
Das Altersvorsorgedepot könnte das Wachstum aktiver ETFs weiter beschleunigen, während Anbieter auf eine Reform der privaten Altersvorsorge setzen.
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Das Altersvorsorgedepot ist eine Reform der privaten Altersvorsorge, die ab Januar staatlich mit bis zu 540 Euro jährlich bezuschusst wird.
Aktive ETFs in Deutschland verwalteten Ende August 119 Milliarden Euro. Das Vermögen hat sich gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt, und die Zahl der Produkte stieg von 183 auf 345.
Das Altersvorsorgedepot, das ab Jahreswechsel mit bis zu 540 Euro vom Staat bezuschusst wird, könnte nach Einschätzung von Branchenexperten das Wachstum aktiver ETFs weiter beschleunigen.
Ungefähr die Hälfte der befragten Fondsanbieter will für das Standardprodukt aktive ETFs nutzen.
Aktive ETFs liegen mit jährlichen Kostenquoten von 0,27 bis 0,42 Prozent zwischen den Gebühren passiver ETFs und herkömmlicher Investmentfonds.
Frankfurt. Seit dem Sommer bietet die Vermögensverwaltung Pictet in Europa auch ETFs an. Das Haus ist eigentlich bekannt für klassisches aktives Portfoliomanagement. Die neuen Fonds werden an der Börse gehandelt, folgen aber anders als die meisten ETFs nicht strikt einem Index. Stattdessen sucht ein KI-Modell aussichtsreiche Aktien mit dem Ziel, mehr Rendite zu erzielen.
Mit solchen sogenannten aktiven ETFs ist Pictet längst nicht allein. In diesem Jahr haben etwa auch Allianz Global Investors, der Berliner Tech-Investor BIT Capital und der Investmentmanager Alliance Bernstein entsprechende Produkte aufgelegt.
Am europäischen Fondsmarkt sind aktive ETFs zwar weiter eine Nische, wachsen aber schnell: In Deutschland verfügbare Produkte verwalteten Ende August 119 Milliarden Euro – knapp doppelt so viel wie zwölf Monate zuvor, als es 63 Milliarden Euro waren. Die Zahl der Produkte stieg im gleichen Zeitraum von 183 auf 345.
Das geht aus einer Auswertung der Analysehäuser Scope Fund Analysis und Fondsconsult hervor, die dem Handelsblatt vorab vorliegt. Nun könnte das Altersvorsorgedepot das Wachstum weiter treiben.
Aktive ETFs sind börsengehandelte Fonds, die gezielt von ihrem zugrundeliegenden Vergleichsindex abweichen. Wie genau sie das tun, unterscheidet sich je nach Produkt teils deutlich. Im Vergleich zu herkömmlichen aktiven Investmentfonds sind sie meist günstiger, können fortlaufend an der Börse gehandelt werden und veröffentlichen ihre Portfolios in der Regel täglich.
Branche hofft aufs Altersvorsorgedepot
Branchenbeobachtern zufolge könnten aktive ETFs mit dem Altersvorsorgedepot ab dem Jahreswechsel weiter an Bedeutung gewinnen. Mit der Reform der privaten Altersvorsorge bezuschusst der Staat Investitionen am Kapitalmarkt ab Januar mit jährlich bis zu 540 Euro pro Sparer. Jeder Anbieter muss auch ein einfaches Standarddepot bereitstellen. Es besteht aus zwei Fonds und darf jährlich höchstens ein Prozent kosten.
Die Branche verspricht sich enorme Zuflüsse. Die Ratingagentur S&P rechnet durch die Reform nach einer Einführungsphase mit zusätzlichen Nettozuflüssen in Höhe von jährlich 26 bis 56 Milliarden Euro. Scope geht mittel- bis langfristig von Zuflüssen in Höhe von 30 bis 50 Milliarden Euro pro Jahr aus.
Fondsconsult hat für die Analyse 33 Fondsanbieter zum Altersvorsorgedepot befragt. 15 gaben demnach an, für das Standardprodukt aktive ETFs zu präferieren. „Viele Fondsanbieter wollen die Standarddepots mit aktiven ETFs bestücken“, sagt Jan Richter, Analyst bei Fondsconsult. „Ein großer Teil der Zuflüsse in die Altersvorsorgedepots könnte deshalb in aktive ETFs gehen.“
So setzt Fidelity International bei seinem Standarddepot auf aktive ETFs. Die genossenschaftliche Fondsgesellschaft Union Investment, die lange ganz auf ETFs verzichtet hatte, hat angekündigt, das Standardprodukt mit aktiven ETFs zu bestücken. Die von Hendrik Leber gegründete Fondsgesellschaft Acatis hat im Mai eigens einen aktiven Altersvorsorgedepot-ETF aufgelegt.
Scope-Analyst Florian Koch sieht im Altersvorsorgedepot einen möglichen „Booster“ für aktive ETFs. Gerade Anbieter, die nicht zu den klassischen passiven ETF-Häusern gehörten, hätten über aktive ETFs die Chance, am deutschen Markt für Altersvorsorgeprodukte teilzuhaben, heißt es in der Analyse.
Niklas Nolzen, Partner bei der Unternehmensberatung McKinsey, sagt: „Das Altersvorsorgedepot könnte für aktive ETFs zum Wachstumstreiber werden und gleichzeitig den Druck auf klassische aktive Fonds erhöhen.“ Aktive ETFs seien dabei „eine neue, kosteneffizientere Form, aktives Management anzubieten“.
Preiskampf um die Gebühren
Gleichwohl sei noch unklar, ob Standarddepots tatsächlich in großem Umfang mit aktiven ETFs bestückt würden und inwiefern Kunden dies nutzten, sagt Richter. Bei besonders preisgünstigen Standardlösungen dürften laut Nolzen zunächst passive ETFs dominieren.
In den vergangenen Wochen hat sich ein Preiskampf um die Gebühren des Altersvorsorgedepots entwickelt. Aktive Aktien-ETFs kamen zuletzt auf eine jährliche Kostenquote von 0,42 Prozent, wie aus der Scope-Analyse hervorgeht. Bei Anleihe-ETFs waren es 0,27 Prozent.
Aktive ETFs sind damit günstiger als viele herkömmliche Investmentfonds, aber in der Regel teurer als passive ETFs. Die zehn größten passiven Aktien-ETFs kommen laut der Plattform ExtraETF im Schnitt auf jährliche Kosten von etwa 0,14 Prozent.
JP Morgan Asset Management, der Marktführer für aktive ETFs in Europa, sieht im Altersvorsorgedepot Chancen. „Schon wegen der Gebührengrenzen werden ETFs eine zentrale Rolle im Altersvorsorgedepot spielen“, sagte Travis Spence, der bei JP Morgan Asset Management das ETF-Geschäft leitet, kürzlich dem Handelsblatt. Der Fondsanbieter will etwa zusammen mit dem Fintech Unitplus ein Portfolio aus aktiven ETFs für das Altersvorsorgedepot anbieten.
Stefan Kuhn, ETF-Vertriebschef für Europa bei Fidelity International, erwartet, dass der Großteil der Neugelder am Markt in passive Börsenfonds fließt. „Aktive ETFs wiederum dürften ausgehend von einem vergleichsweise niedrigen Niveau überdurchschnittlich wachsen“, erklärt Kuhn.
Die Scope-Zahlen zum Marktvolumen decken sich in etwa mit aktuellen Daten des Analysehauses Morningstar für europäische aktive ETFs. Demnach bleiben aktive ETFs in Europa – anders als in den USA – bisher ein Nischensegment: Drei Prozent des in europäischen Börsenfonds investierten Vermögens lagen Ende September in aktiven ETFs, wie die Morningstar-Daten zeigen.
„Gemessen am Gesamtmarkt ist das Volumen weiterhin klein“, sagt auch Scope-Analyst Koch. Aktive ETFs zeigten aber trotzdem „eine enorme Wachstumsrate“. Inzwischen hätten viele Fonds das wichtige Niveau von 100 Millionen Euro erreicht.
Kommt eine Marktbereinigung?
Wie stark die Fonds tatsächlich von den Marktgewichten eines Börsenindexes und damit von vergleichbaren passiven ETFs abweichen, ist unterschiedlich. Beliebt seien weiterhin vor allem indexnahe Strategien, heißt es in der Analyse. So arbeitete etwa JP Morgan Asset Management bei den sogenannten „Research Enhanced“-Strategien mit nur kleinen Abweichungen von der Benchmark.
Fondsconsult-Analyst Richter empfiehlt Anlegern deshalb, sich jedes Produkt einzeln genau anzuschauen: „Mit dem steigenden Angebot wird die Auswahl für Anleger wichtiger“, sagt er. Zudem zeigt etwa eine Auswertung von S&P regelmäßig, dass nur wenige aktive Fondsmanager langfristig Vergleichsindizes schlagen.
Richter erwartet, dass die Zahl der aktiven ETFs noch weiter wächst. Allerdings hätten viele Produkte bislang kein Volumen erreicht, mit dem sie sich langfristig betreiben ließen. Der Analyst sagt deshalb auch: „Früher oder später könnte es aber zu einer Marktbereinigung kommen.“
AI outlook — possibilities, not facts
Wachstum aktiver ETFs durch das Altersvorsorgedepot ab 2026.
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