Explosionen an Umspannwerk bei Jänschwalde – Brandenburg spricht von versuchter Sabotage
Quick Look
- Bei zwei Explosionen an einem Umspannwerk nahe dem Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg wurden mehrere Sprengvorrichtungen gefunden.
- Innenminister Redmann sprach von versuchter Sabotage mittels Treibsatz, um einen Kurzschluss herbeizuführen.
- Die Stromversorgung war nicht gefährdet, da die Sicherungssysteme funktionierten.
AI-generated summary
Why It Matters
Das Umspannwerk in Turnow-Preilack dient der Spannungsanpassung des vom Kohlekraftwerk Jänschwalde erzeugten Stroms. Das Kraftwerk wurde zwischen 1976 und 1989 als letzter Neubau der DDR errichtet und verfügt über vier Blöcke. Bei dem Vorfall löste ein gezielter Kurzschluss ein Lichtbogenereignis aus, das jedoch durch die Sicherungssysteme abgefangen wurde.
An einem Umspannwerk im brandenburgischen Turnow-Preilack, in der Nähe des Kraftwerks Jänschwalde, hat es mindestens zwei Explosionen gegeben. Vor Ort entdeckte die Polizei mehrere Sprengvorrichtungen. Die genaue Zahl ist noch unklar – sie soll aber zweistellig sein. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht nicht. Ein Überblick
Welches Umspannwerk war von den Detonationen betroffen?
Das Umspannwerk liegt zwischen Preilack und der Gemeinde Tauer. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) sprach von versuchter Sabotage. Er sagte, Ziel der Täter sei es gewesen, »mittels eines Treibsatzes« leitfähiges Material in die Höchstspannungsleitung fliegen zu lassen. So sollte ein Kurzschluss herbeigeführt werden, was in zwei Fällen gelungen sei. Vor Ort sehe man, dass dieser Kurzschluss bei einer solchen Höchstspannungsleitung so heftig sei, dass es im Boden zu einer »Aufwühlung von Erde« komme. »Also, das ist dann schon ein richtig heftiger Schlag«, sagte Redmann. Ein Mitarbeiter des Netzwerkbetreibers 50Hertz habe »einen Feuerball« beobachtet.
Anders als die Polizei sprach Redmann nicht von Detonationen. »Da haben wir aber gegenwärtig keinen Hinweis darauf«, sagte er. Stand jetzt gehe man von einem »Kurzschluss in einer Höchstspannungsleitung« aus, »der hier dann ins Erdreich gegangen ist«.
Wie auf der Website Kultur. Landschaft. Digital. nachzulesen ist, befindet sich auf dem Gelände des Umspannwerks ein Betriebsgebäude aus den 1980er-Jahren, das noch heute durch den Betreiber genutzt wird. Weitere Baracken, die vermutlich der Unterbringung der Beschäftigten während des Aufbaus dienten, stehen demnach leer.
Welche Folgen hatten die Detonationen am Umspannwerk?
Nach ZEIT-Informationen lösten die Detonationen ein sogenanntes Lichtbogenereignis aus; es trat also kurzzeitig unkontrolliert elektrische Energie aus dem Umspannwerk aus. Daraufhin gab es eine zeitweise Leitungsunterbrechung. Die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt.
Wie sind das Umspannwerk und das Kraftwerk Jänschwalde verbunden?
Das Kohlekraftwerk Jänschwalde – 1976 bis 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet – erzeugt elektrische Energie. Diese wird nicht direkt an regionale und überregionale Haushalte verteilt, sondern zunächst im Umspannwerk auf die passende Spannung gebracht.
Nach der Detonation am Umspannwerk an diesem Dienstagmorgen um 7.33 Uhr fuhr im Kraftwerk sofort und automatisch der Block B herunter, wie der Betreiber bestätigte. Weil die anderen der insgesamt vier Kraftwerksblöcke noch liefen, war die Stromversorgung nicht gefährdet. Derzeit stimme man sich mit 50Hertz ab und arbeite an der Wiederinbetriebnahme von Block B. »Wir sind gerade dabei, ihn wieder anzufahren, er soll noch heute Abend wieder ans Netz gehen«, sagte ein Sprecher. Der Vorfall zeige, dass die Sicherungssysteme beim Umspannwerk und im Kraftwerk funktionierten.
Was ist über den oder die Täter bekannt?
Wer die Sprengvorrichtungen angebracht hat und welches Motiv der oder die Täter hatten, ist bisher nicht bekannt. Laut Brandenburgs Innenminister Redmann gingen die Täter systematisch vor. »Das war kein Kinderstreich«, sagte er.
Nach ZEIT-Informationen gibt es bislang keinen konkreten Verdacht, dass Russland dahinterstecken könnte.
Welche Reaktionen gibt es auf den Vorfall in Turnow-Preilack?
Brandenburgs Infrastrukturminister Robert Crumbach (SPD) sprach – wie auch der Kraftwerkbetreiber – von einem Anschlag. »Der Anschlag auf die Infrastruktur in Jänschwalde ist ein Angriff auf die Sicherheit und die Lebensgrundlagen der Menschen in Brandenburg und darüber hinaus«, sagte Crumbach. Wer kritische Infrastruktur beschädige, gefährde Arbeitsplätze, Versorgungssicherheit, »das Vertrauen und letztlich die Gesundheit und das Leben der Menschen«.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich erleichtert, dass niemand bei dem Vorfall zu Schaden gekommen sei. »Dennoch nehmen wir die Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur sehr ernst. Die besorgniserregend hohe Frequenz derartiger Vorfälle zeigt, dass wir unsere Infrastrukturen entschlossen schützen müssen«, sagte Woidke.
Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Ermittlungen werden sich auf die Identifizierung der Täter und ihres Netzwerks konzentrieren.
Very likely · Within weeks
Es werden verstärkte Sicherheitskontrollen an ähnlichen Energieinfrastrukturanlagen in Brandenburg angeordnet.
Likely · Within days
Open Questions
- Wer hat die Sprengvorrichtungen platziert?
- Welches Motiv hatten die Täter?
- Gab es weitere Sprengvorrichtungen, die nicht gefunden wurden?
- Wird der Vorfall mit früheren ähnlichen Angriffen in Verbindung gebracht?

