhängige Beweise stütze.
Alessandra Ballerini, Anwältin der Familie Regeni, sprach von einem wichtigen Schritt. Das Urteil zeige, dass das Vertrauen in die Justiz gerechtfertigt gewesen sei. Zugleich betonte sie, dass der langwierige Prozess trotz zahlreicher Hindernisse zustande gekommen sei und einen Erfolg im Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit darstelle.
Vor dem Gerichtsgebäude in Rom versammelten sich Angehörige, Unterstützer und Unterstützerinnen sowie Vertreter der Politik, darunter die Vorsitzende der italienischen sozialdemokratischen Partito Democratico, Elly Schlein. Sie bekundeten ihre Solidarität mit der Familie und forderten eine vollständige Aufklärung des Falls.
Der Prozess in Rom hat in Abwesenheit der Angeklagten stattgefunden. Die ägyptischen Behörden haben im Fall Regeni bislang nicht mit der italienischen Justiz kooperiert und die Vorwürfe gegen die Sicherheitsbeamten zurückgewiesen.
Die drei verurteilten ägyptischen Sicherheitsbeamten müssen voraussichtlich nicht ins Gefängnis, solange sie sich in Ägypten aufhalten. Kairo hat sie bislang nicht ausgeliefert und es besteht kein Auslieferungsabkommen zwischen Italien und Ägypten.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Italien wird diplomatischen Druck auf Ägypten erhöhen, um die Auslieferung der verurteilten Beamten zu erwirken.
Likely · Within months
Ägypten wird das Urteil weiterhin ablehnen und keine Kooperation mit der italienischen Justiz zeigen.
Very likely · Within months
Open Questions
- Werden die verurteilten Beamten jemals ausgeliefert?
- Wie wird Ägypten auf das Urteil reagieren?
- Gibt es weitere Ermittlungen gegen andere Verantwortliche?
- Wie wird das Urteil die italienischen-ägyptischen Beziehungen langfristig beeinflussen?





