Ingolstädter Immobilienmarkt: Preise steigen trotz Audi-Krise
Quick Look
- Trotz der Abhängigkeit von Audi und der Automobilbranche steigen die Immobilienpreise in Ingolstadt.
- Neubauten sind rar, was die Preise trotz sinkender Einwohnerzahlen treibt.
- Häuser sind gefragter als Wohnungen.
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Why It Matters
Ingolstadt ist stark von der Automobilbranche und Audi abhängig. Trotz Restrukturierungsmaßnahmen bei Audi und sinkenden Einwohnerzahlen steigen die Immobilienpreise, da zu wenige neue Wohnungen gebaut werden.
Die Stadt an der Donau ist geprägt von der Automobilbranche. Die Krise dort beeinflusst auch den Immobilienmarkt. Dennoch steigen die Preise. Christian Schnell 09.07.2026 - 11:32 Uhr Artikel anhören
Ingolstädter Altstadt: Zuletzt zu wenige Neubauten. Foto: Picture Alliance [M]
München. Ingolstadt ist anders als die meisten Städte ähnlicher Größe. Die Abhängigkeit von einer Branche und insbesondere von einem Arbeitgeber ist groß in der Stadt an der Donau. Rund 145.000 Menschen leben dort, etwa 40.000 arbeiten „beim Audi“.
Gut 44 Prozent der Wertschöpfung in der Region stammen laut der Industrie- und Handelskammer aus der Automobilbranche. Doch Audi und etliche Zulieferer in der Region haben Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet, die Zahl der Beschäftigten soll bis zum Ende des Jahrzehnts spürbar sinken.
Welche Viertel sind für Käufer nun noch interessant? Mit exklusiven Daten von vdp Research, einer Tochter des Verbands deutscher Pfandbriefbanken, sowie anhand der Einschätzungen von Fachleuten gibt das Handelsblatt einen Überblick über den Wohnungsmarkt der Metropole an der Donau.
Der Ingolstädter Immobilienmarkt hängt stark von der wirtschaftlichen Entwicklung von Audi und der ansässigen Zulieferer ab. Über viele Jahre ging es nur nach oben. Zwischen 2014 und 2024 kamen jedes Jahr rund 1.300 Einwohner hinzu. Im vergangenen Jahr jedoch sank die Zahl erstmals leicht um 400 Menschen.
Der größte Standort von Audi steht in Ingolstadt. Foto: dpa
Für den Immobilienmarkt brachte das keine Entspannung. Es wurden auch nur 300 Wohnungen neu gebaut, 58 Prozent weniger als ein Jahr davor. Im Vergleich zum Zehnjahreszeitraum lag das Minus bei Neubauwohnungen sogar bei 68 Prozent. Wird zu wenig gebaut, bringen auch sinkende Einwohnerzahlen keine Entlastung am Wohnungsmarkt.
500Baugenehmigungenwurden im vergangenen Jahr in Ingolstadt erteilt, die Hälfte des zehnjährigen Durchschnitts.
Dieser Trend dürfte sich in Zukunft fortsetzen. Das verdeutlicht die Zahl der Baugenehmigungen, die sich in Ingolstadt zuletzt bei rund 500 Einheiten eingependelt hat und damit nur bei der Hälfte des Zehnjahresdurchschnitts liegt. Auch in den kommenden drei bis vier Jahren dürften also zu wenige Wohnungen fertiggestellt werden, um den angespannten Markt spürbar zu entlasten.
Häuser sind gefragter als Wohnungen
Die Interessenten, die im vergangenen Jahr wegen steigender Bauzinsen und hoher Material- und Lohnkosten zurückhaltend agierten, nähern sich inzwischen dem veränderten Umfeld an. „Die Kundennachfrage ist seit dem vergangenen Jahr gefühlt etwas besser geworden“, sagt Daniel Fechner vom Maklerhaus Fechner Immobilien.
Allerdings zeigen sich innerhalb der einzelnen Wohnimmobilienarten spürbare Unterschiede. So seien Eigentumswohnungen in Ingolstadt derzeit schwerer zu vermarkten als neuwertige Einfamilienhäuser mit einer guten Energiebilanz.
Die Kundennachfrage ist seit dem vergangenen Jahr gefühlt etwas besser geworden Daniel Fechner, Fechner Immobilien
Die gleiche Entwicklung zeigt sich auch bei den Kaufpreisen. Während Häuser im vergangenen Jahr durchschnittlich um 2,7 Prozent teurer wurden, waren es bei Eigentumswohnungen nur 1,7 Prozent. Das haben die Analysten von vdp Research, einem Tochterunternehmen des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp), anhand echter Transaktionen exklusiv für das Handelsblatt berechnet.
In diesem Jahr dürften die Preise für Ingolstädter Eigentumswohnungen nach Prognose der VDP-Experten allerdings deutlich steigen. Das Preisplus bei Wohnungen könnte mit 3,4 Prozent höher ausfallen als bei Häusern, die um 3,2 Prozent teurer würden.
Hundszell ist der teuerste Stadtteil bei Häusern
Als derzeitige Trendviertel bei Ingolstädter Eigenheimen haben die vdp-Analysten besonders die Viertel östlich der Altstadt und in der südlichen Peripherie ausgemacht. Wer ein Haus sucht, der bevorzugt Lagen in Friedrichshofen, Gerolfing und Hollerstauden.
Im Stadtbezirk Süd sind Unsernherrn, Zuchering, Hundszell und Haunwöhr attraktiv. Hundszell hat im vergangenen Jahr als einziger Stadtteil die Marke von durchschnittlich 5.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche überschritten.
Im teuersten Stadtteil kostet der Quadratmeter derzeit 5.110 Euro, fast 400 Euro mehr als im Ingolstädter Durchschnitt von 4.730 Euro. In Hundszell stiegen die Preise mit 3,7 Prozent auch stärker, im Ingolstädter Durchschnitt waren es 2,7 Prozent.
Beliebt ist der Stadtteil, der überwiegend aus Wohngebieten besteht, wegen der kurzen Wege zur Innenstadt, seines dörflichen Charakters und der Nähe zur Donau.
Altes Rathaus in Ingolstadt. Foto: Imago
Ähnlich wie in Hundszell stiegen die Preise in Gerolfing Süd, Friedrichshofen und Haunwöhr. Knapp unter 5.000 Euro kostet der Quadratmeter Wohnfläche dort. Haunwöhr bietet westlich neben Hundszell ähnliche Vorzüge wie der Preisspitzenreiter, ist aber deutlich dichter besiedelt.
Friedrichshofen im Nordwesten punktet mit der Nähe zum Klinikum und zum Einkaufszentrum Westpark. Wegen der Nähe zum Werk ist der Stadtteil zudem bei Audi-Mitarbeitenden beliebt.
Anders ist die Situation bei Eigentumswohnungen in Ingolstadt. Diese sind teurer als Häuser, weshalb sich mancher ursprüngliche Interessent zu einem Reihenhaus umorientierte. Zuletzt näherten sich die Häuserpreise zwar wieder an.
Doch mit 4.810 Euro je Quadratmeter müssen Ingolstädter für Eigentumswohnungen noch immer im Schnitt 80 Euro je Quadratmeter mehr zahlen.
Haunwöhr ist auch bei Interessenten für Eigentumswohnungen beliebt. Mit 5.375 Euro je Quadratmeter notieren die Preise dort beinahe gleichauf mit denen im südlich angrenzenden Unsernherrn. Auch in Zuchering und Ringsee liegen die Quadratmeterpreise inzwischen über 5.000 Euro.
Deutlich günstiger wohnt es sich dagegen im Augustinviertel im Südosten von Ingolstadt. Der Quadratmeterpreis liegt hier bei 4.130 Euro. Vor allem bei jungen Familien ist der Stadtteil beliebt. Das gilt auch für die ebenfalls im Südosten liegenden Antonviertel, Monikaviertel und Kothau.
Mieter spüren die anhaltende Knappheit
Auch für Mieter steigen die Preise. „Bei anhaltender Knappheit und perspektivisch wenig Besserung erstaunt der Anstieg der Neuvertragsmieten in Ingolstadt nicht“, sagt Andreas Kunert, Leiter der Immobilienmarktforschung bei vdp Research. Im vergangenen Jahr zogen diese im Schnitt um 3,9 Prozent an. Für das laufende Jahr prognostiziert er einen ähnlichen Anstieg um 3,7 Prozent.
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Dabei wirken die Neuvertragsmieten mit durchschnittlich 11,90 Euro je Quadratmeter im Vergleich zum 80 Kilometer entfernten München noch immer moderat. Etliche Stadtteile liegen jedoch weit über dem Schnitt. Im Augustin- und im Monikaviertel liegen die Neuvertragsmieten bereits bei über 14 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. In Haunwöhr, Kothau und Ringsee ist man kurz davor.
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Erstpublikation: 09.07.2026, 04:13 Uhr.
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