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Innovationen: Unternehmen investieren erstmals weniger in neue Produkte und Verfahren
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Handelsblatt41 minutes agoBusiness4 min readGermanyView translation

Innovationen: Unternehmen investieren erstmals weniger in neue Produkte und Verfahren

Laut DIHK-Innovationsreport planen erstmals mehr Unternehmen Kürzungen als Investitionen in Forschung und Entwicklung.

Quick Look

  • Der DIHK-Innovationsreport zeigt eine Trendwende: Erstmals seit 2008 wollen mehr deutsche Unternehmen ihre F&E-Investitionen kürzen als ausbauen.
  • Bürokratie, hohe Kosten und mangelnde steuerliche Anreize werden als Hauptursachen für die Innovationsschwäche genannt.

AI-generated summary

Why It Matters

Der DIHK erhebt seit 2008 Daten zur Forschungs- und Entwicklungstätigkeit seiner Mitglieder. Die aktuelle Erhebung basiert auf einer Befragung von 2320 Unternehmen zwischen Juli und September.

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Seit 2008 erheben Industrie- und Handelskammern, wie ihre Mitglieder forschen und entwickeln. Die Lage ist derzeit schlecht. Auch Chemie und Pharma klagen. Ob eine Patentbox Schwung bringt?

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat festgestellt, dass mehr Unternehmen in Deutschland Investitionen in Forschung und Entwicklung zurückfahren wollen als erhöhen.

Der Anteil der Unternehmen, die ihre Investitionen steigern wollen, sank von 38 Prozent im Jahr 2023 auf 25 Prozent in diesem Jahr, während 32 Prozent ihre Forschungstätigkeit verringern wollen.

Die Unternehmen nennen als Hemmnisse für Innovationen bürokratische Auflagen, den Aufwand für Normen und Zertifizierungen sowie fehlende steuerliche Begünstigungen für Eigenkapital.

Die Chemie- und Pharmaindustrie kritisiert den bürokratischen Aufwand bei der steuerlichen Forschungsförderung.

Berlin. Die Konjunkturaussichten und die Stimmung in der Wirtschaft mögen sich etwas verbessern: Bei Investitionen in Forschung und Entwicklung und damit in die eigene Zukunftsfähigkeit halten sich Unternehmen in Deutschland zurück. Zu diesem Schluss kommt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in seinem neuen Innovationsreport.

Mehr noch: Zum ersten Mal seit der ersten Erhebung im Jahr 2008 gaben mehr Unternehmen an, Investitionen in Forschung und Entwicklung zurückfahren zu wollen als sie zu erhöhen.

Demnach sank der Anteil der Unternehmen, die sich mehr engagieren wollen von 38 Prozent im Jahr 2023 auf nur noch 25 Prozent in diesem Jahr. Zugleich wollen mit 32 Prozent doppelt so viele Unternehmen ihre Aktivitäten zurückfahren als noch bei der letzten Erhebung (15 Prozent).

Als Indikatoren nennt der Report die geringere Anwerbung ausländischer Fachkräfte und Forscher wie auch die sinkende Bedeutung der Mitarbeiterqualifizierung. Gleiches gilt für Kooperationsprojekte mit Kunden, Lieferanten und anderen Unternehmen. „Betriebe verzichten nicht nur auf einzelne Projekte, sondern zunehmend auf Kompetenzen, Partnerschaften und Strukturen, die für künftige Innovationsvorhaben benötigt werden“, folgert der Bericht.

Anstatt auf Neuerungen zu setzen, würden sich Unternehmen zunehmend auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Demnach wollen neun von zehn Unternehmen ihre bestehenden Produkte oder Dienstleistungen weiterentwickeln, heißt es in der Erhebung.

„Die Ergebnisse sind mehr als eine Momentaufnahme der schwachen Konjunktur“, heißt es in der Studie. Vielmehr seien sie „ein Warnsignal für den Standort“. Weniger Investitionen schwächten dauerhaft die Produktivität, die technologische Souveränität und die Fähigkeit, neue Märkte zu erschließen.

Die Befragung macht zudem „Hemmnisse im Innovationsprozess“ aus. Dazu zählen für die Unternehmen der Aufwand, um etwa Normen, Standards und Zertifizierungen zu erfüllen. Ebenso wird die Bürokratie genannt. Dies gilt etwa für die Kosten und Verfahren zum Schutz eigener Ideen oder bei der Beantragung von Fördermitteln oder der steuerlichen Forschungsförderung.

Auch die „die fehlende steuerliche Begünstigung von Eigenkapital“ nannten die Unternehmen als Problem. Entsprechend fordert der DIHK, Eigen- und Fremdkapital bei Investitionen in Forschung und Entwicklung gleich zu behandeln. Laut Kammertag haben in den vergangenen zwei Jahren vier von fünf Betrieben Vorhaben mit eigenem Geld finanziert.

„Viele Unternehmen wollen den Innovationsmotor Deutschland weiter am Laufen halten“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov. „Doch immer mehr bürokratische Vorgaben, langwierige Verfahren und unzureichende Rahmenbedingungen bremsen sie aus.“ Sie forderte „verlässliche Rahmenbedingungen und vor allem mehr Freiräume für neue Ideen und erfolgreiche Innovationen“.

Von Mitte Juli bis Anfang September hatten die 79 Kammern ihre Mitglieder befragt. Laut DIHK nahmen 2320 Unternehmen teil. Der Großteil der Befragten (62,4 Prozent) hat bis zu 49 Beschäftigte, zehn Prozent haben mehr als 500.

Die Sorgen der Großindustrie, speziell im Bereich Chemie und Pharma, hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim gemeinsam mit dem Center für wirtschaftspolitische Studien an der Universität Hannover in einer Studie im Auftrag des Verbands der chemischen Industrie ermittelt. Demnach ist gerade die steuerliche Forschungsförderung für Großunternehmen unzureichend. Mit ihr können Unternehmen pro Jahr Investitionen in Forschung und Entwicklung bis zu zwölf Millionen Euro steuerlich geltend machen.

„Derzeit nutzt weniger als die Hälfte der forschenden Chemie- und Pharmaunternehmen die Forschungszulage“, heißt es in der Studie. Ein Grund sei der bürokratische Aufwand. Daher empfehlen die Autoren, die 2020 eingeführte Zulage weiterzuentwickeln, den Förderdeckel zu erhöhen und ebenso den Anteil förderfähiger Kosten und den Fördersatz für die industrielle Forschung.

Auch der DIHK fordert, die steuerliche Forschungsförderung für kleine und mittlere Unternehmen leichter zugänglich zu machen. Nur zehn Prozent der Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitern nutzten laut Innovationsmonitor die Zulage. Noch weniger Unternehmen würden europäische Förderprogramme nutzen.

Die befragten Unternehmen kritisierten zudem, dass der Bund im Sommer das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) angesichts knapper Kassen gestoppt hatte. Da es direkte Zuschüsse sicherte, war es bei kleinen Unternehmen beliebt.

ZEW-Studienautor Christian Rammer, Experte für Innovationsförderung, bestätigt, dass sich die Wirtschaft zurückhält. „Die Unternehmen sind sichtlich gestresst und ermüdet von den Entwicklungen der letzten Jahre“, sagte er. Dazu zählten allgemein steigende Kosten, sinkende Nachfrage, zunehmender Wettbewerb, Zölle, Rohstoffpreise und Bürokratie. Vor allem kleine Unternehmen würden sich da auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. „Die Unsicherheit ist Gift.“

Laut der Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung (Efi) sind vor allem mittelständische Unternehmen Innovationstreiber. So habe jedes zweite Unternehmen in den Jahren 2020 bis 2023 „mindestens eine Produkt- oder Prozessinnovation“ hervorgebracht. Ihnen gelinge es häufiger als nicht mittelständischen Unternehmen, Innovationen hervorzubringen.

In einer neuen Erhebung verweist das Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag des Verbands der Familienunternehmer darauf, dass es vor allem die Familienunternehmer „Stütze des Innovationsstandortes“ seien. Vor allem in der Autoindustrie, dem Maschinenbau und der Elektroindustrie seien die Top 500 stark bei Patenten. Demnach hätten sie im vergangenen Jahr 57 Prozent aller Patente angemeldet, so viel wie nie zuvor.

Laut Efi-Gutachten erzielen mittelständische Unternehmen einen „höheren Umsatzanteil durch die Einführung von Produktinnovationen“ als andere. Dieser Umstand könnte bei der steuerlichen Förderung von Investitionen in Forschung und Entwicklung noch interessant werden: Derzeit lässt das Bundesfinanzministerium durch das ZEW ein neue Modell entwickeln: die Patentbox.

Mit dem Konzept würden nicht die Investitionen steuerlich begünstigt, sondern die Erträge aus den Innovationen. Entsprechend könnte die Gewerbe- oder Körperschaftsteuer für innovative Unternehmen sinken. Andere Länder gehen den Weg bereits, etwa Frankreich, die Niederlande und die Schweiz.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Entwicklung eines Patentbox-Modells durch das Bundesfinanzministerium.

    Likely · Within months

Open Questions

  • Wird die geplante Patentbox tatsächlich umgesetzt?
  • Wie reagiert die Bundesregierung konkret auf die DIHK-Forderungen?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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