+++ Geschäftszahlen +++: Henkel erhöht Umsatzziel nach starkem Quartal
Zahlreiche internationale Konzerne haben ihre Quartalszahlen vorgelegt. Während Pharma- und Energiekonzerne von starker Nachfrage und hohen Ölpreisen profitieren, kämpfen Autohersteller wie Volkswagen mit massiven Verlusten.
Quick Look
- Zahlreiche Unternehmen legten Quartalszahlen vor: Merck & Co. und STMicro übertrafen Erwartungen durch KI- und Pharmachargen, während Ölkonzerne wie Shell und Totalenergies von gestiegenen Ölpreisen profitieren.
- VW verzeichnet derweil einen Milliardenverlust.
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Why It Matters
Zahlreiche internationale Konzerne veröffentlichen im Zuge der Berichtsaison ihre Bilanzen für das dritte Quartal 2026.
Der US-Pharmakonzern Merck & Co. hat dank einer starken Nachfrage nach seinem Blockbuster-Krebsmedikament Keytruda die Erwartungen übertroffen und seine Jahresprognose angehoben. Der Umsatz sei im dritten Quartal auf 18,1 Milliarden Dollar gestiegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Analysten hatten im Schnitt nur mit 17,3 Milliarden Dollar gerechnet. Der bereinigte Gewinn je Aktie habe bei 2,49 Dollar gelegen und damit ebenfalls über den Schätzungen von 2,08 Dollar. Für das Gesamtjahr rechnet Merck nun mit einem Umsatz zwischen 66,8 und 67,3 Milliarden Dollar und einem bereinigten Gewinn je Aktie von 2,77 bis 2,82 Dollar.
Ein schwaches Geschäft mit Erkältungsmitteln hat den britischen Konsumgüterkonzern Haleon zur Senkung seiner Umsatzprognose gezwungen. Die Aktien des Herstellers von Sensodyne-Zahnpasta und Voltaren-Schmerzgel brachen am Donnerstag um fast zwölf Prozent ein. Für 2026 erwartet das Unternehmen nur noch ein organisches Umsatzwachstum von rund 2,5 Prozent. Zuvor hatte Haleon ein Plus von drei bis fünf Prozent in Aussicht gestellt. Analysten hatten im Schnitt 3,2 Prozent erwartet. Den Ausblick für den bereinigten Betriebsgewinn, der währungsbereinigt im hohen einstelligen Prozentbereich wachsen soll, behielt der Konzern bei. Gleichzeitig kündigte Haleon ein weiteres Aktienrückkaufprogramm von 500 Millionen Pfund an.
Im abgelaufenen dritten Quartal verfehlte der Konzern mit einem organischen Plus von 2,6 Prozent auf 2,87 Milliarden Pfund die Markterwartungen. Hauptgrund für die schwächere Entwicklung war eine milde Erkältungssaison im wichtigsten Markt Nordamerika mit entsprechend geringeren Bestellungen.
Die wegen des Kriegs der USA gegen den Iran stark gestiegenen Ölpreise lassen die Kassen des französischen Ölkonzerns Totalenergies weiter klingeln. Der Nettogewinn schnellte im dritten Quartal allein im Vergleich zum zweiten Jahresviertel um gut die Hälfte auf fast 8,4 Milliarden US-Dollar (7,5 Milliarden Euro) nach oben, wie der Konkurrent von Shell und ExxonMobil am Donnerstag mitteilte. Im Jahresvergleich hat sich der Überschuss damit deutlich mehr als verdoppelt.
Die USA und Israel hatten den Iran Ende Februar 2026 angegriffen. Seither ging es für die Ölpreise deutlich nach oben, auch weil der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus gestört ist. Diese Meerenge ist ein Öltransport-Nadelöhr. Derweil will Totalenergies dank der sprudelnden Gewinne im Schlussquartal sowie im ersten Viertel des kommenden Jahres eigene Aktien für 2,5 Milliarden Dollar zurückkaufen.
Der dänische Brauereikonzern Carlsberg hat dank guter Geschäfte in Europa seine Schwäche in China wettgemacht und hält an seiner Jahresprognose fest. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um fünf Prozent auf 25,3 Milliarden dänische Kronen (3,39 Milliarden Euro), wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Damit trafen die Dänen die Erwartungen von Analysten. „Die Gruppe erzielte im dritten Quartal ein robustes Umsatzwachstum“, erklärte Vorstandschef Jacob Aarup-Andersen. „Dies hat das schwierige Geschäftsumfeld in China mehr als ausgeglichen.“ Für das Gesamtjahr peilt Carlsberg weiterhin ein organisches Wachstum des Betriebsgewinns von vier bis sechs Prozent an.
Die französische Großbank Societe Generale hat dank eines Rekordquartals im Aktienhandel und höherer Einnahmen im Privatkundengeschäft deutlich mehr verdient. Der Überschuss stieg im vergangenen Jahresviertel um 24 Prozent auf 1,89 Milliarden Euro, wie die zweitgrößte börsennotierte Bank Frankreichs am Donnerstag mitteilte. Damit übertraf das Institut die Analystenerwartungen von im Schnitt 1,65 Milliarden Euro. Die Erträge kletterten um acht Prozent auf 7,17 Milliarden Euro.
Nach drei schwachen Quartalen in Folge stiegen die Erträge im Investmentbanking um 13 Prozent. Die Einnahmen im Aktienhandel erreichten einen Rekordwert und legten um 46 Prozent zu. Dies glich einen Einbruch von 21 Prozent im Handel mit Anleihen aus.
Der britische Öl- und Gaskonzern Shell hat im dritten Quartal von den Turbulenzen an den Energiemärkten infolge des Iran-Kriegs profitiert und einen Milliardengewinn erzielt. Der bereinigte Gewinn lag bei 10,81 Milliarden Dollar und damit über den Erwartungen von Analysten, teilte Shell am Donnerstag mit. Es ist der höchste Gewinn seit 2022. Zudem kündigte der Konzern an, sein Aktienrückkaufprogramm von drei auf fünf Milliarden Dollar aufzustocken. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn bei 5,43 Milliarden Dollar gelegen.
Dank eines überraschend starken dritten Quartals blickt der Konsumgüter- und Klebstoffhersteller Henkel optimistischer auf das Gesamtjahr. Der Vorstand hob seine Umsatzprognose an und peilt 2026 nun ein organisches Umsatzplus von 3,0 bis 4,0 Prozent an, wie der Düsseldorfer Dax-Konzern am Donnerstag mitteilte. Zuvor hatte er 1,5 bis 3,5 Prozent in Aussicht gestellt. Die bereinigte Umsatzrendite soll bei rund 15 Prozent liegen, womit die bisherige Spanne von 14,5 bis 16,0 Prozent präzisiert wurde.
Sowohl das Geschäft mit Klebstoffen (Adhesive Technologies) als auch die Konsumgütersparte (Consumer Brands) verzeichneten hohe Zuwachsraten. Nach ersten Berechnungen sei der Umsatz so insgesamt organisch um 6,5 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro gestiegen. Getragen worden sei das Wachstum durch alle Regionen. Preiserhöhungen von 5,4 Prozent und ein leichtes Mengenplus von 1,1 Prozent trugen ebenfalls dazu bei. Am 10. November soll der vollständige Quartalsbericht veröffentlicht werden.
Der Triebwerkshersteller MTU Aero Engines blickt nach deutlichem Wachstum in den ersten neun Monaten optimistischer auf den Umsatz im Gesamtjahr. Wegen hoher Nachfrage vor allem bei der Instandhaltung in der Zivilluftfahrt und eines günstigen Dollar-Wechselkurses grenzte der Dax-Konzern am Donnerstag seine Umsatzprognose für 2026 nach oben ein. „Wir gehen davon aus, dass wir 2026 einen Umsatz von 9,5 bis 9,7 Milliarden Euro erreichen“, erklärte Finanzvorständin Katja Garcia Vila. Bisher hatte MTU einen bereinigten Umsatz zwischen 9,2 und 9,7 Milliarden Euro erwartet.
Eine starke Nachfrage aus KI-Rechenzentren und von Satellitenbetreibern hat dem Chiphersteller STMicroelectronics im dritten Quartal einen Gewinnsprung beschert. Das das bereinigte Betriebsergebnis stieg im Jahresvergleich um 98 Prozent auf 429 Millionen Dollar, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen von Analysten, die laut LSEG-Daten mit 400,5 Millionen Dollar gerechnet hatten. Der Umsatz stieg um knapp 18 Prozent auf 3,76 Milliarden Dollar. Für das laufende vierte Quartal stellte STMicro einen Umsatz von 4,15 Milliarden Dollar in Aussicht. Analysten erwarten 4,10 Milliarden Dollar.
Weniger Autos verkauft, aber mehr umgesetzt: Dem französischen Autobauer Renault ist im dritten Quartal dank seiner gefragten Elektromodelle ein überraschender Umsatzanstieg gelungen. Der Erlös stieg währungsbereinigt um 1,4 Prozent auf 11,6 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet. Dennoch fiel das Umsatzwachstum geringer aus als im ersten Halbjahr. Dies dürfte kaum ausreichen, um Investoren zu beruhigen, die angesichts des intensiven Wettbewerbs durch eine Welle chinesischer Anbieter auf den Kernmärkten von Renault besorgt sind.
Das spiegelt sich im Absatz wider: Mit 497.799 verkauften Fahrzeugen verfehlte Renault den Vorjahreswert um sechs Prozent. Während das Unternehmen eine starke Nachfrage nach Elektrofahrzeugen – etwa dem elektrischen Renault 5 – meldete, wies der Vorstand zugleich auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck hin. Finanzchef Duncan Minto sprach von einem „spürbaren Druck durch chinesische Marken in Europa“, der auch die Billigmarke Dacia treffe. Die Sorgen der Anleger über den zunehmenden Wettbewerb spiegeln sich im Aktienkurs wider, der in diesem Jahr bereits um mehr als ein Viertel eingebüßt hat. Für das Gesamtjahr bestätigte Minto sein Ziel für die operative Marge, die bei rund 5,5 Prozent des Umsatzes liegen soll.
Die niederländische Großbank ING hat einen neuen Aktienrückkauf im Volumen von 1,65 Milliarden Euro angekündigt. Zudem solle im Januar 2027 eine zusätzliche Barausschüttung von 250 Millionen Euro an die Aktionäre fließen, teilte das Institut am Donnerstag mit. Im abgelaufenen dritten Quartal verfehlte die Bank jedoch die Gewinnerwartungen der Analysten. Der Nettogewinn stieg zwar um 3,5 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro, Experten hatten im Schnitt jedoch mit 1,97 Milliarden gerechnet. Im Zuge einer Neuorganisation des Firmenkundengeschäfts kündigte ING zudem den weltweiten Abbau von rund 400 Stellen an.
Der weltgrößte Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev hat im dritten Quartal die Gewinnerwartungen erfüllt, bekommt aber zunehmend den Druck steigender Kosten zu spüren. Der Hersteller von Marken wie Budweiser und Stella Artois steigerte den Umsatz organisch um 4,9 Prozent und übertraf damit die Prognosen, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Inklusive Währungseffekten kletterten die Erlöse auf 16,5 Milliarden Dollar. Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) legte um 3,9 Prozent auf knapp sechs Milliarden Dollar zu. Wegen höherer Ausgaben schrumpfte die operative Marge jedoch um 34 Basispunkte auf 36,1 Prozent.
Der Spezialchemiekonzern Wacker Chemie hat im dritten Quartal dank seines Sparprogramms deutlich mehr verdient und seinen Betriebsgewinn nahezu verdoppelt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg auf 217 Millionen Euro nach 112 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie das Unternehmen am Donnerstag in München mitteilte. Unter dem Strich kehrte das Unternehmen in die schwarzen Zahlen zurück und schrieb einen Gewinn von 87 Millionen Euro nach einem Verlust von 82 Millionen Euro vor Jahresfrist.
Der Quartalsumsatz stieg um neun Prozent auf 1,47 Milliarden Euro. Alle Geschäftsbereiche seien gewachsen, erklärte Wacker. Dies sei vor allem auf höhere Preise und teilweise auf gestiegene Absatzmengen zurückzuführen.
Volkswagen ist im dritten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Das Konzernergebnis nach Steuern lag in den Monaten Juli bis September bei minus 5,82 Milliarden Euro, wie der Autokonzern mitteilte.
Der fränkische Sportartikelkonzern Adidas will im Weihnachtsgeschäft auch in Europa wieder auf Wachstumskurs gehen. Im vierten Quartal sei auf dem Kontinent mit einem prozentual hohen einstelligen Wachstum zu rechnen, teilte die Nummer zwei auf dem Weltmarkt am Donnerstag in Herzogenaurach mit. Im abgelaufenen dritten Quartal war Europa die einzige Region, in der der Umsatz – um vier Prozent – zurückgegangen war. In allen anderen Märkten steigerte Adidas das Geschäft mit zweistelligen Zuwachsraten.
Adidas hatte bereits in der vergangenen Woche Eckdaten für das dritte Quartal genannt und die operative Gewinnprognose für das laufende Jahr auf 2,5 von 2,3 Milliarden Euro angehoben. „Mit allem, was wir dieses Jahr bisher erreicht haben und was noch in unserer Pipeline ist, sind wir zuversichtlich, dass wir im Gesamtjahr ein Umsatzwachstum von knapp 2,5 Milliarden Euro erzielen und das Betriebsergebnis auf rund 2,5 Milliarden Euro steigern werden. Wir sind super aufgestellt für 2026 – und auch für 2027“, sagte Vorstandschef Björn Gulden.
Die niederländische Online-Apotheke Redcare Pharmacy profitiert weiterhin stark von der Einführung des E-Rezepts in Deutschland und hat im dritten Quartal einen Gewinnsprung verzeichnet. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) stieg um 68 Prozent auf rund 29 Millionen Euro, wie die Muttergesellschaft der „Shop Apotheke“ am Donnerstag mitteilte. Unter dem Strich stand mit einer Million Euro das zweite Mal in Folge ein Nettogewinn. Die erst im September angehobene Jahresprognose bestätigte das Unternehmen.
Der Konzernumsatz kletterte im abgelaufenen Jahresviertel um 18 Prozent auf 847 Millionen Euro. Maßgeblicher Treiber war das Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten in Deutschland, das um 56 Prozent auf 197 Millionen Euro zulegte. Die bereinigte Ebitda-Marge verbesserte auf 3,4 (Vorjahr: 2,4) Prozent.
Wegen schwacher Geschäfte in der Sparte für Gabelstapler und Lagertechnik hat der Industrielogistik-Konzern Kion seine Prognose für das laufende Jahr gesenkt. Dabei verzeichnete das Unternehmen in den ersten neun Monaten dank eines florierenden Geschäfts mit Automatisierungslösungen eigentlich Zuwächse bei Umsatz und operativem Gewinn. Der Konzernumsatz stieg von Januar bis September um 3,9 Prozent auf 8,52 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich um knapp zehn Prozent auf 632,5 Millionen Euro, was einer Marge von 7,4 Prozent entspricht.
Für das Gesamtjahr rechnet Kion nun mit einem Umsatz zwischen 11,45 und 11,75 Milliarden Euro. Zuvor hatte das Management noch Erlöse in einer Spanne von 11,525 bis 12,025 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Auch beim operativen Gewinn schraubte der Konzern die Erwartungen nach unten: Das bereinigte Ebit soll 2026 nun bei 815 bis 875 Millionen Euro liegen. Im Juli war das Unternehmen noch von 880 bis 980 Millionen Euro ausgegangen.
Der bayerische Spezialchemiekonzern Alzchem profitiert weiter von der starken Nachfrage nach dem Muskelaufbaumittel Kreatin und nach Sprengstoffen. Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten um vier Prozent auf 443,8 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag in Trostberg mitteilte. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um acht Prozent auf 93,2 Millionen Euro, die operative Marge verbesserte sich damit auf 21,0 (20,3) Prozent. Für das gesamte Jahr erwartet Alzchem ähnliche Werte.
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Vollständiger Quartalsbericht von Henkel wird veröffentlicht.
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- Wie entwickeln sich die Ölpreise nach den anhaltenden Spannungen im Nahen Osten?
- Welche konkreten Gegenmaßnahmen plant Volkswagen nach dem Milliardenverlust?







