
Eine Studie zeigt, dass sich 80 Prozent der Menschen in Deutschland der Mittelschicht zuordnen – oft zu Unrecht. Ein neuer Rechner des Instituts der deutschen Wirtschaft verdeutlicht die Abweichungen.
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Eine Studie der Universität Konstanz aus dem Jahr 2023 zeigte, dass sich 80 Prozent der Menschen in Deutschland der Mittelschicht zuordnen.
Die weite Mehrheit in Deutschland ist sich sicher: Ich gehöre zur Mittelschicht. Die Realität sieht oft anders aus. Für viele weicht das reale Einkommen ab von der gefühlten Position im deutschen Einkommensgefüge - in beide Richtungen.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat einen interaktiven Rechner entwickelt, der zeigt, wie viele Menschen in Deutschland mehr verdienen als man selbst und wie viele weniger. Dafür muss man nur angeben, wie viel Geld dem eigenen Haushalt nach Steuern bleibt und wie viele Menschen mit diesem Geld auskommen müssen. Im Anschluss zeigt eine Grafik, wo der eigene Haushalt auf dem deutschen Einkommensspektrum einzuordnen ist.
Vergleichen lässt sich das eigene Einkommen nicht nur mit der Gesamtbevölkerung, sondern auch mit verschiedenen Unterkategorien: Nach Bildungsabschluss, Alter, Haushaltstyp, Geschlecht oder Bundesland. Wie schneidet das eigene Einkommen ab im Vergleich mit anderen Abiturienten, mit anderen Singles oder Renterinnen?
Damit lässt sich nicht nur das Einkommen aller Menschen in Deutschland mit einer dieser Unterkategorien vergleichen. Auch die Einkommensverteilung in zwei Unterkategorien kann man gegenüberstellen: Ost und West, Männer und Frauen, Singles und Familien, Renter und Erwerbstätige. Auch in diesen Gegenüberstellungen wird dann das eigene Einkommen verortet.
Hinter dem Rechner stehen Daten aus einer EU-weiten Befragung; sie beziehen sich auf das Jahr 2024. Betrachtet werden dabei die Haushaltseinkommen nach Steuern, Abgaben und Transferleistungen. Auch Renten und Einkommen aus Vermögen kommen zum Zuge. Keine Beachtung finden Vorteile, die entstehen, weil Menschen die Wohnung oder das Haus besitzen, in dem sie leben.
Einer Studie der Universität Konstanz aus dem Jahr 2023 zeigte: 80 Prozent der Menschen in Deutschland ordnen sich selbst der Mittelschicht zu. Damit liegen zwei Gruppen falsch. Die mit geringeren Einkommen und die mit höheren. Zur groben Orientierung: Das IW stuft die Einkommensverteilung in fünf Gruppen ab.
Für alleinlebende Menschen sieht diese Einordnung mit Blick auf das monatliche Nettoeinkommen 2024 folgendermaßen aus:
unter 1450 Euro: relativ arm
1450 bis 1940 Euro: untere Mitte
1940 bis 3630 Euro: Mitte im engen Sinn
3630 bis 6050 Euro: obere Mitte
ab 6050 Euro: relativ reich
Der Konstanzer Studie zufolge tritt die Fehleinschätzung, zur Mittelschicht zu gehören, besonders häufig bei Menschen auf, die besonders gut verdienen. Je höher das Einkommen, desto öfter ordnen die Menschen sich falsch ein und desto weiter fernab von ihrer wirklichen Position im Einkommensgefüge verorten sie sich.
Wäre die deutsche Einkommensverteilung eine Leiter mit zehn Sprossen, käme die Leiter der gefühlten Einkommensverteilung mit nur fünf Sprossen aus. Denn ihrer eigenen Wahrnehmung zufolge tummeln sich die Menschen in Deutschland zwischen Sprosse zwei und sieben. Die 20 Prozent der Menschen mit den geringsten Einkommen wähnen sich im Schnitt etwa anderthalb Sprossen über ihrem tatsächlichen Verdienst. Die 20 Prozent mit den höchsten Einkommen liegen noch weiter daneben: Sie fühlen sich um mehr als drei Sprossen ärmer, als sie es sind. Nicht einmal jeder siebte dieser Menschen ordnet sich der richtigen Einkommensgruppe zu.
Sowohl das IW als auch die Konstanzer Studie begründet diese Fehleinschätzung mit einer falsch interpretierten Durchschnittlichkeit: Menschen umgeben sich demnach mit Menschen, die ihnen ähnlich sind und leiten daraus ab, sie wären das Mittelmaß der Gesellschaft. Dieser Effekt greife bei Einkommensarmen, wie auch bei den Spitzenverdienern.

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