
Vom futuristischen Versprechen zum Absatzdesaster: Warum der Cybertruck für Tesla und Elon Musk eine historische Fehlleistung darstellt.
Elon Musks Tesla Cybertruck kämpft mit massiven Verzögerungen, drastischen Preiserhöhungen, technischen Rückschlägen und schwachen Verkaufszahlen, was das Fahrzeug als gigantisches PR- und Wirtschaftsprojekt entlarvt.
AI-generated summary
Der Cybertruck wurde im November 2019 vorgestellt und ab November 2023 ausgeliefert, verbunden mit zahlreichen Verzögerungen und veränderten technischen Daten.
Noch im April sagte Musk: Der Cybertruck sei „das beste Produkt, das Tesla je hergestellt hat“.
Ähnlich hatte Musk bei der Konzeptpräsentation im November 2019 in Kalifornien geklungen: Er stellte ein futuristisches Fahrzeug mit „Armor Glass“ vor, jedoch brachen beide Fensterscheiben bei den Baseballwürfen von Chefdesigner Franz von Holzhausen. Man kann so was unter Kann passieren verbuchen – oder als rote Flagge sehen, dass bei Musks Präsentationen häufiger was passiert.
Der Cybertruck wurde im Januar 2020 vom Magazin Automobile zum „Konzeptauto des Jahres“ erklärt und im Juni 2020 im Petersen Automotive Museum in Los Angeles ausgestellt. Laut Musk hätte in diesem Monat die Produktion beginnen sollen. Es wurde November 2023, als der erste Truck aus der Fabrik in Texas ausgeliefert wurde. Man kann es unter Kann passieren verbuchen oder als rote Flagge sehen, dass sich bei Musk häufiger was verzögert.
Preis des ersten Modells: etwa 60 000 Dollar, 50 Prozent mehr als 2019 angekündigt. Kann man unter Kann passieren verbuchen – oder als rote Flagge sehen, dass sich bei Musk häufiger Preise stark ändern. Weitere dieser roten Flaggen: Nutzlast (1150 statt 1600 Kilo), Zugstärke (5000 statt 6350 Kilo), Reichweite (350 statt 500 Meilen).
Und dann, natürlich: das Urteil des Volkes. 200 000 Cybertrucks pro Jahr wollte Musk verkaufen, im letzten Quartal lieferte Tesla 8300 „andere Modelle“ aus, darunter Cybertrucks. Läuft einfach nicht, insgesamt sind seit November 2023 weniger als 80 000 Cybertrucks ausgeliefert worden.
Jeder Firmenchef kann scheitern, im Silicon Valley gilt es als „Badge of Honor“: als Zeichen der Einsicht, Reue, Neuausrichtung. Apple-Gründer Steve Jobs hatte Lisa, Microsoft-Chef Bill Gates Zune, Mark Zuckerberg quasi alles seit dem Whatsapp-Zukauf. Musk Antwort auf den X-Eintrag eines Cybertruck-Besitzers, dass der Cybertruck das beste Tesla-Fahrzeug sei: „Wahr.“
Investoren und Politiker geben Musk oft, was er will
Die Firmenchef gewordene ADHS-Symbolfigur hat ohnehin bereits den nächsten galaktischen, gigantischen Auto-PR-Stunt präsentiert: ein fliegendes Auto, damit niemand mehr das ihn quälende Peter-Thiel-Zitat erwähnt, das 2026 auf die Musk-Unternehmen Tesla und X abzielt: „Wir wollten fliegende Autos und kriegten 140 Zeichen.“ Auslieferung des Flug-Roadsters für den Straßenverkehr laut Tesla: 2028.
Jede Person möge selbst entscheiden, wie ernst sie diese Präsentation nehmen will. Ist aber ja auch egal, Musk hat ganz andere Pläne für Tesla: Selbstfahrtechnik, Roboter Optimus, AI.
Als Unternehmer kommt Musk einem daher derzeit vor wie ein Sechsjähriger, der seinen Eltern jeden Abend berichtet, was er Tolles gelernt habe über die Welt und was er deshalb für phänomenale Ideen habe: Elektroauto, Cybertruck, Recycle-Rakete zum Mars, Tunnel gegen blöden Verkehr, Robotaxi, Haushaltsroboter. Schlaraffenland! Jetzt brauche er nur noch, sagt der Sechsjährige zu den Eltern, sagenhaft viel Geld und Einfluss, um diese grandiosen Visionen zum Wohle aller umzusetzen.
Eltern antworten: Sorry, niemand hat so viel Geld. Investoren sagen bislang: Hier ist so viel Geld, dass du tun kannst, was immer du willst. Die gleiche Antwort ist Musk von Politikern gewöhnt: Er kriegt Steuererleichterungen, Lockerung von Regularien, Hilfe beim Bau von Fabriken, in denen er immer wieder übernachtet, sagt er, so sehr sei er in die Produktion seiner Produkte involviert.
Wenn jemand als Chef über derart viel Reichtum und Einfluss verfügt wie Musk. Wenn er zudem in der Lage ist, den Firmensitz von Tesla sowie die Produktion des Cybertrucks von Kalifornien ins laut eigener Aussage deutlich bessere Texas überzusiedeln. Wenn er seine Plattform X nutzt für Direkt-Marketing an 242 Millionen Fans.
Musk hat beim Feilschen um Firmenanteile und Kompensation bewiesen, es ist quasi gerichtlich beglaubigt: Er ist Tesla. Er ist verantwortlich für gigantische Visionen, galaktische Investments, größtmöglichen Firmenwert. Dafür wird er zu Recht gefeiert. Das Ende des Cybertrucks ist, und es darf auch daran keinen Zweifel geben: gigantisches, galaktisches, größtmögliches Scheitern.
AI outlook — possibilities, not facts
Auslieferung des Flug-Roadsters für den Straßenverkehr laut Tesla im Jahr 2028.
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