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BackInterview: Quantum-Chef: „Wir sind in der Lage, solche Geran-Drohnen abzuwehren“
Interview: Quantum-Chef: „Wir sind in der Lage, solche Geran-Drohnen abzuwehren“
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Handelsblatt4 hours agoDefense5 min readGermany

Interview: Quantum-Chef: „Wir sind in der Lage, solche Geran-Drohnen abzuwehren“

Quantum Systems baut mehrere Zehntausend Abfangdrohnen für die Ukraine. Damit auch Deutschland besser geschützt wird, hat Unternehmenschef Seibel eine klare Forderung an die Politik.

Quick Look

  • Quantum Systems entwickelt Abfangdrohnen gegen russische Geran-Modelle für die Ukraine.
  • CEO Florian Seibel fordert von der deutschen Politik mehr Mut bei der Auftragsvergabe an Start-ups und eine Konsolidierung der europäischen Rüstungsindustrie.

AI-generated summary

Why It Matters

Russland greift die Ukraine zunehmend mit jetbetriebenen Geran-Drohnen an. Quantum Systems hat eine Abfangdrohne entwickelt, deren Serienproduktion von der Bundesregierung finanziert wird.

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Gilching. Fast täglich greift Russland die Ukraine mit mehreren Hundert Drohnen aus der Luft an. Gegen die neuesten „Geran“-Varianten mit Jetantrieb hat die Ukraine bislang kaum Abwehrmittel. Quantum Systems hat gemeinsam mit dem ukrainischen Unternehmen WIY eine Abfangdrohne entwickelt, die auch diese „Geran“-Varianten abschießen kann. Die Finanzierung der Serienproduktion in der Ukraine übernimmt die Bundesregierung.

Quantum-Chef Florian Seibel fordert von der deutschen Politik mehr Mut, bei der Rüstungsbeschaffung auf Start-ups wie Quantum zu setzen. Deutschland und Europa müssten jetzt über Aufträge neue Industrien schaffen, um sich unabhängig von amerikanischem Schutz und chinesischer Technologie verteidigen zu können. Denn für ihn ist klar: „Ich glaube, dass wir in Europa auf Zeiten zusteuern, die noch sehr ungemütlich werden – militärisch und wirtschaftlich.“

Lesen Sie hier das Interview mit Florian Seibel:

Herr Seibel, am Wochenende war Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in der Ukraine. Dort hat er Ihnen einen Großauftrag verschafft: Sie sollen in großer Stückzahl Drohnen bauen, die in der Lage sein sollen, die effektiven jetbetriebenen russischen Geran-Drohnen abzufangen. Was bedeutet das für die Ukraine?

Der Ukraine steht ein sehr harter Winter bevor. Russland entwickelt Waffensysteme wie die Geran-Drohnen mit hoher Geschwindigkeit weiter. Dabei war das eine Fähigkeit, die bislang die Ukraine ausgezeichnet hat. Inzwischen produziert auch Russland diese Drohnen in hohen Stückzahlen, um gezielt zivile Infrastruktur anzugreifen und den Willen der ukrainischen Bevölkerung zu brechen. Deshalb müssen wir die Geschwindigkeit jetzt wieder hochfahren.

Unter anderem, indem Sie Zigtausende Drohnen für die Ukraine liefern. Was macht Sie so sicher, dass das klappen wird?

Über das Wie kann ich nicht viel sagen. Wir sind inzwischen aber in der Lage, solche Geran-Drohnen abzuwehren. Wir müssen davon ausgehen, dass die Ukraine in nächster Zeit Zehntausende, Hunderttausende dieser Drohnen abfangen muss. Deswegen brauchen wir jetzt das Vertrauen, unsere Produktion so hochzufahren, dass die Ukraine den nötigen Effekt spürt.

Die Aufträge dürften dann auch für Sie ein gutes Geschäft sein.

In erster Linie geht es um die Ukraine. Dort zählt jetzt Tempo. Wir mussten auch lernen, dass wir nur dann helfen können, wenn wir es schaffen, große Stückzahlen zu liefern. Im Prinzip hat schon fast jede Einheit in der Ukraine ihren eigenen Drohnentyp und eine Firma, mit der sie zusammenarbeitet. Das ist auch gut so. Aber so richtig skalieren und industrialisieren lässt sich eine Produktion dann für niemanden. Darauf kommt es aber an.

Was bedeutet das für die boomende Drohnenindustrie?

Wenn wir wirklich eine Durchschlagskraft entwickeln wollen, muss sich die Industrie dahin entwickeln, dass wir nicht mehr hundert Drohnen-Start-ups in Deutschland haben, sondern vielleicht noch drei oder vier. Diese sollten weiterhin miteinander im Wettbewerb stehen und die etablierten Rüstungsunternehmen herausfordern.

Vita Florian Seibel

Gründer und CEO von Quantum Systems

Quantum Systems entwickelt und baut zivile und militärische Überwachungsdrohnen. Das Unternehmen wurde 2015 zunächst für Anwendungen in der Landwirtschaft und Infrastruktur gegründet. Mit Ausbruch des Ukrainekriegs nutzt das ukrainische Militär umfangreich die Vector-Drohnen zur Aufklärung an der Front. Mittlerweile ist das Portfolio deutlich gewachsen, Quantum Systems hat nun auch Abfangdrohnen im Programm und arbeitet an Seedrohnen sowie ferngesteuerten Fahrzeugen. Rund 1000 Menschen arbeiten vorwiegend in Deutschland und der Ukraine für Quantum Systems. Im Juli gelang eine weitere Finanzierungsrunde in Höhe von 1,2 Milliarden Euro.

Florian Seibel ist Gründer und Chef von Quantum Systems. Von 1999 bis 2015 war er Offizier bei der Bundeswehr und absolvierte an der Universität der Bundeswehr München ein Studium zum Luft- und Raumfahrtingenieur mit dem Schwerpunkt der Entwicklung von Trägerplattformen auf Basis von Multicoptern und autonomen Kleinflugzeugen. Seibel ist zudem leidenschaftlicher Segelflieger, Fluglehrer und Hubschrauberpilot.

Und der Rest?

Das entscheidet der Markt. Momentan zahlen die Rechnungen in vielen Fällen eigentlich die Investoren. Es ist auch die Strategie von Venture-Capital, Wetten zu platzieren. Aber rechnerisch werden die nicht alle aufgehen können.

Sie erwarten also einen Markt, der sich konsolidiert. Welche Rolle werden Sie da mit Quantum Systems spielen?

Wir haben in den letzten Jahren sehr gut gezeigt, dass jede Akquisition von uns einen Mehrwert bietet. Ich sage immer: Im besten Fall ergeben eins und eins elf. Im Bereich Multi-Domain-Operations, also der Vernetzung von Teilstreitkräften, und Software sind wir gut aufgestellt. Für uns geht es jetzt um die „Gold Nuggets“, also Unternehmen, die uns in der Tiefe der Wertschöpfung helfen. Zum Beispiel, um unsere Produkte frei von Komponenten aus China zu machen.

China ist ein gutes Stichwort. Viele Industrien werden mittlerweile von China überholt. Sie warnen davor, zu viel geistiges Eigentum zu exportieren. Was können wir in Europa solchen Entwicklungen noch entgegensetzen?

Ich glaube, dass wir in Europa auf Zeiten zusteuern, die noch sehr ungemütlich werden – militärisch und wirtschaftlich. Wir müssen uns fragen: Was sind denn die großen politischen Leitlinien in den nächsten Jahren? Wo will Europa eigentlich hin? Wenn wir darauf Antworten finden, dann weiß auch die Industrie, was sie tun muss, wie sie gestalten kann und mit welchen Aufträgen sie rechnen kann.

Und wie könnten solche Antworten lauten?

Wir müssen uns aus dieser Lethargie befreien, an die wir uns in den vergangenen zwanzig, dreißig Jahren gewöhnt haben. Wir sind viel zu wenig Risiko eingegangen. Wir brauchen den Ehrgeiz, als Gesellschaft etwas erreichen zu wollen. Wir haben Talente. Wir haben tolle Universitäten. Und wir haben auch genügend Geld, um das alles zu finanzieren. Wir müssen es uns nur zutrauen.

Was schlagen Sie also vor?

Zunächst müssen wir uns trauen, Strukturen zu hinterfragen. Schauen wir auf das Militär: Die ukrainische Armee zeigt, dass in Zukunft alle Dimensionen miteinander vernetzt sein werden. Auch wir arbeiten daran, dass unsere Systeme Multi-Domain-Operations ausführen können. Wenn die einzelnen Domänen aber immer weiter miteinander verschmelzen, sollten wir uns fragen, ob wir die Rollen der klassischen Teilstreitkräfte nicht vielleicht auch mal neu denken sollten. Das wird nicht in den kommenden zwei Jahren passieren, aber als Zielbild in zwanzig, dreißig Jahren kann ich mir das gut vorstellen.

Das würde aber eben auch erfordern, dass die europäischen Armeen auf entsprechende Waffensysteme setzen.

Das ist mein zweiter Punkt. Entscheidend wird das Verhältnis sein: Wir brauchen Systeme, die günstig, adaptierbar und in Masse produzierbar sind, nicht nur einzelne teure Hochwertsysteme, die immer noch beschafft werden. Und da bin ich wieder beim Thema Vertrauen: Wie lange musste ich mit der Bundeswehr verhandeln, bis wir endlich mal ein paar Aufträge bekommen haben? Wie viele Probleme hatten wir im internationalen Venture-Capital-Umfeld, um uns zu finanzieren? Ich klage darüber nicht, sondern mache das Beste aus der Situation. Aber wenn wir noch früher mehr Ressourcen, mehr Vertrauen bekommen hätten, wären wir schon viel weiter.

Sind Sie sich sicher, dass diese Beschreibung der Realität gerecht wird? Immerhin haben Sie in Ihrer letzten Finanzierungsrunde 1,2 Milliarden Dollar eingetrieben.

Das stimmt. Aber jetzt müssen die Aufträge folgen. Und zwar nicht mit der Gießkanne. Wir brauchen die Bereitschaft, zwei oder drei Champions aufzubauen, die in der Lage sind, die nächste Technologiegeneration zu prägen. Einen richtigen Wettbewerb, in dem konsequent diejenigen zum Zuge kommen, die zum richtigen Zeitpunkt liefern können.

Sie spielen auf die Beschaffung der Loitering-Munition für die Bundeswehr an, bei der zunächst die beiden Hersteller Stark und Helsing berücksichtigt wurden und später ein weiterer Großauftrag an Rheinmetall vergeben wurde, richtig?

Wenn ein Mitbewerber nach der eigentlichen Entscheidung noch ein drittes Ticket und eine eigene Timeline bekommt, dann weiß ich nicht, ob wir das Prinzip Wettbewerb wirklich verstanden haben.

Sie haben also den Verdacht, dass den etablierten Rüstungsunternehmen am Ende vielleicht doch mehr zugetraut wird?

Was heißt Verdacht? Das sind alles Verbindungen, die sich über Jahrzehnte aufgebaut haben. Und auch das meine ich, wenn ich sage, wir müssen dieses System disruptieren. Wir brauchen Entwicklungen von unten nach oben, nach klaren Spielregeln, wo sich die Besten durchsetzen. Das ist unter den aktuellen politischen, wirtschaftlichen und strukturellen Umständen aber schwierig.

Das klingt fast ein wenig resigniert.

Im Gegenteil. Wir brauchen den Moonshot. Es geht aktuell um sehr viel. Wir haben gerade den größten Verteidigungsetat aller Zeiten. Aber wenn alles ausgegeben ist, ist er weg. Dann wird es mit der nächsten oder der übernächsten Bundesregierung keinen Nachschlag geben. Deshalb müssen wir uns sehr, sehr schnell und zügig überlegen: Wofür wollen wir das Geld eigentlich ausgeben? Das ist eine große Verantwortung.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Produktionshochlauf von Abfangdrohnen durch Quantum Systems.

    Very likely · Within months

Open Questions

  • Wie genau funktioniert die Abfangtechnologie?
  • Welche anderen Unternehmen erhalten Großaufträge?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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