
Profiinvestoren bereiten sich auf politische Unwägbarkeiten vor, die besonders Technologie- und Energieaktien in Asien beeinflussen könnten.
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Die US-Zwischenwahlen bestimmen die Mehrheitsverhältnisse im Kongress und beeinflussen damit die Gesetzgebungskompetenz des Präsidenten.
Singapur. Der Wahlausgang der diesjährigen US-Zwischenwahlen hat großen Einfluss auf die Anlageentscheidungen von Profiinvestoren. Besonders starke Folgen könnte dies besonders für die asiatischen Aktienmärkte haben.
So könnte ein vollständiger Sieg der Demokraten in beiden Kammern des Kongresses zu einer strengeren Kontrolle der KI-Branche und dem Ausbau von Rechenzentren führen. Für koreanische und taiwanesische Chiphersteller, wie TSMC, Samsung oder SK Hynix, die als Zulieferer vom dortigen Ausbau an Rechenzentren profitieren, könnte dies negative Folgen haben.
Laut Strategen würden diese Unternehmen von einem unerwarteten Erhalt der Mehrheit durch die Republikaner profitieren – was auch mehr politische Kontinuität bedeuten würde. „Sollten die Demokraten nächste Woche einen Erdrutschsieg erringen, könnten diese Themen an Dringlichkeit gewinnen und diese Befürchtungen könnten einen weiteren Rückgang der KI-Aktien auslösen“, sagte Phillip Wool, Leiter des Portfoliomanagements bei Rayliant Global Advisors.
„Alles, was eine Bedrohung für die KI darstellt, wird die Stimmung gegenüber Aktien aus Korea, Taiwan, Japan und vielleicht in geringerem Maße auch aus China stark belasten.“ Diese Abhängigkeit könnte die Region verwundbar machen, sollte ein demokratisch dominierter Kongress die Kontrolle über die Branche verschärfen.
Verändert sich der regulatorische Rahmen für Rechenzentren?
Mögliche Schwerpunkte wären unter anderem die Verpflichtung von KI-Entwicklern, einen größeren Teil der Stromkosten für Rechenzentren zu tragen, sowie eine stärkere Kontrolle der Handels- und Technologiepolitik durch den Kongress. Neben den großen Halbleiterherstellern könnte dies auch Unternehmen wie Quanta Computer, Advantest und Delta Electronics betreffen.
„Mögliche Änderungen beim Ausbau der US-KI-Infrastruktur, bei der Entwicklung von Rechenzentren oder bei technologischen Beschränkungen könnten sich letztendlich auf die asiatischen Lieferketten auswirken“, sagte Afdhal Rahman, Executive Director of Wealth Advisory bei der Oversea-Chinese Banking Corp.
Dennoch gehen Anleger allgemein davon aus, dass die weltweite Nachfrage nach KI-Rechenleistung und -Infrastruktur unabhängig davon, wer den Kongress kontrolliert, stabil bleiben wird. Koreanische und taiwanesische Chiphersteller seien nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil dieser strukturellen Investitionen und damit gut aufgestellt, um unterschiedliche Wahlergebnisse zu überstehen, sagte Pruksa Iamthongthong, Leiter des Bereichs APAC-Aktien bei Aberdeen Investments.
Die Folgen für chinesische Unternehmen
Gewinnen die Demokraten die Zwischenwahlen deutlich, könnte das auch chinesischen Herstellern von Solaranlagen, Batterien und Elektroautos Auftrieb geben. Die Demokraten setzen stärker auf saubere Energie, sagt Wool vom Vermögensverwalter Rayliant. Im Fokus stehen etwa der Batteriehersteller CATL, der Autobauer BYD und die Solarkonzerne Sungrow, Longi und Jinko Solar.
Es gibt aber auch ein Gegenszenario. Kontrollieren die Demokraten den Kongress, kann Präsident Trump innenpolitisch wenig durchsetzen. Er dürfte dann stärker auf Befugnisse setzen, die ohne Parlament auskommen, und dazu gehört die Handelspolitik. Wei Li, Leiter Multi-Asset-Investments bei BNP Paribas Securities (China), hält Zölle deshalb für den Faktor, über den die Wahl die Kurse am stärksten bewegt. Unter einer geteilten Regierung sieht er Spielraum für eine weitere Eskalation im Handelsstreit.
Andere Experten erwarten nur begrenzte Folgen für chinesische Aktien, weil der harte Kurs gegenüber Peking in den USA von beiden Parteien getragen wird. Zudem schütze China seine breitere Aufstellung bei den Exportmärkten und seine wachsende technologische Stärke ein Stück weit vor Kurswechseln in Washington, sagt June Chua, Leiterin für asiatische Aktien bei Manulife Investment Management.
Die japanische Perspektive und der Devisenmarkt
Für japanische Anleger sind vor allem die Themen Geopolitik und Öl relevant. Kazuyuki Muramatsu, Leiter des Anlagemanagements bei Nagomi Capital, rechnet nicht damit, dass die Börsen nach der Wahl wie früher üblich zulegen. Trump hat angedeutet, dass die USA nach der Abstimmung ihre Angriffe auf den Iran wieder aufnehmen könnten.
Steigt der Ölpreis dann auf 120 Dollar je Barrel, würde das alle positiven Erwartungen überlagern, sagt Muramatsu. Behalten die Republikaner dagegen die Mehrheit, könnten laut Wei Li von BNP Paribas japanische Rüstungskonzerne und Industriefirmen mit engem US-Bezug profitieren, weil die Ausgabenprioritäten erhalten blieben.
Auch am Devisenmarkt könnte die Wahl Spuren hinterlassen. Richard Franulovich, Chef-Devisenstratege der australischen Bank Westpac, hält es für möglich, dass der Dollar seine jüngsten Gewinne wieder abgibt. Das wäre der Fall, wenn die Demokraten beide Kammern gewinnen, sich ein Kompromiss zwischen den USA und Iran abzeichnet oder die Ausgaben für KI und Rechenzentren kritischer gesehen werden. Knappe Ergebnisse mit Neuauszählungen oder Klagen könnten zudem das Vertrauen in die US-Institutionen schwächen.
Carol Kong, Strategin der Commonwealth Bank of Australia, erwartet, dass ein demokratischer Kongress neue Schulden bremst, den Druck auf die US-Zinsen mindert und den Dollar leicht belastet. Verlieren die Republikaner deutlicher als erwartet, könnte der Dollar stärker fallen und der Yen als sicherer Hafen gefragt sein. Niedrigere US-Renditen und weniger Spielraum für Ausgaben könnten laut Li asiatischen Exporteuren und Anleihen in Landeswährung helfen.
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Demokratischer Kongress könnte Dollar schwächen und Yen stärken.
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