
AI-generated summary
In Deutschland sind laut KiGGS-Studie etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig und 6 Prozent adipös, was etwa 800.000 Fällen entspricht. Bei extremem Übergewicht versagen oft herkömmliche Therapieansätze.
Bei einigen Kindern mit extremem Übergewicht haben die üblichen Therapieansätze keinen Erfolg. GLP-1-Medikamente können ihnen helfen, den Hunger zu bremsen, allerdings sind die Langzeitfolgen unklar.
Die Abnehmspritze mit dem Wirkstoff Semaglutid ist auch für Minderjährige zugelassen. (Archivbild) Foto: Roberto Pfeil/dpa
Berlin. Etwa zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland sind übergewichtig, von ihnen haben rund 800.000 die chronische Krankheit Adipositas. Könnten auch Minderjährigen die populären Abnehmspritzen helfen?
Für welche Kinder kommen Abnehmspritzen infrage?
Für Kinder und Jugendliche mit Adipositas sind zwei GLP-1-Medikamente zugelassen. Semaglutid wird einmal wöchentlich injiziert und kann ab zwölf Jahren eingesetzt werden. Liraglutid wird täglich verabreicht und ist unter bestimmten Voraussetzungen ab sechs Jahren zugelassen. Die neue Abnehmtablette ist bisher nicht für Kinder zugelassen.
„Eine medikamentöse Therapie kann ab dem zugelassenen Mindestalter in Betracht gezogen werden, jedoch nur als Ergänzung zu einer leitliniengerechten Lebensstilintervention“, betont Kinder- und Jugendmedizinerin Susann Weihrauch-Blüher. Die medikamentöse Therapie sollte bei Minderjährigen mit extremer Adipositas erwogen werden, und zwar in spezialisierten Zentren unter klar definierten Kriterien. Dazu wurde die entsprechende ärztliche Leitlinie neu aufgelegt.
Wie viele Kinder betrifft das Problem?
Laut Daten der KiGGS-Studie haben in Deutschland etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen Übergewicht und 6 Prozent Adipositas. Hochgerechnet entspricht das knapp zwei Millionen Kindern mit Übergewicht, davon etwa 800.000 mit Adipositas und rund 200.000 mit extremer Adipositas. Allerdings wurden diese Daten zwischen 2015 und 2017 erhoben. Untersuchungen während der Corona-Pandemie deuteten auf eine Zunahme hin. Aktuell sei eine Stabilisierung auf hohem Niveau zu beobachten, so Weihrauch-Blüher.
Welchen Effekt haben die Abnehmspritzen?
Die Abnehmspritzen enthalten Wirkstoffe aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA). Diese signalisieren dem Gehirn, dass gegessen wurde, wodurch ein Sättigungsgefühl entsteht. Außerdem bleibt Nahrung länger im Magen, was das Sättigungsgefühl verlängert. Die Patienten essen insgesamt weniger und nehmen dadurch ab.
Welche Nebenwirkungen gibt es?
Nach bisherigem Kenntnisstand ähneln die Nebenwirkungen bei Minderjährigen denen bei Erwachsenen. Möglich sind unter anderem Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Völlegefühl, Appetitlosigkeit und Durchfall. Für abschließende Aussagen über langfristige Risiken sei es aber noch zu früh, sagt die Adipositas-Expertin Weihrauch-Blüher. Die Wirkstoffklasse gibt es erst seit rund zwei Jahrzehnten, zunächst wurden solche Mittel zudem nur zur Behandlung von Diabetes Typ 2 eingesetzt. Langfristige Nebenwirkungen konnten daher bisher nicht erforscht werden. Bei Kindern und Jugendlichen sei dies besonders relevant, weil sich ihr Körper noch entwickle, das Längenwachstum oft nicht abgeschlossen sei und die Pubertät andauern könne, erläutert Weihrauch-Blüher.
Werden die Kosten übernommen?
Die Kosten müssen in der Regel die Familien tragen. Denn: Abnehmmittel gelten in Deutschland als Lifestyle-Arzneimittel und sind daher keine Leistung der Krankenkasse. Derzeit müssten Familien mit Kosten von rund 200 Euro pro Monat rechnen, sagt Weihrauch-Blüher, Professorin bei der Universitätsmedizin Halle.
Anders ist es bei Menschen mit Typ-2-Diabetes: Für sie wird die Behandlung mit Semaglutid unter dem Produktnamen Ozempic von den Krankenkassen übernommen. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft empfiehlt eine Kostenübernahme für Jugendliche mit extremer Adipositas, wenn bisherige Therapien nicht geholfen haben und eine weitere Gewichtszunahme zu erwarten ist.
Wie lange müssen Jugendliche die Abnehmspritze nehmen?
Das ist bisher offen. Von Erwachsenen ist bekannt, dass es nach dem Absetzen des Medikaments oft zu einer erneuten Gewichtszunahme kommt. „Idealerweise sollten diese Kinder in Studien eingeschlossen und auch langzeitbetreut werden, um mögliche Risiken, die wir heute vielleicht noch gar nicht so genau kennen, identifizieren zu können“, sagt Frank Jochum, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Evangelischen Waldkrankenhauses Spandau.
Verwandte Themen
DeutschlandSteuern
Was sind Ursachen für extremes Übergewicht?
Adipositas ist als chronische Erkrankung anerkannt, wird jedoch von Laien oft als Willensschwäche verharmlost. Sie entsteht multifaktoriell aus genetischen, psychosozialen, familiären und Umweltfaktoren. Die genauen Zusammenhänge bei einer Erkrankung im Kindesalter sind nicht geklärt. Eine Rolle spielt laut Weihrauch-Blüher zum Beispiel, welche Geschmacksvorlieben im ersten Lebensjahr geprägt werden, also etwa, ob ein Baby süße Getränke und Breis erhält. Auch hormonelle Regelkreise, die Hunger und Sättigung steuern, können bei Menschen mit Übergewicht und Adipositas anders funktionieren. So habe eine Familie laut Rückmeldung an die Ärztin erst durch die Abnehmspritze festgestellt, „dass man auch ein Leben ohne permanenten Hunger haben kann“.
Wie ist das Problem langfristig in den Griff zu bekommen?
In den regelmäßigen U-Untersuchungen beim Kinderarzt werden Übergewicht und Adipositas erkannt und mögliche Therapiemaßnahmen besprochen. Mediziner sehen auch die Politik am Zug. Die geplante Zuckersteuer sei an der Lobby der Lebensmittelindustrie gescheitert, kritisiert Jakob Maske vom Vorstand des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte (BVKJ). Auch wenn die Eltern sich bemühen, macht das Umfeld Kindern oft schwer, sich gesund zu ernähren. Kalorienreiche Snacks und zuckerhaltige Getränke sind an vielen Orten rund um die Uhr verfügbar, etwa auch in oder im direkten Umfeld von Schulen.
„Es gibt kein flächendeckendes Programm, um Kinder, bei denen Übergewicht oder Adipositas diagnostiziert wurde, in eine vernünftige Behandlungsstruktur zu bringen“, kritisiert Jochum. Mit mehr Geld zur Prävention und Therapie von Adipositas im Kindesalter könnten enorme Folgekosten verhindert werden.
Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien.
AI outlook — possibilities, not facts
Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft wird weiterhin für eine Kostenübernahme von GLP-1-Medikamenten bei Jugendlicher extremer Adipositas eintreten, wenn andere Therapien gescheitert sind.
Likely · Within months
Es werden vermehrt Langzeitstudien zu GLP-1-Medikamenten bei Kindern und Jugendlichen initiiert werden, um mögliche Risiken zu untersuchen.
Possible · Within years

In Florida, the CDC has recorded the largest dengue outbreak on the US mainland in decades. With nearly 250 locally transmitted cases and one death, Hillsborough County has declared a state of emergency. Experts see climate change as a driver.
An international study of over 3,500 toddlers in 44 countries shows that three and four year olds take an average of around 18,000 steps daily. There were clear differences depending on income in the home country, place of residence and gender.
According to a long-term study of 2,603 women published in the journal JAMA Network Open, earlier menopause is associated with faster mental decline, damage to the white matter in the brain and an earlier onset of Alzheimer's disease.
A 28-year-old laboratory technician died of plague in the Siberian region of Irkutsk. She may have become infected through a broken test tube. Dozens of up to 200 contact persons were quarantined.
Over 4,000 people have died from Ebola in the Democratic Republic of Congo. Authorities report 8,300 confirmed cases since May. The Bundibugyo-type outbreak is occurring more rapidly than previous epidemics; The mortality rate for children is particularly high at 61 percent.
An Ebola outbreak of the Bundibugyo virus has claimed over 4,000 lives in the Democratic Republic of Congo. Despite the number of cases falling since July, the situation remains critical due to a lack of treatment options and local safety conditions.