Inflation im Euroraum steigt im September auf 3,8 Prozent
Eurostat meldet neuen Höchstwert – Diskussionen über mögliche Zinserhöhungen der EZB nehmen zu.
Quick Look
- Die Inflation im Euroraum stieg im September auf 3,8 Prozent, angetrieben vor allem durch Energiepreise.
- Die EZB steht vor anstehenden Zinsentscheidungen.
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Why It Matters
Das Ziel der Europäischen Zentralbank liegt mittelfristig bei einer Inflationsrate von zwei Prozent.
Die Inflation im Euroraum belief sich im September auf 3,8 Prozent. Das hat das europäische Statistikamt Eurostat in Luxemburg am Freitag nach einer ersten Schätzung mitgeteilt. Im August hatte die Rate 3,2 Prozent betragen, nach 2,9 Prozent im Juli. Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) sind mittelfristig zwei Prozent.
Haupttreiber der Teuerung sind nach wie vor die Energiepreise; insbesondere alles, was vom Rohstoff Öl abhängt. Heizöl, Benzin und Diesel weisen gegenüber dem Vorjahresmonat zweistellige Teuerungsraten auf. Die Lebensmittelpreise steigen im Durchschnitt nur wenig, auch wenn bestimmte Nahrungsmittel, wie Gemüse, durch schlechte Ernten aufgrund der Trockenheit deutlich teurer geworden sind.
Die Löhne haben bislang auf diese Inflationswelle noch nicht besonders stark reagiert. Die Notenbanker der EZB beobachten solche „Zweitrundeneffekte“ im Moment sehr genau, weil sie Anzeichen für ein weiteres Ausbreiten der Inflation sein könnten; unter anderem mit einem „ECB-Wage-Tracker“ genannten Indikator. Dieser weist als Erwartung für das erste Quartal 2027 eine Lohnsteigerung um 2,7 Prozent auf.
Soviel man bislang aus der EZB hört, wird die Entwicklung in dieser Hinsicht als noch nicht sehr bedrohlich eingeschätzt. Das kann aber auch eine Frage der Zeit sein. Viele Umfragen deuten darauf hin, dass Unternehmen die höheren Kosten durch die teure Energie über höhere Verkaufspreise an ihre Kunden weiterzugeben planen.
Je nach Euroland ist die Entwicklung noch mal unterschiedlich. In Deutschland lag die Inflation nach dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), der für Vergleiche mit anderen Euroländern verwendet wird, im September bei 3,3 Prozent.
Hierzulande gab es während der Monate des vorigen Tankrabatts im Mai und Juni etwas niedrigere Raten, das dürfte auch unter dem neuen Tankrabatt von Oktober an so sein. Der Ökonom Holger Schmieding vom Bankhaus Berenberg schätzt diesen Effekt auf 0,3 Prozentpunkte der Inflationsrate. Christoph Swonke von der DZ Bank hebt gleichwohl hervor, der Tankrabatt werde „die Inflationsprobleme nicht lösen“.
In Frankreich, das durch politische Eingriffe für einige Zeit niedrige Raten gehabt hatte, stieg die Inflationsrate im September von 2,6 auf 3,4 Prozent. Das ist der höchste Stand seit mehr als zwei Jahren. In Italien erhöhte sich die Rate von 3,2 auf 4,1 Prozent; dort ist mittlerweile also auch schon ein ungewöhnlich hoher Wert erreicht. In Spanien stieg sie unerwartet stark von 4,6 auf 5,0 Prozent.
Die nächste Zinsentscheidung der EZB steht am 29. Oktober an. An den Finanzmärkten wird es mehrheitlich für wahrscheinlich gehalten, dass die Notenbank dann noch abwartet, aber im Dezember die Zinsen anhebt und wohl auch noch mal im nächsten Jahr.
Völlig ausgeschlossen wird eine Zinserhöhung im Oktober aber nicht mehr. „Der Inflationsanstieg gewinnt an Breite“, hob Michael Heise, Chefvolkswirt von HQ Trust, hervor. Er meint, die EZB werde schon im Oktober tätig werden müssen: „Besser käme es für die Verbraucher nur mit einer deutlichen Entspannung an den Öl- und Gasmärkten; wünschenswert, aber derzeit leider nicht absehbar.“
EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte in Brüssel, die Notenbank wolle „mit Augenmaß“ reagieren. Die Inflation bewege sich auf einem „mittleren“ Pfad, der von der EZB lediglich maßvolle Zinserhöhungen erfordere: „Zum jetzigen Zeitpunkt sehen wir keine Belege dafür, dass sich die Energiepreise auf die Löhne übertragen.“
Das scheidende EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel verwies in einer Rede in Luxemburg auf die nicht ausgestandene Inflationsgefahr. Die Projektionen der EZB-Ökonomen vom September gingen davon aus, dass die Teuerung auch 2028 noch mit 2,1 Prozent leicht über dem Inflationsziel der Zentralbank von 2,0 Prozent liegen dürfte. Seit dem Stichtag der Prognosen hätten sich überdies die Öl- und Gaspreise dem ungünstigen Szenario angenähert, was auf eine stärkere und hartnäckigere Abweichung der Inflation vom EZB-Ziel hindeute.
Zunehmende Sorgen machten die ausgeweiteten Spreads, also die Abstände der Renditen einzelner Staatsanleihen von Euroländern gegenüber der Bundesanleihe, schreiben die Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Unter anderem die französischen Renditen waren zuletzt stark gestiegen. Die Helaba-Analysten meinen, dass an den Finanzmärkten mit fast drei Zinserhöhungen der EZB schon relativ viel „eingepreist“ sei.
What to Watch
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EZB-Zinsentscheidung im Oktober oder Dezember
Likely · Within months
Open Questions
- Wann genau wird die EZB die Zinsen anheben?
- Wie stark wirken sich Zweitrundeneffekte auf die Löhne aus?



