
Deutsche Automarken wie VW, Mercedes und BMW verzeichnen deutliche Einbußen, während Tech- und Entertainment-Unternehmen durch KI-Entwicklungen profitieren.
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Interbrand bewertet Markenwert anhand finanzieller Performance, Rolle bei Kaufentscheidungen und Wettbewerbsvergleich.
Düsseldorf. Beim Markenwert hat die Entertainmentbranche die Autoindustrie überholt. Das ergibt eine Auswertung der 100 wertvollsten globalen Marken durch die Beratung Interbrand, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Während der Wert zahlreicher Automobilmarken im Vorjahresvergleich um rund ein Fünftel einbrach, legte die Entertainmentbranche deutlich zu. Zudem verschiebt Künstliche Intelligenz das Ranking zusätzlich.
Wertvollste Marke bleibt indes Apple. Der Markenwert stieg um 9 Prozent auf 515 Milliarden Dollar.
„Das Ranking zeigt eine gewisse Polarisierung“, sagt Nina Oswald, Geschäftsführerin für Zentral- und Osteuropa bei Interbrand. Die Tech- und die Entertainmentbranche wüchsen durch die Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz stark. „Andere Branchen können dem strukturellen Umbau nicht so schnell folgen. Der Automobilsektor etwa steht insgesamt unter Druck.“
Nvidia erneut mit Rekordzuwachs
Der größte Gewinner ist, wie bereits im vergangenen Jahr, Nvidia. In der Auswertung von 2025 war der Wert des Unternehmens um 116 Prozent gestiegen, in diesem Jahr sind es immerhin noch 71 Prozent. Die Marke ist damit laut Interbrand nun 74 Milliarden US-Dollar wert. Insgesamt legten die Top-100-Marken in diesem Jahr um 8,1 Prozent im Wert zu und damit doppelt so stark wie im Vorjahr. Der Gesamtwert beläuft sich auf 3,8 Billionen Dollar.
Laut Interbrand wachsen Technologieunternehmen allerdings schneller im Umsatz, als sie eine emotionale Bindung zu ihren Kunden aufbauen. Auch in Phasen dynamischen Wachstums müsse in die Markenentwicklung investiert werden.
Interbrand bewertet den Wert einer Marke anhand von drei Kriterien: der finanziellen Performance der Produkte oder Dienstleistungen, der Rolle der Marke bei der Kaufentscheidung der Konsumenten und der Performance im Vergleich zu direkten Wettbewerbern.
Die Automobilbranche: Deutlicher Einbruch bei deutschen Marken
Die Kategorie Automotive ist in zwölf Monaten um rund 57 Milliarden US-Dollar im Markenwert geschrumpft. „Die etablierten Automobilmarken in Europa leiden unter der Komplexität einer großangelegten Transformation“, sagt Interbrand-Expertin Oswald. Die Investitionen in Elektrifizierung und die digitale Transformation seien herausfordernd.
Dabei mag es überraschen, dass ausgerechnet der Elektropionier Tesla im Wert am stärksten eingebrochen ist (-38 Prozent). Zwar hätten Innovationen wie das Cybercab viel Aufmerksamkeit erzeugt, das führe aber nicht zwingend zu kommerziellem Erfolg oder Markenstärke.
Auch die deutschen Automarken Volkswagen (-23 Prozent), Mercedes (-19 Prozent), Audi (-19 Prozent), BMW (-18 Prozent) und Porsche (-17 Prozent) brachen überdurchschnittlich stark beim Markenwert ein.
Die wertvollste Automarke bleibt Toyota, die allerdings ebenfalls einen Verlust von 20 Prozent hinnehmen musste. Zulegen konnte hingegen die chinesische Marke BYD (plus fünf Prozent). „Die Challenger-Brands gewinnen an Zuwachs, weil es ihnen besser gelingt, Innovation mit einem unverwechselbaren Markenversprechen zu verbinden“, sagt Oswald.
Die Entertainmentbranche: Neue Geschäftsmodelle, bessere Kundenbeziehungen
Globale Entertainment-Marken konnten in diesem Jahr stark zulegen und dadurch den Automobilsektor als zweitwertvollste Branche ablösen. Die Branche gewann mehr als zwölf Prozent hinzu. „Entertainment-Marken haben ihr Geschäftsmodell deutlich erweitert“, erklärt Oswald. Die Diversifizierung von Inhalten und Einnahmequellen habe es den Unterhaltungsmarken ermöglicht, auch über das Kerngeschäft hinaus zu wachsen.
So sei Netflix (plus 22 Prozent) mittlerweile auch eine Plattform für Live-Events und Sport, Youtube habe sich als Anlaufstelle für alles von Podcasts bis Fernsehen etabliert. Am stärksten gewachsen ist Spotify (plus 38 Prozent). „Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren eine Plattform aufgebaut, die weit über den Bereich Musik hinausgeht“, sagt Oswald. Podcasts, Hörbücher und KI-Features hätten der Plattform geholfen, die Beziehung zu ihren Kunden zu stärken. „Spotify ist aus dem Alltag von Millionen von Menschen nicht mehr wegzudenken“, sagt Oswald.
Die Luxusbranche: Hermès gewinnt, Gucci verliert drastisch
Eine große Polarisierung ist innerhalb des Luxussegments zu erkennen. Während Hermès um elf Prozent zulegt und Louis Vuitton als wertvollste Luxusmarke ablöst, fallen Louis Vuitton (-7 Prozent), Prada (-15 Prozent) und am drastischsten Gucci (-31 Prozent) deutlich ab. Die Marke leide unter deutlich gesunkener Nachfrage der Kunden und einer schwachen Performance in Schlüsselmärkten.
„Marken, die durch eine konsequente Markenentwicklung Mehrwert schaffen, übertreffen diejenigen, die sich bisher auf Tradition, Größe und Dynamik verlassen haben“, sagt Oswald. Zulegen konnten Chanel, Cartier und Tiffany & Co.

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