Geldmarkt-ETFs als Tagesgeld-Alternative: Für wen sie sich lohnen
Mit gestiegenen Leitzinsen parken Anleger Geld wieder lukrativer kurzfristig. Neben Tagesgeld kommen Geldmarkt-ETFs infrage – für welche zwei Gruppen sie sinnvoll sind.
Quick Look
- Geldmarkt-ETFs bilden kurzfristige Zinsen nahe dem EZB-Einlagensatz ab und dienen als Alternative zum Tagesgeld.
- Experten empfehlen sie vor allem Anlegern mit hohen Barreserven bis zu einem Jahr sowie Summen über der gesetzlichen Einlagensicherung.
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Why It Matters
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins und Einlagensatz im Zuge der Geldpolitik angehoben, wodurch Zinsanlagen wieder an Attraktivität gewonnen haben.
Geldmarkt-ETFs sind eine Alternative zum Tagesgeld. Für welche zwei Anlegertypen sie sich eignen und worauf Anleger bei der Auswahl achten sollten.
Frankfurt. Mit den gestiegenen Leitzinsen in der Euro-Zone ist es wieder lukrativer, kurzfristig Geld zu parken. Im September hob die Europäische Zentralbank (EZB) den für Spar- und Kreditzinsen maßgeblichen Einlagensatz auf 2,5 Prozent an. In den kommenden Monaten könnte der Leitzins Markterwartungen zufolge weiter steigen.
Das macht Zinsanlagen für Investoren attraktiver. Neben Tagesgeldkonten kommen auch Geldmarkt-ETFs infrage. Die Produkte sind bei Profianlegern beliebt: Ein geldmarktnaher ETF des Anbieters Amundi gehörte Ende Juni zu den am weitesten verbreiteten passiven Investments unabhängiger Vermögensverwalter in Deutschland. Das zeigt eine Auswertung des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) und der Datenplattform Qplix.
Geldmarkt-ETFs eignen sich Experten zufolge vor allem für zwei Gruppen von Privatanlegern. Das Handelsblatt erklärt, worauf sie achten sollten.
Geldmarkt-ETFs sind Börsenfonds für kurzfristige Anlagen, die eine Rendite nahe am EZB-Einlagenzins liefern. Damit richten sie sich vor allem an Investoren, die Barreserven kurzfristig anlegen möchten. Laut Michael Huber, Finanzberater beim VZ Vermögenszentrum, können die Produkte für Kunden interessant sein, die ihr Geld bis zu ein Jahr lang parken wollen. „Für langfristige Vermögenspositionen gibt es bessere Alternativen“, sagt er.
Am Geldmarkt handeln Geschäftsbanken mit kurzfristigen Finanzinstrumenten. Passiv verwaltete Geldmarkt-ETFs sollen die dort erzielten Zinssätze abbilden. Dafür verfolgen sie in der Regel einen von zwei Ansätzen:
Sogenannte Overnight-ETFs bilden meist die „European Short-Term Rate“ (ESTR) ab, teils zuzüglich eines kleinen Aufschlags. Der ESTR-Satz ist der Zinssatz, zu dem sich europäische Banken über Nacht gegenseitig Geld leihen. Der ESTR-Satz ist am Mittwoch nach EZB-Angaben auf 2,44 Prozent gestiegen und liegt damit knapp unter dem aktuellen Einlagenzins. Der größte Geldmarkt-ETF auf der Plattform JustETF, ein Produkt der DWS-Marke Xtrackers (ISIN: LU0290358497), kam über die vergangenen zwölf Monate auf eine Rendite von 2,03 Prozent. In diesem Zeitraum betrug der EZB-Einlagenzins die meiste Zeit zwei Prozent.
Andere Geldmarkt-ETFs bilden die Rendite von Euro-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von wenigen Monaten nach. Ein Amundi-ETF für kurzfristige Euro-Staatsanleihen (ISIN: FR0010754200) erzielte in dem Zeitraum 1,94 Prozent Rendite.
Damit liegen die Erträge, die Anleger für die kommenden Monate bei Geldmarkt-ETFs erwarten können, deutlich unter den Aktionszinsen mancher Banken. Die Digitalbank Revolut bietet Neukunden etwa 4,25 Prozent auf Tagesgeld, bei Konkurrent Chase sind es derzeit vier Prozent. Beide Angebote sind jedoch auf vier Monate und einen Maximalbetrag begrenzt. Abseits von Aktionen können Tagesgeldzinsen je nach Bank deutlich unter zwei Prozent liegen.
Laut Experten können Anleger mit Geldmarkt-ETFs davon profitieren, dass sich die Verzinsung automatisch an den Markt anpasst. Jan Tachtler vom Vermögensverwalter HQ Trust findet die Produkte deshalb attraktiv für Anleger, die hohe Barreserven haben und von ihrer Bank den Einlagenzins der EZB nicht weitergereicht bekommen. „Bei einem Anlagevolumen von 50.000 Euro kann sich eine Investition in Geldmarkt-ETFs dann auch für einige Monate lohnen“, sagt er.
Die Produkte Tachtler zufolge zudem an, um Summen zu investieren, die die gesetzliche Einlagensicherung bei Banken übersteigen. In der EU gilt grundsätzlich ein Schutzniveau für Guthaben bis 100.000 Euro je Kunde und Bank, das zeitlich begrenzt auf 500.000 Euro steigen kann. Geldmarkt-ETFs unterliegen nicht der Einlagensicherung, sondern sind Sondervermögen. Das Fondsvermögen ist damit bei einer Insolvenz der depotführenden Bank nicht betroffen – unabhängig vom Anlagebetrag.
Finanzberater Huber hält die Entscheidung zwischen Tagesgeldkonten und Geldmarkt-ETFs deshalb für eine Frage der persönlichen Präferenz. „Wer Freude daran hat, mehrere Tagesgeldkonten zu führen und regelmäßig zum besten Angebot zu wechseln, kann damit eine höhere Rendite erzielen als mit Geldmarkt-ETFs“, sagt er. „Das ist allerdings mit Aufwand verbunden.“ Zudem sollten Anleger darauf achten, dass die Einlagen auf den jeweiligen Konten durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt sind.
Entsprechend sieht Huber zwei Anlegergruppen, für die Geldmarkt-ETFs ein sinnvolles Instrument sein können. Zum einen seien das Anleger, die „sich weniger Mühe machen wollen, aber trotzdem sicher sein wollen, eine geldmarktnahe Verzinsung zu bekommen“. Zum anderen eigneten sich die Produkte für Anleger, die mehr als 100.000 Euro anlegen wollten.
Trotzdem sollten Anleger laut Experten auf mehrere Punkte achten. So wird der ESTR-Satz von Fondsgesellschaften meist synthetisch nachgebildet, indem sie ein entsprechendes Tauschgeschäft mit einer Gegenpartei eingehen. Dadurch entsteht ein Risiko, wenn diese Gegenpartei pleitegeht.
Ein Beispiel für eine solche synthetische Nachbildung ist der 24 Milliarden Euro große ETF von Xtrackers. Der Börsenfonds bildet den aktuellen ESTR-Satz zuzüglich 0,085 Prozentpunkten ab. Dafür schließt der Anbieter ein Tauschgeschäft mit der Deutschen Bank ab. Sie stellt den Zinssatz bereit und hinterlegt Sicherheiten.
Das Sicherheitsportfolio des Xtrackers-ETF besteht derzeit nach Anbieterangaben vor allem aus Staats- und Unternehmensanleihen. Mit den Sicherheiten versuche man, das Gegenparteirisiko zu minimieren, erklärt Fabian Heider, Produktspezialist bei der DWS. Die Absicherungen würden täglich an das Fondsvolumen angepasst. Heider sagt: „Fällt die Gegenpartei aus, haben Anleger weiterhin Anspruch auf ihren Anteil des ETF, der als Sondervermögen zählt. Dieser besteht aus einem Wertpapierkorb an Sicherheiten.“
HQ-Trust-Experte Tachtler rät deshalb dazu, sich bei solchen synthetischen Geldmarkt-ETFs die Gegenpartei und die Sicherheiten genau anzuschauen. „Wenn das Sicherheitenportfolio aus Aktien besteht, kann das ein gewisses Risiko darstellen“, sagt er. „Außerdem hilft es, wenn die Gegenparteien breit diversifiziert sind.“
Bei der anderen Sorte von Geldmarkt-ETFs, die in kurz laufende Anleihen investieren, tragen Anleger dagegen ein Kursrisiko. „In Stressphasen, in denen viele Marktteilnehmer schnell Liquidität brauchen, kann das Risiko durchaus real werden“, warnt Tachtler. Um nicht zu spekulieren, sollten sie Geldmarktprodukte außerdem nicht in einer Fremdwährung kaufen.
Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg weist auf zusätzliche Kosten im Vergleich zu Tagesgeldanlagen hin. Dazu zählen Transaktionsgebühren, die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis sowie gegebenenfalls Depotkosten. Vor allem bei kleinen Anlagebeträgen und häufigen Transaktionen können diese Kosten den Mehrertrag deutlich schmälern.
Finanzberater Huber sieht das ähnlich. Anders als Tagesgeldkonten könnten Geldmarkt-ETFs zudem eine Abrechnungsdauer von ein bis zwei Tagen haben, sagt er.
Nauhauser hält Tagesgeld für den „Notgroschen“ daher für die bessere Wahl. „Es ist einfacher, durch die Einlagensicherung geschützt und ohne Börsenhandel täglich verfügbar“, sagt er. Für Anleger, die Geld über mehrere Monate oder länger liquide und vergleichsweise schwankungsarm anlegen wollten, seien Geldmarkt-ETFs dennoch eine Alternative.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Leitzins in der Euro-Zone könnte in kommenden Monaten weiter steigen
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Open Questions
- Wie entwickeln sich die Zinsen der EZB in den kommenden Monaten?
- Welche konkreten Depotgebühren fallen bei verschiedenen Brokern an?







