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Friedensnobelpreis: Furchtlos, unbequem und oft einsam: „Navi“ Pillay, die nimmermüde Kämpferin für Gerechtigkeit
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Handelsblatt3 hours agoWorld4 min readGermanyView translation

Friedensnobelpreis: Furchtlos, unbequem und oft einsam: „Navi“ Pillay, die nimmermüde Kämpferin für Gerechtigkeit

Das Nobelkomitee würdigt die frühere UN-Hochkommissarin für Menschenrechte für ihren Kampf gegen Kriegsverbrechen und Genozid.

Quick Look

  • Die südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay erhält den Friedensnobelpreis.
  • Das Nobelkomitee würdigt ihr jahrzehntelanges Engagement für das Völkerrecht, gegen Kriegsverbrechen und für die Menschenrechte, trotz internationaler Kontroversen.

AI-generated summary

Why It Matters

Navi Pillay war Richterin am Internationalen Strafgerichtshof und UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Sie ist bekannt für ihre kritische Haltung gegenüber Großmächten und ihre Arbeit zu Kriegsverbrechen.

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Genf. Navanethem „Navi“ Pillay hat ihr ganzes langes Leben für Gerechtigkeit gekämpft. Furchtlos, unbequem und oft einsam. Die Juristin und frühere Hochkommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte machte sich an vielen Fronten stark – gegen Diskriminierung und den Missbrauch der Macht.

Nun erhält die Südafrikanerin für ihr jahrzehntelanges Wirken die höchste internationale politische Auszeichnung: den Friedensnobelpreis. Pillay, die indische Wurzeln hat, wird für ihren mutigen Einsatz für das Völkerrecht und ihren Einsatz gegen Kriegsverbrechen und Genozid gewürdigt. So begründete das Nobelkomitee seine Wahl.

Die Vergabe des Friedensnobelpreises an die frühere Richterin am Internationalen Strafgerichtshof hat auch eine klare politische Botschaft: In einer Welt der geopolitischen Spannungen und der Konflikte, in einer Welt, in der die regelbasierte internationale Ordnung immer schneller verfällt, sollen Kämpferinnen für das Recht eine stärkere Rolle spielen. Ebenso markiert die Vergabe eine Ermutigung der grenzüberschreitenden Strafjustiz – zumal die USA unter Präsident Donald Trump den Internationalen Strafgerichtshof zunehmend mit Sanktionen belegen.

Die Geehrte selbst setzte sich stets für einzelne Menschen wie Nelson Mandela ein, schon als Anwältin in ihrem Heimatland. Sie denkt aber auch in großen Dimensionen: „Als die UN gegründet wurde, war sie lediglich ein Club der Staaten“, sagte Pillay 2025. „Alles, was wir heute zum Schutz der Menschenrechte haben, ist nicht einfach so entstanden, weil die Staaten eines Tages aufgewacht sind. Es ist dem Druck der Zivilgesellschaft zu verdanken.“

Bis heute geht die 85‑jährige zweifache Mutter keiner Kontroverse aus dem Weg und zieht den Zorn der Regierungen auf sich – zuletzt in Israel. Als Vorsitzende einer UN-Untersuchungskommission bewerteten Pillay und ihre Mitarbeiter die Militäroffensive Israels im Gazastreifen. Vorausgegangen war der beispiellose Überfall der Terrorgruppe Hamas 2023 auf den jüdischen Staat. Pillays Urteil über Israels Militäraktion, der Zehntausende Zivilisten zum Opfer fielen, war drastisch: „Die Kommission stellt fest, das ist Genozid.“

Pillay schaltete sich somit in die Debatte ein, ob Israel für einen Völkermord Verantwortung trägt oder nicht. Das Außenministerium in Jerusalem wies die Beschuldigung umgehend als „Fake“ zurück. Pillay und die anderen Mitglieder der Kommission seien „berüchtigt für ihre offenen antisemitischen Positionen“.

Tatsächlich ging Pillay schon als UN-Hochkommissarin für Menschenrechte mit Israel hart ins Gericht, so etwa 2014 während des damaligen Konflikts Israels mit der Hamas. „Israel bricht das Völkerrecht“, sagte sie in einem Interview mit dem Autor. Sie prangerte aber auch den willkürlichen Raketenbeschuss der Hamas auf Israel an.

Pillay kam am 23. September 1941 in Südafrika als Tochter indischer Eltern tamilischer Herkunft zur Welt. Das Mädchen erfuhr am eigenen Leib, was Despotie bewirkt. Im rassistischen Apartheidregime gehörte auch ihre Familie zu den Ausgegrenzten. „Wir sind in großer Armut aufgewachsen“, berichtete Pillay. „Mein Vater war Busfahrer, und wir waren sieben Kinder.“

Früh erkannte Navanethem, dass die unterdrückten Volksgruppen nur gemeinsam das verhasste Regime der Weißen beseitigen können. Sie sagte im Rückblick: Es lohne sich, „wenn man jemandem geholfen hat, der hilflos ist“.

Nach einem Jurastudium gründete Pillay, laut der Plattform Africanwil, 1967 als erste Frau mit dunkler Hautfarbe in der Provinz Natal eine Anwaltskanzlei. Sie verteidigte diejenigen, die das Apartheid-System beseitigen wollten. Die unerschrockene Anwältin brachte auch Folterpraktiken der weißen Herren ans Licht.

Nach dem Ende der Apartheid nahm Pillays Karriere Mitte der 90er-Jahre an Fahrt auf: Sie wurde zur Richterin am südafrikanischen High Court ernannt. Später ging sie als Richterin zum Internationalen Tribunal für Ruanda (ICTR), wo sie acht Jahre lang tätig war, davon die letzten vier Jahre als Präsidentin.

Laut einer UN-Würdigung spielte Pillay „eine entscheidende Rolle“ bei der Klassifizierung sexueller Gewalt als Kriegsverbrechen. Danach zog es sie an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

Den Höhepunkt ihrer Karriere erreichte Pillay 2008: Als UN-Hochkommissarin für Menschenrechte kämpfte sie im Auftrag der Weltgemeinschaft für ein gerechteres Leben für alle Erdenbewohner, ein Leben ohne Furcht, Einschüchterung, Gewalt und Unterdrückung.

Wie zu erwarten, erregte die Hochkommissarin das Missfallen mächtiger Staaten. So prangerte sie wiederholt das US-Gefangenenlager Guantánamo an. Dort hielten die USA auch unter Präsident Barack Obama mutmaßliche Terroristen fest – in der Regel ohne Gerichtsverfahren. Auch vor Russland kuschte Pillay nicht: Sie geißelte die dortige Diskriminierung Homosexueller. „Man muss Gewalt und Hass bestrafen, nicht aber die Liebe.“

Als sich ihre Zeit als Hochkommissarin 2014 zu Ende neigte, versprach die Kämpferin vom Kap: „Ich habe mehr als 50 Jahre gearbeitet, ich glaube, ich habe mir meinen Ruhestand verdient.“ Der Friedensnobelpreis krönt nun ihr Leben.

Open Questions

  • Wie wird die internationale Gemeinschaft auf die politische Botschaft der Preisvergabe reagieren?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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