
Der Markt für kommerzielle Raumfahrt wächst rasant und könnte bis 2035 auf zwei Billionen Dollar steigen. Auch Zulieferer und Tech-Riesen rücken in den Fokus von Anlegern.
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Der Markt für Weltraumwirtschaft umfasst neben Raketenbau auch Satelliten, Infrastruktur und künftige orbitale Fabriken.
Der Markt für Weltraumwirtschaft könnte bald die Billionengrenze knacken. Davon profitieren nicht nur Aktien der Raketenbauer. Und Elon Musk will jedem US-Kind eine SpaceX-Aktie schenken.
Elon Musk kündigt an, jedem Kind in den USA eine SpaceX-Aktie zu schenken, was bei 70 Millionen Kindern einem Geschenk im Wert von rund zehn Milliarden Dollar entspricht.
Die Weltraumwirtschaft umfasst nicht nur Raketenbau, sondern auch Satelliten, Infrastruktur, Rechenzentren und Fabriken im Orbit, die Sonnenenergie und Schwerelosigkeit nutzen könnten.
Der Markt für Weltraumwirtschaft wächst laut Space Foundation auf rund 700 Milliarden US-Dollar, mit einer Prognose von bis zu zwei Billionen US-Dollar bis 2035.
Anlagestratege Daniel Sailer sieht Chancen bei Zulieferern wie Linde, die 80 Prozent aller US-Raketenstarts beliefern, und bei Unternehmen wie Alphabet, die an KI-Infrastruktur für den Orbit arbeiten.
Köln. Der Weltraum ist eines der prägenden Investmentthemen des Jahres. Das liegt vor allem an Elon Musk, dessen Weltraumkonzern SpaceX mit seinem Börsengang im Juni in den Kreis der wertvollsten Unternehmen der Welt vorgestoßen ist.
Mit einem besonderen Plan will Musk die Aktionärsbasis jetzt noch deutlich vergrößern. Der Tech-Milliardär hat angekündigt, im kommenden Jahr jedem Kind in den USA eine SpaceX-Aktie zu schenken. Das werde sein erster Schritt dieser Art „von vielen“ sein, schrieb Musk auf seiner Online-Plattform X. Offen ist allerdings, wie er diesen Plan umsetzen will.
In den USA leben nach jüngsten Volkszählungsdaten etwas mehr als 70 Millionen Kinder im Alter unter 18 Jahren. Zum aktuellen Kurs der SpaceX-Aktie wäre das Aktienpaket für ein solches Geschenk an sie gut zehn Milliarden Dollar wert.
Wer allerdings den Weltraum als Investmentthema allein auf Raketenbauer beschränkt, begeht einen großen Fehler. Es geht in dem Markt nicht nur um Raketen, Satellitenbau und Infrastruktur.
Die Analysten der US-Großbank JP Morgan schreiben in einer Branchenstudie: „In den kommenden Jahren könnte es sein, dass die größten Unternehmen, die im Weltraum tätig sind, gar keine Weltraumunternehmen mehr sind.“
So könnten im Orbit künftig beispielsweise auch Rechenzentren oder Fabriken entstehen. Sie könnten die Sonnenenergie des Alls nutzen oder die Schwerelosigkeit für die Herstellung von Materialien, die auf der Erde nicht produziert werden können.
Das alles könnte aus einem Milliarden- einen Billionenmarkt machen, kann sich die Non-Profit-Organisation Space Foundation vorstellen. Sie schätzt die Umsätze der Weltraumwirtschaft inzwischen auf rund 700 Milliarden US-Dollar, damit um zwölf Prozent höher als im Vorjahr. Bis 2035 könnte das Volumen auf bis zu zwei Billionen US-Dollar wachsen.
Was nach viel Zukunftsfantasie und Ungewissheit klingt, findet eine überzeugende Grundlage im Hier und Jetzt. Moritz Henkel, Produktmanager beim US-Vermögensverwalter VanEck: „Der wichtigste Treiber für das breite und langfristige Wachstum des Weltraummarktes liegt in den stark gesunkenen Startkosten.“
Der Weg von der Erde in eine niedrige Umlaufbahn ist seit der Spaceshuttle-Ära um rund 95 Prozent günstiger geworden. Brauchte man früher über 50.000 Dollar pro Kilogramm, liegt der Transportpreis auf einer wiederverwendbaren Trägerrakete Falcon 9 von SpaceX heute bei wenigen Tausend Dollar.
Die immens gesunkenen Startkosten eröffnen Perspektiven für zahlreiche neue Anwendungsfälle für die Weltraumwirtschaft. „Dazu kommt eine steigende Nachfrage nach Konnektivität, Daten und Erdbeobachtung“, sagt Henkel.
Schließlich bekommt die Branche von staatlicher Seite Rückenwind, weil der Weltraum immer mehr in den politischen Fokus gerät. Die EU etwa treibt mit dem Satellitenprojekt „IRIS2“ ein eigenes Kommunikationsnetzwerk voran, um die Abhängigkeit von anderen Regionen zu verringern.
Doch wie können Anleger in diesen aufstrebenden Sektor investieren? Daniel Sailer, Anlagestratege bei der Vermögensverwaltungssparte Metzler Asset Management der gleichnamigen Frankfurter Bank, sagt: „Spezialisierte Weltraumaktien haben nach ersten Spekulationswellen konsolidiert und teils Gewinne abgegeben.“
Anleger forderten heute belastbare Cashflows, also Geldzuflüsse aus dem operativen Geschäft eines Unternehmens, und einen klar erkennbaren Übergang von der Einzelfertigung zur industriellen Serienproduktion, sagt Sailer weiter: „Die attraktivsten Chancen bieten aus unserer Sicht nicht spekulative Raketenbauer, sondern etablierte Zulieferer der kritischen Wertschöpfungskette.“
Die größten Chancen sieht der Anlagestratege bei Spezialrohstoffen und Treibstoffen. Als Beispiel nennt er den weltgrößten Industriegase-Konzern Linde, der aus Deutschland stammt, heute allerdings formal in Irland beheimatet und an der New Yorker Börse gelistet ist.
„Linde beliefert über 80 Prozent aller US-Raketenstarts und profitiert direkt vom steigenden Startvolumen“, sagt Sailer. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 24 auf Basis der im kommenden Geschäftsjahr erwarteten Gewinne ist die Aktie moderat bewertet. Von 29 Analysten raten dem Finanzdienst LSEG zufolge 20 derzeit zum Kauf.
Auch im Bereich Space-Based Computing, also der Datenverarbeitung und KI-Berechnungen direkt im Weltall, sieht Sailer Chancen: „Enabler von KI-Infrastruktur im Orbit schaffen die Basis für eine direkte Datenverarbeitung im Weltraum und sparen wertvolle Bandbreite zur Erde.“
Als Beispiel für dieses Segment nennt er den Google-Mutterkonzern Alphabet. Der prüft derzeit mit einem Projekt namens „Suncatcher“, ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, Rechenzentren in den Weltraum zu verlagern. Anfang Oktober hat er einen ersten solarbetriebenen Prototyp ins All verfrachtet.
Der Fokus von Alphabet liegt gleichwohl weiterhin auf den Werbeerlösen im Suchmaschinengeschäft und dem Rechenzentrumsgeschäft. Davon hängt auch die Richtung des Aktienkurses ab. Hier raten derzeit 54 von 59 Experten zum Kauf des Wertpapiers.
Grundsätzlich bleibt ein direktes Investment in die Weltraumwirtschaft riskant. Denn der Markt ist jung und aufstrebend, erfordert hohe Investitionen. Das bedeutet: Nicht alle Projekte werden sich rentieren, und es ist unklar, welche Akteure sich durchsetzen können.
Dazu kommen Unternehmen teils mit ambitionierten Bewertungen an den Kapitalmarkt. Daher bietet sich ein breit gestreuter Investmentansatz an. Der mit Abstand größte Weltraum-ETF ist der „VanEck Space Innovators“ (ISIN: IE000YU9K6K2) mit einem Fondsvermögen von rund 1,6 Milliarden Euro.
Die größten Positionen sind hier die US-Telekommunikationsunternehmen Viasat, AST Space Mobile und Echostar. Der ETF liegt im laufenden Jahr gut 20 Prozent im Plus und hat sich damit minimal schlechter entwickelt als der US-Technologieindex Nasdaq 100. Auf Sicht von drei Jahren legte der ETF aber gut 250 Prozent zu, während sich der Nasdaq 100 „nur“ verdoppelt hat.
Die Konkurrenzprodukte der ETF-Fparte des US-Fondsriesen Blackrock iShares (ISIN: IE000A9G9R73) und des US-ETF-Anbieters Wisdom Tree (ISIN: IE000VDH1PG3) sind mit 26 respektive 14 Millionen Euro Volumen deutlich kleiner. Bei Produkten mit kleinen Volumina besteht die Gefahr, dass sich die ETFs für den Anbieter nicht rentieren und geschlossen oder mit einem anderen ETF verschmolzen werden könnten.
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Umsatz der Weltraumwirtschaft steigt bis 2035 auf bis zu zwei Billionen US-Dollar
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