Hamburgs Abiturienten: Höchste Erfolgsquote seit zehn Jahren
Quick Look
- Hamburg verzeichnet 9576 erfolgreiche Abiturienten, die höchste Zahl seit einem Jahrzehnt.
- Die Bestehensquote stieg auf 95,8%, der Notendurchschnitt verbesserte sich auf 2,34.
- Kritiker bemängeln jedoch die schwachen Ergebnisse in Deutsch und Mathematik.
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Why It Matters
Hamburg verzeichnet die höchste Abitur-Erfolgsquote seit zehn Jahren, doch die Ergebnisse in Kernfächern wie Deutsch und Mathematik geben Anlass zur Sorge. Auch die Abschlüsse ESA und MSA zeigen weiterhin Defizite, insbesondere im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie.
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Hamburg verzeichnet in diesem Jahr so viele erfolgreiche Abiturienten wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Nach Angaben der Schulbehörde bestanden 9576 Schüler die Abiturprüfungen – 302 mehr als im Vorjahr. Die Bestehensquote stieg von 94,5 auf 95,8 Prozent, der Notendurchschnitt verbesserte sich im dritten Jahr in Folge leicht auf 2,34.
Bildungssenatorin Ksenija Bekeris (SPD) sprach von „guten Nachrichten für alle Absolventen“ und gratulierte den Schülern zu ihren Abschlüssen. Die Entwicklung sei auch vor dem Hintergrund einer stärkeren bundesweiten Vergleichbarkeit der Prüfungen erfreulich. „Eine höhere Vergleichbarkeit der Abiturleistungen in ganz Deutschland ist der richtige Weg“, erklärte Bekeris.
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252 Mal wurde in diesem Jahr die Bestnote 1,0 vergeben, nach 231 Mal im Vorjahr. Knapp 30 Prozent aller Abiturienten erreichten einen Einser-Schnitt. An den Gymnasien lag die durchschnittliche Abiturnote bei 2,22, an den Stadtteilschulen bei 2,53. Die besten Durchschnittsnoten unter den staatlichen Gymnasien erzielten das Christianeum (1,90), die Gelehrtenschule des Johanneums (1,95) und das Helene-Lange-Gymnasium (1,96). Unter den Stadtteilschulen lagen die Stadtteilschule Winterhude (2,06), die Stadtteilschule Bergedorf (2,14) und die Max-Brauer-Schule (2,28) vorn.
Weniger gut fallen die Ergebnisse einzelner schriftlicher Prüfungen aus. In Deutsch erreichten die Abiturienten im Schnitt die Note 3,08, in Mathematik 2,83. Während sich Deutsch gegenüber dem Vorjahr leicht verbesserte, fiel Mathematik deutlich hinter den außergewöhnlich guten Vorjahreswert zurück. Die Schulbehörde spricht von einer „Rückkehr auf das Niveau früherer Jahre“.
Die Opposition sieht das gänzlich anders. Zur Einordnung: Hamburg gehörte noch vor Jahren zu den Bundesländern, deren Schüler in vergleichenden Studien, unterdurchschnittlich gut abschnitten – vor allem in Hauptfächern. Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Birgit Stöver, bezeichnete die Ergebnisse in Deutsch und Mathematik als „deutliches Warnsignal“. Durchschnittsnoten von 3,08 und 2,83 seien „besorgniserregend“. Rot-Grün schaffe es seit Jahren nicht, „die Vermittlung der Kernkompetenzen sicherzustellen“, sagte Stöver. Lesen, Schreiben und Rechnen müssten bereits nach der Grundschule sicher beherrscht werden.
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Noch schärfer äußerte sich der schulpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Benjamin Mennerich. „Diese Zeugnisse offenbaren das Versagen des rot-grünen Senats“, erklärte er. Hohe Abschlussquoten bei gleichzeitig schwachen Leistungen in Mathematik und Deutsch verschärften gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme. „Leistung muss zählen.“
Auch die Ergebnisse der Schulabschlüsse ESA (Erster Schulabschluss) und MSA (Mittlerer Schulabschluss) geben Anlass zur Diskussion. Beim ESA erreichten die Prüflinge in Mathematik im Schnitt die Note 4,45, in Deutsch 4,18. Beim MSA lag die Durchschnittsnote in Mathematik bei 4,06, in Deutsch bei 3,62. Die Behörde bezeichnet die Ergebnisse insgesamt als vergleichbar mit den Vorjahren. Zugleich verweist sie darauf, dass die Leistungen bei ESA und MSA weiterhin deutlich schwächer ausfallen als vor der Corona-Pandemie. „Sie sind vergleichbar auch in dem Sinne, dass wir uns Sorgen machen“, sagte Bekeris.
In ihrer Mitteilung verweist die Schulbehörde auf nationale und internationale Bildungsstudien, die insbesondere an nicht-gymnasialen Schulformen Kompetenzrückgänge festgestellt hätten. Ziel bleibe es, Schüler auch aus benachteiligten Stadtteilen zu erfolgreichen Abschlüssen zu führen. Bekeris verweist dabei auf das Startchancen-Programm des Bundes und der Länder. Zum Schuljahr 2025/26 wurden zudem die ESA- und MSA-Prüfungen überarbeitet. Nach Angaben der Behörde sollen sie stärker an den Kompetenzen und Bildungswegen der Schüler ausgerichtet sein. Die endgültigen Abschlusszahlen für ESA, MSA und die beruflichen Schulen werden mit der Schuljahresstatistik veröffentlicht.
Open Questions
- Wie wird sich die Kritik auf die Bildungspolitik auswirken?
- Welche konkreten Maßnahmen werden zur Verbesserung der Kernkompetenzen ergriffen?