Hitlers „Ratte“ trug Schiffsgeschütze und wog 1000 Tonnen
Eine Studie aus China plant einen 60 Tonnen schweren Kernreaktorpanzer mit 450 Kilometern Reichweite – ein Konzept, das an die „Wunderwaffen“ des Dritten Reichs erinnert.
Quick Look
- Chinesische Wissenschaftler präsentieren eine Studie für einen 60 Tonnen schweren Atompanzer mit elektromagnetischer Panzerung und Überschallkanone mit bis zu 450 Kilometern Reichweite, der ab 2045 einsatzbereit sein soll.
- Der Artikel vergleicht das Konzept mit den gigantomanischen Panzerprojekten des Dritten Reichs, wie dem Landkreuzer P-1000 „Ratte“ und dem P-1500 „Monster“, die aus taktischen und logistischen Gründen nie realisiert wurden.
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Why It Matters
Der Artikel vergleicht eine aktuelle chinesische Studie für einen Atompanzer mit den gigantomanischen Panzerprojekten des Dritten Reichs, wie dem Landkreuzer P-1000 „Ratte“ und dem P-1500 „Monster“. Der Panzer kehrte durch den russischen Einmarsch in die Ukraine wieder ins Zentrum militärischer Planspiele zurück. Die Ausstellung „Wunderwaffen. Propaganda und Kriegstechnik im Nationalsozialismus“ im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden thematisiert diese Projekte bis zum 9. März 2027.
Er klingt wie eine Idee aus einer fernen Zukunft, und soll doch schon ab 2045 Realität sein: Der chinesische Superpanzer, der von einem Kernreaktor angetrieben wird, über eine elektromagnetische Panzerung verfügt und dessen Überschallkanone Ziele in bis zu 450 Kilometern Entfernung treffen kann. Diesen Leistungskatalog präsentiert zumindest die Studie, die Wissenschaftler des Beijing Institute of Technology und der Inner Mongolia First Machinery Group unlängst in der Fachzeitschrift „Acta Armamentarii“ vorgestellt haben.
Vor allem aber: Dieser Kampfwagen soll nur ganze 60 Tonnen wiegen, zehn Tonnen weniger als die modernste Version des deutschen „Leopard“-Panzers.
Das nach „Star Wars“ klingende Projekt soll demnach in drei Phasen entstehen. Bis 2035 sollen Fahrgestell und Schutzschirm entwickelt sein. Später wären der Antrieb mit 2000 PS sowie das Geschütz mit 300 Kilometer Reichweite einsatzbereit. In der dritten Phase würden die Systeme optimiert, um die Reichweite der Geschosse auf bis zu 450 Kilometer zu verlängern. Dann käme auch ein Kernreaktor mit der Größe von zwei Kubikmetern zum Einsatz, der die benötigte Energie über fünf Jahre hinweg bereitstellen würde.
Die chinesische Studie zeigt einmal mehr die wechselvolle Karriere des Panzers auf. Wurde er in den 1990er- und 2000er-Jahren unter dem Eindruck der asymmetrischen Kriege noch als verzichtbar erklärt, kehrte er spätestens mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine wieder ins Zentrum militärischer Planspiele zurück. Das erinnert an die monströsen Projekte, mit denen das Dritte Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht den Panzer der Zukunft entwickeln wollte. In seiner Sonderausstellung „Wunderwaffen. Propaganda und Kriegstechnik im Nationalsozialismus“ widmet das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden diesen hypertrophen Projekten ein eigenes Kapitel.
Zwar hatten die deutschen Panzertruppen 1941 beim Überfall auf die Sowjetunion ihre taktische Überlegenheit unter Beweis gestellt. Technisch aber zeigte sich der sowjetische T-34 den deutschen Typen deutlich überlegen. Daher wurde die Entwicklung schwererer Kampfwagen vorangetrieben, die mit stärkerer Panzerung und Kanone die zahlenmäßige Übermacht der Roten Armee ausgleichen sollten. Das bekannteste Ergebnis war der Panzer VI „Tiger“, von dem erste Exemplare um die Jahreswende 1942/43 an die Front kamen. Parallel dazu begann die Entwicklung des Panzers VIII „Maus“, von dem bis Kriegsende gerade zwei Prototypen in die Erprobung gingen.
Schon „Tiger“ (57 Tonnen) „Königstiger“ (69 Tonnen) und „Jagdtiger“ (74 Tonnen) zeichneten sich durch einen Hang zur Gigantomanie aus, der ihre Einsatzfähigkeit deutlich einschränkte. Viele Brücken konnten diese Monster überhaupt nicht passieren. Im Gelände waren sie langsam und verbrauchten darüber hinaus große Mengen an Benzin, dessen Produktion massiv unter dem alliierten Bombenkrieg litt. Mit seinen 188 Tonnen lief der „Maus“-Tank im Gelände nur zwölf Kilometer pro Stunde, für die er 4000 Liter Benzin auf 100 Kilometern verbrauchte.
Hitlers größenwahnsinniger Traum von einem Panzer, der „wie ein Schlachtschiff im Verband operiert“, brachte aber noch andere Blüten hervor. Er solle „begleitet von kleineren Panzern (sein), die vorausfahren oder als Begleitfahrzeuge mitfahren und ihn gegen Minen oder Angriffe aus der Luft sichern“, wischte der Diktator im Juni 1942 Einwände wegen mangelnder Manövrierfähigkeit beiseite: „Die vorhandene Feuerkraft wird ausreichen, um jeden Widerstand zu brechen.“
„Dann schweifte Hitlers Phantasie ins Gigantische“, erinnerte sich sein Generalinspekteur der Panzertruppen Heinz Guderian. In diesem Sinn erhielt der Ingenieur Eduard (auch Edward) Grote (1884–1975) nach einer Vorstellung bei Hitler 1942 den Auftrag für den „Landkreuzer P-1000“, dessen Codename „Ratte“ die riesigen Ausmaße verschleiern sollte.
Grote teilte Hitlers Hang zur Gigantomanie. 1929 hatte er zu einer Gruppe von Ingenieuren gehört, die im Rahmen der geheimen deutsch-sowjetischen Militärkooperation nach Leningrad eingeladen worden waren. Dort zeichnete er sich durch Entwürfe für mittelschwere Panzer aus. Von dem „Tank Grote“ wurde bis 1931 tatsächlich ein Prototyp hergestellt, der mit 25 Tonnen und zwei Geschützen vergleichbare Modelle wie den T-24 (18 Tonnen) deutlich überragte. Allerdings erwies sich der TG als unausgereift. Die Entwicklung wurde eingestellt; Grote musste die Heimreise antreten.
Über eine Station bei Krupp kam er während des Krieges in das Reichsrüstungsministerium, wo er in der Abteilung Marine tätig war. Daraus zog Grote wohl auch die Inspiration für seinen „Landkreuzer“. Denn dessen Hauptbewaffnung sollte aus zwei 28-Zentimeter-Schnellladegeschützen bestehen, wie sie in Großkampfschiffen Verwendung fanden. Hinzu kamen vier 12,8-Flugabwehrkanonen und acht 2-Zentimeter-Maschinengewehre. Dieses Waffenarsenal sollte von 40 Mann Gefechtsbesatzung gehandhabt werden, zu denen noch 20 Mann für die Fahrzeugbedienung gekommen wären.
Die Größe der „Ratte“ war entsprechend: 35 Meter Länge, 14 Meter Breite und elf Meter Höhe. Die Panzerung sollte bis zu 35 Zentimeter betragen, was dem Ungetüm ein Gewicht von 1000 Tonnen verliehen hätte. In der Ausstellung ist ein verkleinerter Nachbau zu sehen, neben dem sich das maßstabsgetreue Modell eines „Tigers“ geradezu verliert. Wie der „Landkreuzer“ die angestrebte Geschwindigkeit von 40 Kilometer pro Stunde hätte erreichen sollen, erscheint angesichts dieser Dimensionen schleierhaft.
„Der taktische Wert des P-1000 hätte gegen Null tendiert“, urteilen die Ausstellungsmacher. Das monströse Gefährt hätte nur in ebenem Gelände operieren können und auf seinem Weg buchstäblich eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Straßen, Bahnlinien oder Brücken wären zerstört worden. Auch hatte man wohl keinen Gedanken darauf verschwendet, wie dieses Ungetüm zur Front geschafft werden sollte. Schon für die „Maus“ mussten spezielle Transporter konstruiert werden.
Diese Probleme erkannte wohl auch Albert Speer als Reichsminister für Rüstung und Verkehr und stoppte 1943 die Entwicklung des „Landkreuzers“. Das traf auch die irrlichternde Vision des P-1500 „Monster“, die ebenfalls auf Grote zurückgeht. Dabei handelte es sich um eine Selbstfahrkanone mit einem Kaliber von 80 Zentimetern, die von 100 Mann hätte bedient werden sollen und deren Masse 1500 Tonnen betragen hätte.
Unabhängig von den technischen und logistischen Problemen, die durch Bombenkrieg und Mangel an Ressourcen noch verstärkt wurden, widersprach der Hang zur Gigantomanie im Panzerbau auch den taktischen Herausforderungen, mit denen sich die Wehrmacht ab 1943 zunehmend konfrontiert sah. Das betraf schon den „Tiger“, als er 1943 in größerer Zahl auf den Schlachtfeldern erschien. Denn seine Konzeption als „Durchbruchspanzer“ war angesichts der sowjetischen Großoffensiven, die mit großer materieller Überlegenheit vorgetragen wurden, nicht mehr gefragt. „Bewaffnung und Gliederung (der Panzertruppen) entsprachen diesen neuen Anforderungen nur noch bedingt“, urteilt der Historiker und Panzerspezialist Markus Pöhlmann.
Stattdessen erwiesen sich in großer Zahl zu montierende, kostengünstige Kampfwagen mit durchschlagskräftigen Geschützen – aber ohne aufwendigen Turm – als geeignete Waffen in der Defensive. Nicht umsonst wurde das Sturmgeschütz III mit rund 10.000 Exemplaren zum meistgebauten Vollkettenfahrzeug der Wehrmacht. In einem Bericht an das Oberkommando der Wehrmacht hieß es denn auch: „Wo Sturmgeschütze sind, wird gehalten.“
„Wunderwaffen. Propaganda und Kriegstechnik im Nationalsozialismus“, Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden; bis 9. März 2027
Schon in seiner Geschichts-Promotion beschäftigte sich Berthold Seewald mit Brückenschlägen zwischen antiker Welt und Neuzeit. Als WELT-Redakteur gehörten die Weltkriege zu seinem Arbeitsgebiet.
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AI outlook — possibilities, not facts
Der chinesische Atompanzer bleibt ein theoretisches Konzept ohne Serienreife.
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