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Der Autor beschreibt sein Erlebnis mit einer Frikadelle im Café Am Weiher im Eimsbütteler Park, die er aufgrund der Beschreibung 'mit Geheimnis' probiert. Parallel werden aktuelle Ereignisse aus Hamburg berichtet, darunter ein tödlicher Schusswechsel nahe den Messehallen, der bevorstehende Prozess zu den Nord-Stream-Anschlägen, der Abschluss eines Hafenarbeiter-Warnstreiks, die Verleihung des Deutschen Umweltpreises sowie Sicherheitsmaßnahmen beim Ernst Deutsch Theater wegen Drohungen gegen einen Schauspieler.
Liebe Leserin, lieber Leser,
vor einer Woche hätte ich nicht geglaubt, dass ich mal über eine Frikadelle schreiben würde. Frikadellen waren für mich traurige Hackfleischklumpen, die ausgehungerte Rastplatzbesucher mit viel Senf von Papptellern aßen. Ort meiner Läuterung war der Eimsbütteler Park Am Weiher. Ich hatte gelesen, dass das Café dort seit zwei Jahren von einem Spitzenkoch betrieben wird, war aber erst mal nicht beeindruckt, als ich vor dem Magic Weiher stand. Ich sah Gartenmöbel, Getränkekisten und auf der Speisekarte Erwartbares wie Kaffee, Kuchen und Bier. Ich liebäugelte mit der Tagessuppe, wählte dann aber die einzige andere herzhafte Speise: die Frikadelle. Denn die war »mit Geheimnis«, so stand es auf der Tafel. Ein durchschaubarer Werbetrick, der bei mir verfing: Ich wollte das Geheimnis dieser Frikadelle lüften.
Also ließ ich mich in einen der Sessel sinken, genoss das Abendlicht im Park und wedelte Wespen aus meinem Rosé. Fünf Minuten später lag die Frikadelle vor mir. So lange dauert das hier, weil Marcel Schmoock seine Frikadellen warm serviert (und auf einem richtigen Teller). Außerdem verwendet er Rindfleisch, was den kernigen Geschmack erklären dürfte. Ich mochte die Frikadelle und wunderte mich bloß über die grünen Krümel darin, die sich bei näherer Untersuchung als Brokkoli erwiesen.
»Ich kenne Ihr Geheimnis.« So ein Satz ist einfach zu schön, um ihn für sich zu behalten. Ich kannte es aber gar nicht. Das mit dem Brokkoli, meinte Schmoock, sei doch offensichtlich. Er verriet mir dann, dass sein Rezept in Wahrheit ganze sieben Geheimnisse enthalte. Eines enthüllte er gnädig: Haferflocken statt Brot. Okay, dachte ich, noch sechs Portionen, dann weiß ich Bescheid. Doch dann zückte der Chef die Dose mit dem selbst gemachten Frikadellen-Gewürzsalz. Zwei der Zutaten: Kümmel und Senfsaat. Die übrigen 14? Na, sicher: geheim.
Von da an fragte ich mich nicht mehr, warum Marcel Schmoock so kumpelhaft mit den übrigen Gästen sprach. Die sind wohl alle Stammkunden geworden auf der Jagd nach dem Geheimnis.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!
Ihr Michael Allmaier
WAS HEUTE WICHTIG IST
Nach Schüssen auf einem Gewerbehof in der Nähe der Messehallen ist der zweite Tote identifiziert. Es handelt sich laut Staatsanwaltschaft um einen 33-jährigen Mann. Zudem gebe es »Anhaltspunkte für eine mögliche Auseinandersetzung im Milieu«. Erst Ende Juni hatten Unbekannte eine Handgranate auf das Betriebsgelände geworfen, die dort detonierte.
Der Prozess um die Anschläge auf die Nord-Stream-Gasleitungen soll am 14. Oktober in Hamburg beginnen. Das Hanseatische Oberlandesgericht hat die Anklage gegen den ukrainischen Staatsangehörigen Serhii K. zur Hauptverhandlung zugelassen. Der frühere Offizier soll den Anschlag im September 2022 koordiniert haben, um nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft russische Gaslieferungen und damit Einnahmen zur Finanzierung des Krieges zu unterbinden.
Mit einer Demonstration durch den Hafen endet heute der 48-stündige Warnstreik der Hafenarbeiter, zu dem Ver.di aufgerufen hatte. Das Angebot des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe aus der dritten Verhandlungsrunde – eine Entgeltsteigerung von 5,1 Prozent rückwirkend zum 1. August – hatten die Beschäftigten nach Gewerkschaftsangaben in einer Befragung mit großer Mehrheit abgelehnt.
Zusammen mit dem Membranfilter-Ingenieur Klaus Vossenkaul erhält die Hamburger Umweltjuristin Roda Verheyen den Deutschen Umweltpreis 2026. Sie verschafft mit ihrer Arbeit Menschen Gehör, die von Klimafolgen betroffen sind. Der von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt vergebene Preis zählt mit insgesamt 500.000 Euro zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas.
Das Ernst Deutsch Theater plant bis November fünf weitere Vorstellungen des Stücks Timmy – die Hope stirbt zuletzt. Weil es dem Theater zufolge Drohungen gegen einen der Schauspieler gab, werden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Das Stück erzählt das Schicksal des Buckelwals als moderne Passionsgeschichte.
AUS HAMBURG
Opa gegen rechts
Bernhard Esser erzählt Jugendlichen seit Jahrzehnten die Geschichte seiner Familie im Zweiten Weltkrieg, nun auch in einem Roman. In diesen Tagen ist er voller Sorge. Franziska Lange hat ihn besucht.
Bernhard Esser ist im Hamburger Schanzenviertel aufgewachsen. Er kennt dort jeden Straßennamen und spricht mit unverkennbar norddeutschem Tonfall. Der 82-Jährige ist also ein Hamburger Jung – wäre da nicht dieses eine Detail. Im Jahr 1944, als seine Mutter hochschwanger war, wurde sie zum Schutz vor Bombenangriffen in die Lüneburger Heide gebracht. Der Geburtsort von Bernhard Esser ist deswegen nicht Hamburg, sondern Schneverdingen. »Berni, du bist ein Budenhamburger!«, necken ihn seine Freunde. »Du bist außerhalb der Stadt geboren!«
Seit mehr als 30 Jahren erzählt der pensionierte Postbeamte die Geschichte seiner Familie im Zweiten Weltkrieg. Er führt Jugendliche durch die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, besucht Schulen, zeigt Fotos und hält Reden. Dass er wegen des Krieges nicht als gebürtiger Hamburger gilt, ist dabei eine der harmloseren Geschichten. »Nie wieder«, sagt Esser, wenn man ihn nach seiner Motivation fragt.
Beim Besuch in seinem finnischen Blockhaus in Hamburg-Wandsbek liegen vor ihm Bücher auf dem Tisch, Zeitungsartikel, Notizzettel und ausgedruckte E-Mails: seine gesammelten Unterlagen zur Familiengeschichte. »Meine Oma war klug, mutig und geradlinig«, sagt Esser. Sie soll sich bei einem Bombenalarm auf den Weg zur Bahnstation Sternschanze statt in den Bunker gemacht haben. »Dort hätte sie den Hitlergruß zeigen müssen«, sagt Esser. »Als sie eine Hakenkreuzflagge hissen sollte, weigerte sie sich.«
Ihr Sohn Alwin, der Onkel von Bernhard Esser, wurde im KZ Fuhlsbüttel ermordet. Er war Mitglied der Jungkommunisten gewesen. Elsas Mann, der Großvater von Bernhard Esser, war Mitglied der Kommunistischen Partei und Reichstagsabgeordneter. Elsa habe also gesagt: »Sie haben meinen Sohn umgebracht, mein Mann sitzt noch im Gefängnis, und ich soll Ihre Flagge heraushängen?« Wochenlang habe sie Konsequenzen gefürchtet, aber der zuständige Blockwart kam nicht noch einmal vorbei.
Esser hat viele solcher Geschichten recherchiert und auf Hunderten Seiten aufgeschrieben. Seine Quellen sind Urkunden, Bescheinigungen, Zeugnisse, Dokumente der Nationalsozialisten, Familienfotos, persönliche Briefe und Tagebucheinträge. Jetzt wird die Geschichte auch in einem Kinderbuch erzählt.
Worum es in dem Buch geht und was Bernhard Esser in seinen Recherchen noch alles fand, lesen Sie in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+)
SCHON GELESEN?
»White Tiger« war für ihn ein Vorbild
Ein 18-Jähriger gehörte zu dem mutmaßlich riesigen Netzwerk von Jugendlichen, die per Cybergrooming schreckliche Taten begehen. Als Erster wurde er jetzt verurteilt. Elke Spanner und Christoph Heinemann berichten von dem Prozess.
→ Zum Artikel (Z+)
DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN
Steht Hamburg ein Clubsterben bevor? Wird die Stadt eine popkulturelle Geisterstadt? Man muss nicht so pessimistisch sein wie die Ausrichter des Mini-Musikfestivals Ghost Town Hamburg, um festzustellen: Das Heinz Karmers Tanzcafé, die Weltbühne oder das Golem fehlen sehr! Die Musikerinnen und Musiker Joachim Franz Büchner, Anna Suhr (Tirade) und Jens Friebe (Friberty) lassen am kommenden Samstag diese drei ehemaligen subkulturellen Orte auf St. Pauli mit Straßenkonzerten und Wortbeiträgen auferstehen. »Das subkulturelle Kapital der Vergangenheit soll die Perspektive für den zukünftigen Umgang mit Raumkultur erweitern«, schreiben die Veranstalter. Um 15 Uhr spielt das Joachim Franz Büchner Duo an der Budapester Str. 13 (Heinz Karmers), um 17 Uhr spielen Tirade am Nobistor 24 (Weltbühne), um 19 Uhr spielt Friberty vor dem ehemaligen Golem in der Großen Elbstraße 14.
Ghost Town Hamburg, 5.9., ab 15 Uhr; St. Pauli, verschiedene Orte; das Programm finden Sie hier.
MEINE STADT
HAMBURGER SCHNACK
In einem Supermarkt in einem sehr schicken Hamburger Wohnviertel (Rotherbaum). Eine etwas überforderte Mitarbeiterin steht in der Käseabteilung und bemüht sich, ein Kundenpaar fachkundig zu bedienen. Doch bald stößt sie leicht verzweifelt heraus: »Ich komm ja eigentlich aus der Wurst.«
Gehört von Erik Meier
AI outlook — possibilities, not facts
Der Prozess gegen Serhii K. wegen der Nord-Stream-Anschläge wird am 14. Oktober in Hamburg beginnen.
Very likely · Within weeks
Die Hafenarbeiter werden ihren Warnstreik mit einer Demonstration durch den Hafen beenden.
Very likely · Within days
Das Ernst Deutsch Theater wird die Sicherheitsvorkehrungen für die Aufführungen von 'Timmy – die Hope stirbt zuletzt' erhöhen.
Very likely · Within weeks
14-year-old Sandy H. from Tangerhütte has been missing since September 1st. The Stendal police are asking for information about the whereabouts of the young person, who may be traveling with her boyfriend.
The A45 motorway is completely closed in both directions between Lüdenscheid-Nord and Hagen-Süd due to a damaged construction crane at the Kattenohl valley bridge. The duration of the closure is currently unclear due to strong wind gusts preventing mining.

Jens Spahn is taking legal action against rapper Ski Aggu after he claims to have seen him in a live stream at a chem party. Elliot Page says in the podcast that he is not receiving any role offers after “The Odyssey.” Donald Trump criticizes Harry and Meghan for disrespecting the royal family. Jens Wawrczeck raves about “The Muppet Show” and the guest appearances of big stars.

The well-known US feminist, journalist and co-founder of “Ms.” magazine, Gloria Steinem, has died in New York at the age of 92. She was a central figure in second wave feminism and advocated for reproductive rights.
The influential US journalist and feminist Gloria Steinem has died in New York at the age of 92. She was the founder of the magazine “Ms.” and a central figure in the US women's movement.
Signal disruptions in Baumschulenweg cause restrictions and delays on the S-Bahn lines S46, S47, S8, S85 and S9. The S47 and S8 lines do not run through; Passengers have to change trains.