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BackFreihandel: EU-Firmen befürchten Nachteile durch Schweizer Abkommen mit China
Freihandel: EU-Firmen befürchten Nachteile durch Schweizer Abkommen mit China
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Handelsblatt32 minutes agoBusiness5 min readGermany

Freihandel: EU-Firmen befürchten Nachteile durch Schweizer Abkommen mit China

Deutschland warnt vor Chinas Exportüberschüssen, während die Schweiz auf Freihandel setzt – ein Kontrast, der für EU-Unternehmen riskant sein könnte.

Quick Look

  • Die Schweiz hat ihr Freihandelsabkommen mit China modernisiert, wodurch 99,8 Prozent der Schweizer Warenexporte zollfrei nach China gelangen.
  • EU-Diplomaten und Industrievertreter warnen vor Wettbewerbsnachteilen für EU-Unternehmen, da Schweizer Firmen chinesische Vorprodukte günstiger beziehen können.
  • Das Schweizer Wirtschaftsministerium schätzt jährliche Einsparungen auf 266 Millionen Euro.

AI-generated summary

Why It Matters

Die Schweiz unterhält seit 2014 ein Freihandelsabkommen mit China, das nun modernisiert wurde. Deutschland und die EU warnen unterdessen vor Chinas hohen Exportüberschüssen und setzen auf protektionistische Maßnahmen. Die Schweiz ist Chinas siebtgrößter Handelspartner in Europa, während die EU der wichtigste Handelspartner der Schweiz ist.

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Die Schweiz hat mit China ein Freihandelsabkommen modernisiert, das 99,8 Prozent der Schweizer Warenexporte zollfrei nach China bringt und Schweizer Firmen Gleichberechtigung bei dortigen Investitionen sichert.

EU-Diplomaten und Industrievertreter warnen, dass Schweizer Unternehmen nun chinesische Vorprodukte günstiger beziehen werden und so gegenüber EU-Firmen Wettbewerbsvorteile haben.

Das Schweizer Wirtschaftsministerium schätzt Einsparungen für Schweizer Firmen auf 266 Millionen Euro jährlich.

Das Abkommen könnte Hoffnungen der Schweiz bezüglich ihrer Handelsbeziehungen mit der EU jedoch konterkarieren: Um unter „Buy European“-Regeln Präferenzen bei öffentlichen Ausschreibungen in der EU zu erhalten, müsste das Land etwa Zölle gegen chinesische Elektroautos verhängen.

In der Schweiz kritisieren Linke und Grüne das Abkommen für fehlende Fortschritte bei Menschenrechten und planen ein Referendum, um es rückgängig zu machen.

Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.

Brüssel, Peking, Rom, Shanghai. Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am vergangenen Freitag in Peking vor dem Verlust der europäischen Industrie warnte, besiegelte die Schweiz mit China ein Freihandelsabkommen, das fast alle Zölle abschafft.

EU-Diplomaten und Insider von Industrieunternehmen warnen in Gesprächen mit dem Handelsblatt nun vor Wettbewerbsnachteilen für EU-Unternehmen durch dieses Abkommen. Das liegt auch daran, dass es im Kontrast zur EU-Politik gegenüber China steht.

Im weitverzweigten Komplex der Großen Halle des Volkes kreuzten sich am Freitagnachmittag die Wege der Delegationen aus Deutschland und der Schweiz. Kurz bevor der chinesische Staatschef Xi Jinping Steinmeier mit militärischen Ehren empfing, unterzeichnete er gemeinsam mit dem Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin eine modernisierte Version ihres bereits seit zwölf Jahren bestehenden Freihandelsabkommens.

Gegen den Protektionismus-Trend

In seiner neuen Fassung ermöglicht das Abkommen zwischen Peking und Bern, dass künftig fast alle Schweizer Waren zollfrei nach China gelangen können. Gleichzeitig garantiert es Schweizer Unternehmen bei Investitionen in China eine Gleichberechtigung mit chinesischen Investoren. Die vorherige Version des Abkommens hatte bereits so gut wie alle Zölle für chinesische Einfuhren in die Schweiz abgeschafft.

Konkret sehen Vertreter von EU-Politik und EU-Unternehmen die Gefahr, dass chinesische Hersteller europäische Handelsschutzmaßnahmen über die Schweiz umgehen. Da das Land relativ klein ist und keine Seehäfen hat, sei diese Gefahr aber kleiner als ein zweites Risiko: dass Schweizer Unternehmen gegenüber ihren EU-Wettbewerbern besser gestellt würden.

266 Millionen Euro sollen Schweizer Unternehmen nach dem Inkrafttreten des Abkommens jährlich einsparen können.

Denn während Hersteller in der EU auf chinesische Vorprodukte wie Stahl oder Autoteile hohe Schutzzölle zahlen müssen, können ihre Schweizer Konkurrenten diese Produkte aus China günstiger beziehen. Zugleich erhalten Schweizer Unternehmen einen besseren Zugang zum chinesischen Markt.

Spannungen mit der EU drohen

Der Schweizer Bundespräsident Parmelin nannte die Unterzeichnung einen „neuen Schritt in unseren Beziehungen“. Die beiden Länder könnten stolz auf das Verhandlungsergebnis sein, sagte er. Und auch Xi hob den politischen Mut beider Länder hervor.

Steinmeier indes warb in Peking für eine Lösung im Streit um Chinas hohe Exportüberschüsse. „Wir Europäer können nicht zulassen, dass unsere industrielle Basis verloren geht“, warnte er.

Die Schweiz ist als kleines Land jedoch teils auf die günstigen Importe angewiesen. In der jüngeren Vergangenheit hat sie daher verstärkt auf Freihandelsabkommen gesetzt. So hat sie allein in den vergangenen zwei Jahren neun Abkommen aktualisiert oder neu geschlossen, darunter solche mit wichtigen Ländern wie Großbritannien und Indien.

Der Schweizer Präsident Guy Parmelin (3.v.r.) auf dem Weg zu seinem Treffen mit Xi Jinping in Peking: Beide Länder erhoffen sich wirtschaftspolitische Vorteile. Foto: IMAGO/ITAR-TASS

Doch das Abkommen mit China könnte nun einen unerwünschten Nebeneffekt haben und neue Spannungen mit der EU auslösen. Dabei gingen 51 Prozent der Schweizer Exporte im Jahr 2025 in die EU – der Staatenbund ist eindeutig der wichtigste Handelspartner des Landes.

Könnte die EU die Schweiz zu Maßnahmen gegen China zwingen?

Deshalb hofft die Schweiz, unter den neuen „Buy European“-Regeln eine Präferenzstellung zu erhalten. Mit diesen Regeln will die EU die heimische Wirtschaft bei öffentlichen Ausschreibungen und Subventionen gezielt bevorzugen. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatten sich Mitte Oktober aber darauf verständigt, dass Drittstaaten wie die Schweiz nur unter bestimmten Bedingungen von der geplanten europäischen Industriepräferenz profitieren sollen.

Fahrzeuge und Fahrzeugteile aus der Schweiz würden nur dann als „Made in EU“ gelten, wenn die Schweiz ihre Handelsschutzmaßnahmen an jene der EU anpasst – sprich wenn sie Zölle gegen chinesische E-Autos erhebt und chinesische Investitionen stärker prüft. Außerdem müsste die Schweiz verhindern, dass chinesische Hersteller die EU-Vorgaben umgehen. Das würde das erste Risiko, das EU-Diplomaten und Unternehmensinsider dem Handelsblatt nennen, deutlich reduzieren.

Neue Handelshürden oder gar ein wirtschaftspolitisches Auseinanderdriften der Schweiz und der EU seien unwahrscheinlich, sagte die Ökonomin der Brüsseler Denkfabrik Bruegel, Alicia García-Herrero, dem Handelsblatt. Vielmehr sei zu erwarten, dass die EU die Schweiz trotz ihres Abkommens mit Peking dazu zwingen könnte, neue Handelsschutzmaßnahmen gegen China zu verhängen.

„Die EU hat bereits die Briten dazu gebracht, Schutzzölle gegen China zu verhängen. Es ist wahrscheinlich, dass Brüssel auch von der Schweiz fordert, dass sie Zölle etwa gegen chinesische E‑Autos verhängt“, sagte García-Herrero.

Es sei unklar, warum die Schweiz an dem nun erweiterten Abkommen festhalte, sagte García-Herrero weiter. Denn nach dem Inkrafttreten des ersten Abkommens sei der Anstieg der Exporte der Schweiz nach China hauptsächlich auf Gold-Exporte zurückzuführen gewesen, also keine verarbeiteten Produkte.

China sieht Schweiz als Tor nach Europa

Das Schweizer Wirtschaftsministerium rechnet indes vor, dass Schweizer Unternehmen nach dem Inkrafttreten des Abkommens rund 266 Millionen Euro pro Jahr einsparen dürften.

Im Detail sieht das Freihandelsabkommen vor, dass nach Übergangsfristen 99,8 Prozent der bisherigen Schweizer Warenexporte zollfrei nach China gelangen können. Für einige „empfindliche“ Exporte wie bestimmte Käsearten und Papiersorten hat China allerdings eine Übergangsfrist von zehn Jahren herausgehandelt. Hinzu kommt eine verstärkte Zusammenarbeit im Bereich der Wissenschaft.

Für die Schweiz ist China mit rund fünf Prozent der Exporte der fünftwichtigste Außenhandelspartner, betrachtet man das konjunkturelle Total, also die Warenexporte ohne Edelmetalle, Edelsteine sowie Kunst und Antiquitäten. Das Schweizer Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) weist eine Kennzahl ohne diese Güter aus, weil ihre Werte stark schwanken und wenig über die reale Produktion und Wirtschaftslage der Schweiz aussagen.

Umgekehrt ist die Schweiz Chinas siebtgrößter Handelspartner in Europa. Der bilaterale Handel erreichte nach offiziellen chinesischen Angaben 2025 einen Wert von 49,04 Milliarden US-Dollar.

China arbeitet zunehmend über mehrere europäische Schnittstellen gleichzeitig. Hao Nan, Analyst in Singapur

Mit dem Abkommen haben beide Seiten ihre Zusammenarbeit vertieft, die 1950 begonnen hat. Damals hatte die Schweiz als eines der ersten westlichen Länder diplomatische Beziehungen zum kommunistischen China aufgenommen. 2014 schloss die Eidgenossenschaft dann als erstes europäisches Land ein Freihandelsabkommen mit China.

Die Schweiz hat rund neun Millionen Einwohner und damit gerade so viele wie die ostchinesischen Städte Nanjing oder Hefei. Trotz ihrer im Vergleich geringen Größe ist sie in China als Wirtschaftsmacht präsent: mit Uhren, Luxus- und Konsumgütern, in der Industrie sowie in der Pharma- und der Finanzbranche.

Experten nennen auch Propaganda-Ziele

China hingegen dient das Abkommen vor allem dazu, sich als Hüter der freien Märkte zu präsentieren. Ralph Weber, China-Experte von der Universität Basel, glaubt, dass Peking mit der Unterzeichnung des Abkommens ein Signal an Washington und Brüssel schicken wolle: „Sie sagen damit: ‚Sehr her, mit uns lassen sich weiterhin vorteilhafte Handelsdeals machen‘“, sagt Weber.

Hinzu komme, dass China die Schweiz wegen ihrer chinafreundlichen Politik schon seit Jahren als „Tor zu Europa“ betrachte, so Weber.

Diese Sicht teilen chinesische Experten: Das Abkommen sei „ein praktischer Schritt beider Seiten, das multilaterale Handelssystem […], den freien Handel und die offene Zusammenarbeit zu unterstützen“, schrieben die Ökonomen Tu Xinquan und Du Yingxin vor wenigen Tagen im Shanghaier Finanzmagazin „Yicai“.

Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua schreibt, das Abkommen habe „auch Vorbildcharakter für Staaten, die gemeinsam auf internationale Handelsherausforderungen reagieren wollen“.

Syngenta, einer der größten Agrarchemie- und Saatgutkonzerne der Welt, steht symbolisch für die zunehmende Verflechtung der beiden Volkswirtschaften: Denn das ursprünglich schweizerische Unternehmen steht seit der Übernahme durch den Staatskonzern Chemchina unter chinesischer Kontrolle.

Kritiker kündigen Referendum an

Ein strategisches Motiv sieht auch der außen- und sicherheitspolitische Analyst Hao Nan im Singapurer Magazin „Think China“. Demnach arbeite Peking „zunehmend über mehrere europäische Schnittstellen gleichzeitig“. Zwar könne die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied keine Zoll-Hintertür in die EU bieten.

Verwandte Themen

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Für China zeige das Abkommen jedoch, „dass eine tiefere wirtschaftliche Integration mit einer fortgeschrittenen europäischen Volkswirtschaft möglich bleibt, selbst wenn Brüssel seine Handelsschutzinstrumente verstärkt“. Der Analyst glaubt: „Daraus ist ein Verhandlungshebel für die Schweiz geworden.“

Kritik gibt es auch in der Schweiz selbst: Die Linken und die Grünen bemängeln, dass das Abkommen keine verbindlichen Fortschritte zur Verbesserung der Menschenrechtslage in China enthält. Andere Kritiker haben außerdem angekündigt, ein Referendum über das Abkommen zu prüfen, mit dem es nachträglich rückgängig gemacht werden würde.

Mehr: China-Schock wird zur Ökonomen-Debatte – Wie sehr trickst Peking den Westen aus?

Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Die EU wird die Schweiz unter Druck setzen, Schutzzölle gegen chinesische E-Autos zu verhängen.

    Likely · Within months

  • In der Schweiz wird ein Referendum gegen das Abkommen geprüft oder eingeleitet.

    Possible · Within months

Open Questions

  • Wird die EU die Schweiz zwingen, chinesische Schutzzölle zu übernehmen?
  • Wird ein Referendum in der Schweiz gegen das Abkommen erfolgreich sein?
  • Welche konkreten Maßnahmen wird die EU ergreifen, um Wettbewerbsnachteile für ihre Unternehmen auszugleichen?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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