
Nach einer Sonderprüfung wegen China-Verbindungen und Sicherheitsdefiziten verlassen Gründungsdirektor Backes und Aufsichtsratschef Huthmacher das Zentrum.
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Das Cispa ist ein führendes Zentrum für Cybersicherheitsforschung. Eine Sonderprüfung wurde nach Berichten über kritische China-Kooperationen eingeleitet.
Berlin. Das Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit Cispa und sein Gründungsdirektor Michael Backes trennen sich. Darauf hätten sich beide Seiten „einvernehmlich“ verständigt, teilten die Gesellschafter Bund und Saarland am Donnerstag mit. Sie verwiesen ausdrücklich auf die Ergebnisse einer Sonderprüfung.
Die Sonderprüfung war nach Berichten des Handelsblatts über brisante China-Verbindungen des Forschungszentrums eingeleitet worden. Das Cispa hatte mit chinesischen Wissenschaftlern von Hochschulen aus dem Umfeld des Militärs zusammengearbeitet, die auf US-Sanktionslisten stehen. Bund und Saarland setzten daraufhin die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG als Sonderprüfer ein. Sie sollte unter anderem klären, ob sicherheitsrelevante Forschungsergebnisse an ausländische Stellen gelangt sein könnten.
Erste Ergebnisse aus dem rund 400 Seiten starken Bericht wurden am Mittwoch bekannt. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sagte dazu im Forschungsausschuss des Bundestags, beim Cispa hätten bei der Forschungssicherheit bildlich gesprochen „Tür und Tor sperrangelweit offen“ gestanden.
Nach den Erkenntnissen der Prüfer war ein Abfluss sicherheitsrelevanter Forschungsergebnisse technisch möglich. Ob tatsächlich Daten abgeflossen sind, ließ sich wegen der vorhandenen Datenlage weder bestätigen noch ausschließen. Auch beim Schutz von Geschäftsgeheimnissen sowie bei der Auswahl von Mitarbeitern und Kooperationspartnern stellten die Prüfer erhebliche Defizite fest.
Die Kritik traf auch die Geschäftsführung und Backes persönlich. Nach Angaben Bärs kam die Geschäftsführung ihren Leitungsaufgaben bei Exportkontrolle und Forschungssicherheit nicht angemessen nach und trägt die organisatorische Verantwortung für die festgestellten Risiken. Backes habe sich außerdem entgegen einer Forderung der Gesellschafterversammlung von Beginn an einer uneingeschränkten Kooperation mit dem Sonderprüfer verweigert. Während der Untersuchung war er vom Dienst freigestellt.
In ihrer Erklärung zur Trennung von Backes gehen Bund und Saarland auf diese Vorwürfe nicht näher ein. Beide Seiten hätten „unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie die Zukunft des international aufgestellten Forschungszentrums gestaltet werden soll“, hieß es lediglich.
Die zur Helmholtz-Gemeinschaft gehörende Einrichtung mit Sitz in Saarbrücken ist eines der führenden europäischen Zentren für Cybersicherheitsforschung. Wissenschaftler forschen dort unter anderem an Künstlicher Intelligenz, der Sicherheit von Computersystemen und dem Schutz vor Cyberangriffen. Hunderte Millionen Euro fließen in den Ausbau des Forschungsstandorts.
Veränderungen gibt es auch im Aufsichtsrat. Der bisherige Vorsitzende des Kontrollgremiums, Karl-Eugen Huthmacher, muss ebenfalls gehen. Das Forschungsministerium will die Vertretung im Cispa-Aufsichtsrat künftig wieder selbst wahrnehmen.
Die Helmholtz-Gemeinschaft erklärte dem Handelsblatt auf Nachfrage, sich nicht zu den Ergebnissen des unter Verschluss gehaltenen Berichts äußern zu können. Die Gemeinschaft habe aber „lange vor Bekanntwerden der ersten Vorwürfe“ die Aktivitäten zur Forschungssicherheit hochgefahren.
„Diesen Weg werden wir mit den Zentren konsequent weitergehen“, erklärte ein Sprecher. Zugleich wolle die Gemeinschaft aber am Cispa und seinen Wissenschaftlern festhalten. „Ihre exzellente Forschung im Bereich der Cybersicherheit ist für unsere Gesellschaft und die Sicherheit Deutschlands von größerer Bedeutung als je zuvor.“

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