
Eine exklusive Auswertung von Stepstone zeigt, welche Gehälter für die obersten Einkommensschichten nötig sind und welche Berufe künftig hohe Einkommen garantieren.
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Die Auswertung basiert auf über einer Million Vergütungsdaten der Plattform Stepstone aus dem Zeitraum Januar 2022 bis November 2025.
Berlin, Düsseldorf. Hochrangige Manager in Dax-Konzernen, Anwälte in Topkanzleien oder Ärzte: Viele Deutsche haben eine klare Vorstellung davon, in welchen Berufen Beschäftigte das meiste Geld verdienen können. Tatsächlich müssen Angestellte kein Millionengehalt bekommen, um zu den Topverdienern zu gehören, wie eine exklusive Auswertung der Jobplattform Stepstone zeigt.
Analysten von Stepstone haben für das Handelsblatt ausgewertet, welche Jahresgehälter nötig sind, um zu den obersten ein, fünf oder zehn Prozent zu zählen. Die Schwelle liegt dabei niedriger, als viele vermuten dürften. Welche Jobs das höchste Gehalt bieten – und auch in Zukunft ein hohes Einkommen garantieren.
Jan Schulz-Gebhard, Vermögensforscher an der Universität Bamberg, sagt: „Nahezu alle Menschen ordnen sich in der Mittelschicht ein – ganz gleich, ob sie tatsächlich sehr wenig oder sehr viel besitzen.“ Zwischen Selbstwahrnehmung und der Faktenlage scheint also eine Differenz vorzuliegen.
Um belastbare Vergleichswerte zu schaffen, hat Stepstone auf mehr als eine Million Vergütungsdaten zugegriffen. Diese wurden zwischen Januar 2022 und November 2025 auf der Plattform abgegeben, inklusive Boni, Provisionen und Prämien.
Laut der Auswertung von Stepstone liegt das Mediangehalt des am besten verdienenden ‚einen Prozents‘ in Deutschland bei 139.000 Euro – und ist damit mehr als doppelt so hoch wie das von einem durchschnittlichen Beschäftigten.
Das Mediangehalt ist der Betrag, bei dem die Hälfte der Menschen in einer Gruppe weniger und die andere Hälfte mehr verdient. Es zeigt ein typisches Einkommen einer Gruppe genauer als das Durchschnittsgehalt, das von extrem hohen oder niedrigen Werten beeinflusst werden kann.
Die obersten fünf beziehungsweise zehn Prozent kommen laut Stepstone auf 101.250 Euro und 87.000 Euro brutto im Jahr.
Im Schnitt sind die Gehälter laut Stepstone im Stadtstaat Hamburg am höchsten, dicht gefolgt von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Deutlich darunter liegt das Gehalt der Top-Verdiener in den neuen Bundesländern. In Sachsen-Anhalt etwa kommt das am besten verdienende eine Prozent nur auf ein Mediangehalt von 101.500 Euro – und liegt damit rund 40.000 Euro unter dem Spitzengehalt in Hamburg oder Hessen.
„Hamburg, Hessen sowie Bayern und Baden-Württemberg profitieren von einer hohen Konzentration wirtschaftsstarker Branchen und internationaler Unternehmen“, erklärt Stepstone-Ökonom und Gehaltsexperte Dennis Dittrich.
In Hessen, wo unter anderem die Bankmetropole Frankfurt liegt, spielt die Finanzwirtschaft eine zentrale Rolle. In Bayern und Baden-Württemberg sorgen dagegen die vielen Industrieunternehmen, der Maschinenbau und die Automobilwirtschaft nach wie vor für hohe Gehälter. Und Hamburg ist laut Dittrich ein bedeutender Logistik-, Handels- und Medienstandort.
Als weiteren wichtigen Faktor, warum in diesen Bundesländern überdurchschnittlich hohe Gehälter gezahlt werden, nennt Dittrich den „Urban-Effekt“: „In großen Arbeitsmärkten treffen viele spezialisierte Fachkräfte auf viele Unternehmen“, sagt er. Dadurch komme es öfter dazu, dass es für die vorhandenen Qualifikationen auch die richtige Stelle gibt.
Besonders gut verdienen nach den Gehaltsdaten von Stepstone unter anderem Ärzte, Chief Information Security Officer und Leiter aus der Forschung und Entwicklung. Ein Chefarzt bekommt im Median demnach 200.000 Euro brutto im Jahr. Bei einem Chief Information Security Officer sind es 117.250 Euro. Zum Vergleich: Ein Elektrotechniker verdient laut den Daten von Stepstone nur 49.100 Euro brutto im Jahr.
Neben dem Berufsprofil und dem Standort haben weitere Faktoren Einfluss darauf, wie viel jemand verdient. Der wohl wichtigste ist, ob jemand Personalverantwortung hat. Wer bereits ein kleines Team mit bis zu vier Mitarbeitern leitet, hat laut einer weiteren Auswertung von Stepstone eine mehr als doppelt so hohe Chance auf ein sechsstelliges Gehalt wie jemand ohne Führungsverantwortung.
Michael Kind ist Gehaltsexperte bei der Personalberatung Kienbaum. Am wahrscheinlichsten, sagt er, sei ein Spitzenverdienst von 130.000 Euro und mehr in Jobs, in denen die Wertschöpfung pro Kopf hoch ist, die Ergebnisverantwortung groß und die Skills knapp.
Stepstone-Experte Dittrich sagt, ein Spitzengehalt sei zwar auch ohne Führungsverantwortung möglich. Dafür brauchen Angestellte aber eine hochspezialisierte Fachfunktion. In der IT können das Skills im Bereich Künstliche Intelligenz, Cloud-Architektur oder Cybersecurity sein.
Der Experte geht davon aus, dass sich viele dieser Tätigkeiten nicht oder nur begrenzt automatisieren lassen und Unternehmen daher weiter auf menschliche Fachkompetenz angewiesen sind. Wegen des demografischen Wandels werde der Wettbewerb um diese Fachkräfte außerdem weiter zunehmen, was sich mittelfristig positiv auf die Gehälter auswirken werde.
Frauen haben auch im vergangenen Jahr im Schnitt 16 Prozent weniger verdient als Männer. Ihr durchschnittlicher Bruttostundenlohn lag laut dem Statistischen Bundesamt bei rund 23 Euro – 4,24 Euro unter dem der Männer. In den oberen Einkommensklassen zeigt sich jedoch ein anderes Bild, sagt Kienbaum-Berater Kind. Frauen, die schon länger in Führungspositionen arbeiten, hätten nur noch einen vergleichsweise kleinen Gender-Pay-Gap.
Generell entstünde sehr großer Reichtum eher durch Kapitalerträge als durch Arbeit. In Deutschland, sagt der Forscher, beruht mittlerweile mehr als die Hälfte der Vermögensbestände auf Erbschaften, vor allem in den obersten Gruppen. Die persönliche Arbeitsleistung spiele damit bei außergewöhnlich hohen Vermögen nur eine untergeordnete Rolle.
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Wettbewerb um Fachkräfte wird durch demografischen Wandel zunehmen.
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