Geldanlage: Die Konkurrenz zwischen Aktien und Anleihen wächst
Große Vermögensverwalter wie Blackrock und Goldman Sachs setzen verstärkt auf Staatsanleihen, was den Druck auf Aktienmärkte erhöht.
Quick Look
- Fondsmanager und Strategen entdecken Staatsanleihen aufgrund gestiegener Renditen wieder als attraktive Anlageklasse.
- Goldman Sachs und Blackrock erhöhen ihre Gewichtung, was zu einer Umschichtung von Kapital aus dem Aktienmarkt führen könnte.
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Why It Matters
Anleiherenditen sind in den letzten Wochen deutlich gestiegen, wobei zehnjährige US-Staatsanleihen zeitweise 5,3 Prozent erreichten.
Fondsmanager und Strategen entdecken den Anleihemarkt wieder für sich. Die US-Bank Goldman Sachs sieht für die kommenden zwölf Monate Potenzial bei staatlichen Zinspapieren, der weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock stuft US-Staatsanleihen hoch. Auch Fondsmanager Bert Flossbach setzt wieder mehr auf Bonds. Für die Aktienmärkte wird das zunehmend zu einer Bedrohung.
In den vergangenen Wochen haben Anleihen einen bemerkenswerten Abverkauf erlebt. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten in den vergangenen Tagen zeitweise bei 5,3 Prozent, mehr als einen Prozentpunkt höher als zu Jahresbeginn. Deutsche Bundesanleihen mit der gleichen Laufzeit kamen zeitweise auf 3,6 Prozent, auch wenn die Renditen am Anleihemarkt zuletzt wieder etwas gesunken sind.
Für Goldman Sachs sind Staatsanleihen mit dem Renditeanstieg wieder attraktiv geworden. Die US-Bank hat Regierungsbonds für die kommenden zwölf Monate auf „übergewichten“ hochgestuft, wie aus einer am Montag veröffentlichten Analyse hervorgeht.
Die Strategen bleiben zwar kurzfristig vorsichtig, sehen darüber hinaus aber höhere laufende Erträge und das Potenzial, von einer sich abschwächenden Teuerung zu profitieren. Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit könnten sich in Portfolios damit „von einem Gegenwind zu einer Absicherung“ entwickeln. Sowohl US-Staatsanleihen als auch deutsche und britische Papiere werden als attraktiv bewertet.
Bert Flossbach, Gründer des Vermögensverwalters Flossbach von Storch, findet die laufenden Erträge am Anleihemarkt interessant. Teils ließe sich „auch nach Abzug der Inflation noch eine auskömmliche Realverzinsung“ erhalten, schreibt Flossbach in einem kürzlich veröffentlichten Bericht. Man habe Anleihen wieder stärker in der Vermögensallokation berücksichtigt.
Blackrock wiederum hat gerade US-Staatsanleihen aufgestockt und seine jahrelange Skepsis aufgegeben. „Die Renditen haben sich wieder in Richtung unserer seit Langem vertretenen Einschätzung höherer Zinsen bewegt, und wir möchten uns einige attraktive Erträge sichern“, schreiben Strategen in einer Analyse des Blackrock Investment Institute.
Damit bleibt die Frage, ob Marktteilnehmer jetzt in großem Umfang von Aktien in Anleihen umschichten. Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets sieht diese Gefahr. Die Rechnung der Investoren verändere sich zunehmend, meint er. Hohe Anleiherenditen böten attraktive Erträge, während die Bewertungen am Aktienmarkt unter Druck stünden. „Sollte gleichzeitig der Inflationsdruck nachlassen, könnten Staatsanleihen noch stärker profitieren“, schreibt Lipkow. „Aus der bisherigen Konkurrenz zwischen Aktien und Anleihen könnte damit ein nachhaltiger Kapitalstrom in Richtung Rentenmarkt werden.“
Bisher, so die vorherrschende Meinung am Markt, stützen ein robustes Wachstum und hohe Gewinnerwartungen den Aktienmarkt und kompensieren höhere Marktzinsen. Der US-Leitindex S&P 500 notiert auch nach den am Mittwoch erlittenen Kursverlusten weniger als zwei Prozent unter seinem Allzeithoch. Und Goldman Sachs behält ungeachtet der neuen Einschätzung für Staatsanleihen eine Übergewichtung von Aktien über die kommenden zwölf Monate bei.
Die Konkurrenz um Kapital ist dennoch schon sichtbar. Blackrock finanziert die US-Staatsanleihekäufe teils mit einer Herabstufung von US-Aktien. Laut einer Umfrage der Bank of America gab zuletzt etwa jeder fünfte Portfoliomanager an, bereits von Aktien in Anleihen umzuschichten. Stiege die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen bis auf sechs Prozent, wären es demnach zwei Drittel.
Open Questions
- Wie stark wird die Umschichtung von Aktien in Anleihen tatsächlich ausfallen?
- Wird der Inflationsdruck wie prognostiziert nachlassen?







