
Die Europäische Zentralbank reagiert mit einer weiteren Zinserhöhung auf den anhaltenden Preisdruck und die Energiekrise im Euro-Raum.
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Die EZB reagiert auf die hohe Inflation im Euro-Raum, die durch den Ölpreisschock infolge des Irankriegs verstärkt wurde. Ziel ist die Rückkehr zum Zwei-Prozent-Inflationsziel.
Frankfurt, Berlin. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen im Euro-Raum zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöht. Der Leitzins steigt wie erwartet um einen Viertelprozentpunkt auf 2,5 Prozent. Das teilten die Währungshüter im Anschluss an ihre auswärtige Sitzung am Donnerstag in Berlin mit.
Die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum „deutlich über unserem Zielwert bleiben“, heißt es im Beschluss zum Zinsentscheid. Die Notenbank unterstreiche mit der erneuten Erhöhung ihre Entschlossenheit, den Preisdruck zu senken.
Der Zinsschritt ist bereits seit Tagen vollständig an den Märkten eingepreist, wie es im Fachjargon heißt. Für Bewegung am Markt könnte jedoch die Pressekonferenz mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Investoren erhoffen sich Hinweise auf den weiteren Zinskurs, wenn die Französin die Beschlüsse ab 14:45 Uhr in einer Pressekonferenz erläutert. Die wichtigsten Aussagen können Sie live auf unserer Website verfolgen.
Investoren an den Terminmärkten setzen verstärkt darauf, dass die EZB die Leitzinsen im Dezember und dann im Frühjahr weiter anheben könnte. Hauptgrund ist die Energiekrise: Der Brent-Ölpreis ist diese Woche erstmals seit Mai wieder über 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Gas ist inzwischen zweieinhalbmal so teuer wie vor dem Irankrieg, weil Sorgen vor einem Gasmangel zunehmen.
Die steigenden Zinserwartungen schlagen sich immer deutlicher an den Anleihemärkten nieder. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreicht quasi täglich neue 15-Jahres-Hochs. Unmittelbar vor dem EZB-Zinsentscheid stieg sie bis auf 3,45 Prozent. Das sind knapp 0,8 Prozentpunkte mehr als im Februar. Im Gleichklang steigen die Renditen anderer Euro-Staatsanleihen.
Die EZB veröffentlichte am Donnerstag parallel zum Zinsentscheid neue Prognosen zu Wachstum und Inflation, die aufgrund der stark schwankenden Öl- und Gaspreise aber nur von begrenzter Aussagekraft sind. Ihre Wachstumsprognose für dieses und nächstes Jahr haben die EZB-Ökonomen leicht auf 0,9 und 1,4 Prozent angehoben. Die Inflationsprognose für 2027 fällt mit durchschnittlich 2,5 Prozent ebenfalls etwas höher aus als vor drei Monaten.
Der Ölpreisschock infolge des Irankriegs hat den Preisdruck im Euro-Raum deutlich verstärkt. Im August sind die Verbraucherpreise um 3,3 Prozent gestiegen. Dosierte Zinserhöhungen sind das Gegenmittel der Wahl, damit die heimische Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen nicht zu stark anzieht und die Preise noch weiter vom Zwei-Prozent-Ziel wegtreibt.
Je stärker die Energiepreise die Inflation antreiben, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Teuerungsschub in der Breite festsetzt. Die Sorge vor solchen Zweitrundeneffekten hat sich bisher nicht bewahrheitet. Auch die Inflationserwartungen sind weitgehend stabil. Die EZB will auch unbedingt dafür sorgen, dass dies so bleibt.
Als Reaktion hatte sie den für von Spar- und Kreditzinsen relevanten Einlagensatz im Juni erstmals seit drei Jahren wieder angehoben und im Juli auf diesem Niveau belassen. Viele Analysten sind bislang zurückhaltender als Marktteilnehmer, wenn es um weitere Schritte geht.
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Weitere Zinsanhebungen im Dezember und Frühjahr erwartet.
Likely · Within months

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