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Gewaltsame Schülerproteste in Frankreich: Über 1200 Oberschulen betroffen
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FAZ1 hour agoPolitics4 min readGermanyView translation

Gewaltsame Schülerproteste in Frankreich: Über 1200 Oberschulen betroffen

Bildungsminister Geffray warnt vor Gefahr für Jugendliche; Vorwürfe gegen LFI wegen Anstachelung der Unruhen

Quick Look

  • Frankreich erlebt landesweite gewaltsame Proteste an über 1200 Oberschulen.
  • Bildungsminister Geffray warnt vor Sicherheitsrisiken für Schüler, während Berichte eine gezielte Anstachelung durch die Linkspartei LFI nahelegen.
  • Es kommt zu Brandstiftungen und Angriffen.

AI-generated summary

Why It Matters

Die Proteste begannen als friedliche Sitzstreiks in den Banlieues von Paris und weiteten sich landesweit aus. Sie richten sich gegen die Bildungsbedingungen und die Regierungspolitik.

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„Die Kinder sind in Gefahr“, warnte der französische Bildungsminister Édouard Geffray am Freitag in Paris. Der französischen Minderheitsregierung entgleitet angesichts der gewaltsamen Proteste an inzwischen mehr als 1200 Oberschulen im ganzen Land die Kontrolle. An jeder dritten öffentlichen Oberschule, Gymnasien wie Berufsschulen, kommt es nach Aussagen Geffrays zu Blockaden und anderen Protestaktionen.

Der sichtlich verzweifelt wirkende Bildungsminister wandte sich im Fernsehsender BFM an die Eltern. Er bat sie, die Jugendlichen nicht zu den Blockaden zu lassen, da sie dort nicht sicher seien. „Ich habe die Verantwortung für zwölf Millionen Minderjährige. Bei den Schulblockaden sind sie in Gefahr“, mahnte er. An vielen Oberschulen soll der Unterricht deshalb vorübergehend nicht mehr in den Schulgebäuden, sondern digital erfolgen.

Ein Ende der Proteste ist nicht in Sicht. Am kommenden Dienstag haben die wichtigsten Gewerkschaften und die Linkspartei LFI zu einem großen Protesttag aufgerufen.

Die Schülerbewegung, die vergangene Woche mit friedlichen Sitzstreiks in der Banlieue von Paris ihren Ausgang nahm, hat sich wie ein Flächenbrand im ganzen Land ausgebreitet. Vielerorts herrscht eine Zerstörungswut, es kommt zu Brandstiftung und schwerer Sachbeschädigung. Lehrer und Schulleiter, die zur Ruhe mahnten und sich den Schülern entgegenstellten, wurden tätlich angegriffen oder mit Feuerwerkskörpern beschossen.

Bildungsminister Geffray sagte, 65 Lehrer seien verletzt worden, davon 40 Schulleiter. Etwa hundert Oberschulen seien schwer beschädigt worden. „Anfangs gab es keine gewalttätigen Schüler oder nur sehr wenige“, sagte der Minister. Inzwischen hätten sich aber Außenstehende, oftmals vermummte Randalierer, unter die Schüler gemischt, um die Unruhen anzuheizen.

In Nantes ging ein Teil des erst 2014 eingeweihten Nelson-Mandela-Gymnasiums in Flammen auf. Ein großes Bild des Namensgebers im Eingangsbereich brannte gänzlich ab, Schüler filmten das. Das Feuer wurde nach Angaben der Schulleitung mutwillig gelegt und beschädigte den gesamten Eingangsbereich sowie das angrenzende Schulinternat. In der Lokalpresse hieß es, Jugendliche aus anderen Gymnasien im Großraum Nantes hätten das Feuer gelegt.

Auch in einem Außenbezirk von Toulouse wurde der gerade erst für eine Million Euro renovierte Eingangsbereich der Roland-Garros-Berufsschule durch einen Brandanschlag zerstört. Die Polizei nahm zwei verdächtige Schüler fest. Auch in Paris musste die Feuerwehr ausrücken, da Brände im Eingangsbereich von zwei Gymnasien außer Kontrolle gerieten. In Marseille wurden ein Schulleiter und sein Stellvertreter mit Benzin bespritzt.

Auch Feuerwehrleute wurden bei einem Einsatz angegriffen; ein Feuerwehrmann erlitt einen Nasenbeinbruch. Ein Journalist des Fernsehsenders M6 wurde ebenfalls verletzt, seine Kamera zerstört. In Paris wurde eine Polizeianwärterin von einem Dutzend Jugendlicher verfolgt, zu Boden gerissen und geschlagen. Mehrere Angreifer sollen sie festgehalten und „Tötet sie“ gerufen haben, wie die Polizeipräfektur in Paris angab.

Innenminister Laurent Nuñez beklagte eine „ungezügelte Gewalt“. Bei einer Krisensitzung am Donnerstagnachmittag, die Premierminister Sébastien Lecornu einberufen hatte, wurden Geheimdiensterkenntnisse erörtert. Demnach sind die Schülerproteste in „urbane Gewalt“ ausgeartet, die bewusst „von der Linkspartei La France insoumise und ihren Proxys“ angestachelt wurde, zitierte die Zeitung „Le Figaro“ aus dem vertraulichen Bericht.

Etwa zwanzig nationale Mandatsträger der Linkspartei LFI seien direkt an der Bewegung beteiligt, unter anderem in Lille, Rennes, Toulouse, Albi, Rouen, Clermont-Ferrand, Bègles und Avignon. LFI-Koordinator Manuel Bompard wies diese Darstellung zurück. Es handle sich um eine „spontane Protestbewegung angesichts unwürdiger Bedingungen im Schulwesen“. Er forderte die Regierung auf, „nicht in Verschwörungstheorien zu verfallen“.

Eines der bekanntesten Gesichter der Linkspartei, Bürgermeister Bally Bagayoko aus Saint-Denis, hatte sich mit den protestierenden Schülern solidarisiert und mit ihnen getanzt und gesungen. Einen brennenden Müllhaufen vor dem Schulportal versuchte Bagayoko zwar auszutreten, doch sagte er Journalisten: „Gewalt kann legitim sein.“

Die Regionalratspräsidentin Valérie Pécresse von den Republikanern hielt ihm daraufhin vor, „ein Brandstifter im Feuerwehrkostüm“ zu sein. LFI-Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon sagte: „Wir dirigieren nicht populäre Bewegungen. (…) Wir wollen, dass unsere Jugend erhobenen Hauptes aus dieser Episode herauskommt.“ Er hielt der Regierung „Repression“ vor.

Auch in den Reihen der Polizeiführung gibt es eine Debatte darüber, ob die gleichen Methoden zur Niederschlagung der Gelbwesten-Proteste auch bei 15 bis 19 Jahre alten Oberschülern angebracht seien.

Die Oberschülervertreter, die gewerkschaftsähnlichen Organisationen angehören, wurden am Freitag vom Bildungsminister empfangen. „Wir protestieren gegen überfüllte Klassen und gegen die Regierung, die Millionen für das Wegsperren von Mobiltelefonen ausgibt, aber nicht für Heizungen, Klimaanlagen und Lehrergehälter“, sagte einer ihrer Sprecher.

Die Proteste haben an Oberschulen an sozialen Brennpunkten mit hohem Einwanderungsanteil begonnen. Dort seien Lehrermangel, baufällige Gebäude und fehlendes Mobiliar besonders akut, sagt der Bildungsforscher Fabien Truong. Es sei eine Fiktion zu glauben, dass alle Oberschulen gleich gut ausgestattet seien. Die gesellschaftlich am wenigsten begehrtesten Gymnasien in der Banlieue würden als letzte mit Lehrern ausgestattet.

Der Gründer des Schülerhilfe-Vereins Quidam, Ulysse Rabaté, sagte, in vielen sozial benachteiligten Vierteln mit hohem Einwanderungsanteil sei das Bildungsangebot zusammengebrochen.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Großer Protesttag am kommenden Dienstag

    Very likely · Within days

Open Questions

  • Wie wird die Regierung auf die Vorwürfe gegen LFI reagieren?
  • Werden die Proteste am Dienstag zu einer weiteren Eskalation führen?

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This article was originally published by FAZ.

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