HDE-Konsumbarometer: Verbraucherstimmung in Deutschland trübt sich ein
Trotz positiver Konjunkturdaten sinkt die Konsumneigung der Bürger aufgrund von Reallohnverlusten und hoher Staatsquote.
Quick Look
- Das HDE-Konsumbarometer fiel im Oktober auf 93,51 Punkte.
- Trotz wachsender Wirtschaft belasten Arbeitsplatzsorgen, Reallohnverluste und eine steigende Staatsquote die Stimmung der Verbraucher und das Geschäftsklima im Einzelhandel.
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Why It Matters
Das HDE-Konsumbarometer misst monatlich die Stimmung der Verbraucher. Trotz makroökonomischem Wachstum spüren viele Haushalte aufgrund von Inflation und Sozialabgaben keine reale Einkommenssteigerung.
Düsseldorf. Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland blicken mit gedämpfter Stimmung auf das Schlussquartal des Jahres. Das zeigt das HDE-Konsumbarometer, das für Oktober um 1,19 Punkte auf 93,51 Zähler abrutschte. Der Index notiert damit rund drei Punkte niedriger als im Vorjahresmonat.
Das Konsumbarometer wird monatlich vom Handelsblatt Research Institute für den Handelsverband HDE berechnet. Es setzt sich aus mehreren Teilindikatoren zusammen und basiert auf einer repräsentativen Befragung von etwa 1600 Haushalten.
Verglichen mit dem Vormonat sanken die Erwartungen an die Konjunktur- und die eigene Einkommensentwicklung. Gleichzeitig gingen die Sorgen vor Inflation und Zinserhöhungen zurück sowie die Neigung zum Sparen – offenbar gleichen Verbraucher den Verlust an realer Kaufkraft dadurch aus, dass sie weniger sparen und Rücklagen auflösen.
Die schlechte Stimmung der Verbraucher steht im Kontrast zu den besseren Konjunkturdaten der vergangenen Wochen. Im ersten Halbjahr war die deutsche Wirtschaft überraschend kräftig gewachsen. Frühindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex signalisieren weiteres Wachstum. Und Wirtschaftsforscher revidierten ihre Erwartungen reihenweise für 2026 und 2027 auf nunmehr gut ein Prozent reales Wachstum nach oben.
All dies scheint die Öffentlichkeit kaum wahrzunehmen. Die Debatte ist geprägt vom massiven Arbeitsplatzabbau in der Autoindustrie, hohen Benzinpreisen und Sorgen vor Gasknappheit im Winter. Laut einer Umfrage des Allensbach-Instituts sieht mehr als die Hälfte der Bürger „Deutschland in einer Abwärtsspirale“. Die politischen Ränder erstarken, während die amtierende Bundesregierung keine Antworten auf diese Verunsicherung findet.
Tatsächlich sind heute fast 800.000 Personen mehr arbeitslos als vor der Coronapandemie. Allein im September stieg die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl um 12.000 Personen an. Und all jene, die ihren Arbeitsplatz behalten haben, haben heute real nicht mehr Geld zur Verfügung als 2019. Werden die gestiegenen Sozialabgaben berücksichtigt, ist das verfügbare Realeinkommen derzeit oft geringer als vor der Pandemie.
Für das kommende Jahr zeichnen sich weitere Beitragssteigerungen ab. Das Nettoeinkommen vieler Beschäftigter dürfte also weiter sinken. Der Aufschwung, den die amtliche Statistik misst, spiegelt sich kaum im Alltag vieler Menschen.
Die schlechte Stimmung der Verbraucher schlägt sich auch im Einzelhandel nieder. Zwar setzten die Einzelhändler im August real und kalenderbereinigt 1,3 Prozent mehr um als im Juli. Doch im Vergleich zum August 2025 war der Umsatz real um 0,4 Prozent geringer.
Dementsprechend schlecht ist die Stimmung im Einzelhandel. Das Geschäftsklima für den Wirtschaftszweig notiert bei -26,8 Punkten, die Zahl der Pessimisten ist also deutlich größer als die der Optimisten. Dabei werden die Geschäftserwartungen noch deutlich trüber eingeschätzt als die aktuelle Lage – die Aussichten gerade auch für das wichtige Weihnachtsgeschäft sind also mau.
Vergleichsweise günstig ist das Geschäftsklima im Internet- und Versandhandel mit -17,7 Punkten und beim Kfz-Handel (ohne Reparaturen) mit -19,1 Punkten. Besonders schlecht sind Lage und Ausblick im Segment „Nahrungs- und Genussmittel, Getränke und Tabakwaren“ mit -37,2 Zählern sowie im Handel mit „sonstigen Haushaltsgeräten, Textilien, Heimwerker- und Einrichtungsbedarf“ mit -29,9 Punkten.
Das Handelsblatt Research Institute erwartet deshalb, dass der private Konsum in diesem Jahr lediglich um 0,5 und kommendes Jahr um 0,9 Prozent wachsen dürfte. Gemessen am Vorkrisenniveau des Jahres 2019 dürfte der private Konsum dann rund sechs Prozent höher liegen – verteilt auf eine inzwischen gewachsene Bevölkerung. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum wuchs der Staatskonsum um fast 20 Prozent.
Nach einer Meldung des „Spiegel“ korrigierte nun auch das Bundesfinanzministerium intern die Staatsquote nach oben – für dieses Jahr auf 52 und für 2027 sogar auf 52,4 Prozent. Bislang hatte das Ministerium noch mit einer Staatsquote von 51,4 für dieses und mit 51,5 Prozent für das kommende Jahr kalkuliert. Deutschland hätte gemäß den neuen Berechnungen die höchste Staatsquote seit 1960 – und würde den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2021 (51,1 Prozent) brechen. Damals verursachte die Pandemie ungewöhnlich hohe Staatsausgaben.
Solch rege Staatstätigkeit muss in Form von Steuern und Abgaben oder Zinsen für neue Schulden finanziert werden. Letztlich bleibt damit immer weniger Geld für die privaten Verbraucher und die Privatwirtschaft übrig. Die Konjunktur scheint sich zu erholen. Doch solange die Menschen davon nichts in der Geldbörse merken, wird auch der Optimismus ausbleiben.
Open Questions
- Wie reagiert die Bundesregierung auf die steigende Staatsquote?
- Wird das Weihnachtsgeschäft die Erwartungen des Einzelhandels unterbieten?





