
Die Bundesregierung lädt zum Investitionsgipfel, doch die Datenlage ist komplex: Während ausländische Direktinvestitionen stabil bleiben, offenbaren Bruttoanlage- und Ausrüstungsinvestitionen strukturelle Schwächen.
Vor dem ersten Investitionsgipfel der Bundesregierung in Berlin zeigt eine Analyse von acht Grafiken ein gemischtes Bild: Stabile ausländische Direktinvestitionen stehen einem Investitionsrückstand gegenüber Italien und den USA sowie einer schwächelnden heimischen Industrie gegenüber.
AI-generated summary
Die Bundesregierung veranstaltet einen Investitionsgipfel, um dem Narrativ eines wirtschaftlichen Niedergangs entgegenzuwirken. Die Daten zeigen jedoch einen Investitionsrückstand gegenüber anderen Industrienationen.
Die Bundesregierung sagt vor ihrer Investorenkonferenz, Deutschland sei begehrt. Wie passt das zur allgemeinen Untergangserzählung? Die überraschende Antwort liefern acht Grafiken.
Ausländische Direktinvestitionen in Deutschland lagen zuletzt bei 54 Milliarden Euro jährlich und blieben in den letzten drei Jahren weitgehend konstant, wobei britische Investoren zuletzt US-Unternehmen ersetzten.
Die Bruttoanlageinvestitionen in Deutschland betrugen 21,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und sind seit 2022 leicht gefallen, während Italien und die USA höhere Werte erzielen und Deutschland einen Investitionsrückstand in Milliardenhöhe gegenüber beiden Ländern aufweist.
Staatliche Investitionen wachsen deutlich stärker als private, die nur minimal zulegen; die Bundesregierung fordert eine stärkere Mobilisierung privaten Kapitals für mehr Wettbewerbsfähigkeit.
Die Ausrüstungsinvestitionen in die Industrie sind in den letzten fünf Jahren um rund 2,5 Prozent gesunken, wohingegen Investitionen in Forschung, Entwicklung, Software und Lizenzen zulegen, was auf einen Schwerpunkt bei künstlicher Intelligenz hindeutet.
Berlin. Am Dienstag wird die Hauptstadt von „Heuschrecken“ befallen werden. 2005 löste der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering durch seinen Vergleich mancher Finanzinvestoren mit den ganze Landstriche kahlfressenden Schwärmen das aus, was man heute einen Shitstorm nennen würde.
Der Empfang für die 200 Investorinnen und Investoren, die in Berlin an der ersten Investorenkonferenz der Bundesregierung teilnehmen werden, wird merklich wärmer ausfallen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), einst Aufsichtsratschef bei Blackrock Deutschland, hat sie selbst eingeladen.
Für Merz dürfte es auch darum gehen, der Niedergangserzählung über den deutschen Standort etwas entgegenzusetzen. Seine schwarz-rote Regierung war mit großen Reformversprechen angetreten.
Doch nach rund eineinhalb Jahren fällt die Bilanz durchwachsen aus. „Die Bundesregierung muss endlich eine große Schippe drauflegen, Deutschland wettbewerbsfähiger zu machen und für die Unternehmen hier ein neues Klima für Investitionen zu schaffen“, sagte etwa Daniel Hager, Präsident des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI), im Vorfeld der Konferenz dem Handelsblatt.
Wird die Investorenkonferenz also nur eine große Show, die in der Realität angesichts der Verfassung des Standorts Deutschland gar nichts bringt?
Wer eine Antwort darauf haben will, sollte sich weder von politischer Schönrederei noch von öffentlichem Katastrophismus leiten lassen, sondern von Zahlen. Die acht folgenden Grafiken zeigen präzise, wie es wirklich um den Investitionsstandort Deutschland steht.
1. Direktinvestitionen: konstanter Milliarden-Zufluss
In der Bundesregierung freuen sie sich auf die Konferenzgäste aus aller Welt. Ausländische Investoren hätten einen deutlich positiveren Blick auf Deutschland als das Inland. „Wir vergleichen uns mit der Situation vor 25 Jahren, als die Welt noch eine andere war, und die Investoren uns mit anderen Standorten“, heißt es in Regierungskreisen.
Dass Sätze wie diese nicht nur PR sind, belegen die Direktinvestitionen aus dem Ausland. Im vergangenen Jahr haben ausländische Investoren 54 Milliarden Euro nach Deutschland geleitet, zeigen Daten der Bundesbank zu Beteiligungen an Unternehmen oder Neugründungen. Firmeninterner Zahlungsverkehr wurde außen vor gelassen, um nur echte Neuinvestitionen abzubilden.
Während sich zuletzt US-Unternehmen aus Deutschland zurückgezogen hätten, hätten insbesondere britische Investoren die Lücke gefüllt, sagt Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW).
Seit drei Jahren sind die Direktinvestitionen weitgehend konstant und liegen teils deutlich über den Zuflüssen aus der Vor-Corona-Zeit. Im vergangenen Jahrzehnt haben sich jährlich rund 1600 Firmen neu in Deutschland angesiedelt oder ihre Werke erweitert.
Es gibt mehrere Gründe für diese stabile Entwicklung. „Ausländische Investoren können gezielt in die Vorteile des Standorts Deutschland investieren und die Standortnachteile besser umgehen“, sagt Geraldine Dany-Knedlik, Konjunkturchefin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Hinzu käme ein großes Interesse aus dem Ausland, am deutschen Rüstungsboom zu partizipieren.
Neben der Verteidigungsindustrie gibt es weitere Felder mit großen Potenzialen für Investoren in Deutschland, darunter industrielle KI, Zukunftstechnologien, Energiesysteme und Infrastruktur. Am Montag hat die Wirtschaftsinitiative „Made for Germany“ eine Studie an Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) überreicht: Sie beziffert das Investitionspotenzial in den genannten Bereichen in Deutschland auf rund 2,9 bis 4,1 Billionen Euro bis 2035.
Allerdings zeigt das, welche Lücke sich an dieser Stelle auftut, wenn die Direktinvestitionen lediglich konstant bleiben. „Angesichts der Investitionsbedarfe reicht das nicht aus“, sagt Dany-Knedlik. „Und den Rückstand aus den schwachen Jahren holt Deutschland so offenbar nicht wieder auf.“
2. Bruttoanlageinvestitionen: Rückstand gegenüber Euro und USA
Einen umfassenderen Blick auf die Investitionstätigkeit in Deutschland bieten die Bruttoanlageinvestitionen. Sie zeigen den Gesamtwert der von Produzenten erworbenen Anlagegüter, ob Maschinen, Fahrzeuge, Bauten oder auch Forschung und Entwicklung.
Zuletzt lagen die Anlageinvestitionen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland bei 21,5 Prozent. Damit sind sie seit 2022 leicht gesunken, liegen aber vom Niveau her leicht über der Vor-Corona-Zeit.
Der Vergleich mit dem Ausland lässt die deutschen Zahlen schwächer wirken. In Italien liegen die Anlageinvestitionen bei 23,3 Prozent, was einem deutlichen Anstieg in den vergangenen zehn Jahren entspricht, als es noch 17,7 Prozent waren, zeigen Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF). In die USA sind die Investitionen in dem Zeitraum leicht auf zuletzt 21,4 Prozent gestiegen.
Eine aktuelle Allianz-Studie beziffert den Investitionsrückstand Deutschlands durch ausgebliebene Investitionen im Vergleich zur Entwicklung in der Euro-Zone insgesamt auf 390 Milliarden Euro und im Vergleich zu den USA auf 730 Milliarden Euro.
3. Private Investitionen: Großer Split zum Staat
Bei den Anlageinvestitionen kommt hinzu: Diese werden aktuell besonders vom Staat getrieben, weil der viel in Verteidigung und Infrastruktur steckt. Die privaten Investitionen separiert betrachtet sehen deutlich schwächer aus. Während die Staatsinvestitionen dieses Jahr laut Konjunkturprognose der Bundesregierung um 2,7 Prozent zulegen, wachsen die privaten nur minimal um 0,2 Prozent.
Nächstes Jahr ist die Differenz noch größer: Da legt der Staat um 6,6 Prozent zu, die privaten um 1,9 Prozent. 2028 könnte sich das dann umkehren, weil der staatliche Impuls im Vergleich zum Vorjahr sich dann kaum verändert.
Der Rückstand der vergangenen Jahre lässt sich damit aber auch nicht aufholen. „Entscheidend ist, dass wir deutlich mehr privates Kapital mobilisieren“, heißt es in Regierungskreisen.
4. Ausrüstungsinvestitionen: Industrie baut ab
Um die Probleme des Standorts besser nachvollziehen zu können, hilft es, sich anzuschauen, wo die Probleme liegen. Mittel für neue Maschinen und Geräte werden in Deutschland immer weniger zur Verfügung gestellt. Diese „Ausrüstungsinvestitionen“ lagen 2025 rund 2,5 Prozent unter dem Niveau von fünf Jahren zuvor. Noch schlechter haben sich bloß die Bauinvestitionen mit einem Minus von mehr als 15 Prozent entwickelt.
„Die Schwäche der Industrie am Standort zeigt sich hier deutlich“, sagt DIW-Ökonomin Dany-Knedlik. Produktionen würden abgebaut. Und wo neu investiert würde, beträfe das vor allem Forschung und Entwicklung sowie Service, nicht mehr die Fertigung.
Das zeigt sich wiederum beim deutlichen Anstieg der „Sonstigen Anlagen“, dort werden Investitionen in Forschung und Entwicklung, Software und Lizenzen aufgeführt. „Dahinter dürfte sich vor allem der Investitionsboom bei KI verbergen“, sagte Dany-Knedlik.
5. Produktionspotenzial: Kapitalstock schreibt sich immer weiter ab
Wie sehr die fehlenden Investitionen ein Problem für den Standort sind, zeigt sich am Produktionspotenzial. Dieses gibt an, was eine Volkswirtschaft aus sich selbst heraus leisten kann.
Es besteht aus drei Komponenten: dem technologischen Fortschritt, der in Deutschland im internationalen Vergleich niedrig ist. Dem Arbeitsvolumen, das wegen des demografischen Wandels immer weiter abnimmt. Und dem Kapitalstock, der die anderen beiden jedoch kaum ausgleichen kann.
Der Kapitalstock wiederum setzt sich aus den Investitionen abzüglich der Abschreibungen zusammen, wenn etwa Maschinen verschleißen oder nichts mehr taugen. Bis 2031, so schätzen es die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, trägt der Kapitalstock jährlich nur noch 0,26 Prozentpunkte zum Potenzialwachstum bei. In den vergangenen Jahrzehnten war das um ein Vielfaches höher.
6. Gründe: Deutsche Unternehmen
Unter dem Strich zeigt sich also: Der Investitionsstandort Deutschland ist nicht am Ende, weist aber einige Probleme auf. Das gilt besonders für die inländischen Unternehmen. In einer Umfrage der Europäischen Investitionsbank unter 600 Betrieben gaben diese vor allem fehlende Fachkräfte und zu hohe Energiekosten als Hemmnisse an.
Die heimische Wirtschaft fordert bei diesen Themen größere Anstrengungen. Ein Gipfel für mehr Investitionen aus dem Ausland sei richtig, sagte ZVEI-Präsident Hager, fordert aber: „Herr Bundeskanzler, veranstalten Sie doch mal einen Investitionsgipfel für die heimische Industrie!“ Für mehr Wettbewerbsfähigkeit brauche es eine aktive Industriepolitik.
7. Gründe: ausländische Unternehmen
Bei den Investitionshemmnissen für Geldgeber von außen sind die Gründe etwas anders gelagert, zeigt eine Umfrage der bundeseigenen Standort-Gesellschaft GTAI unter 1800 Unternehmen aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Japan und Südkorea. Dort werden vor allem zu hohe Betriebs- und Lohnkosten sowie eine Überregulierung als Probleme genannt.
AI outlook — possibilities, not facts
Die Regierung wird verstärkt auf die Mobilisierung privaten Kapitals drängen.
Likely · Within months

After violent protests in France, government bond yields rise. Investors are reacting with concern to the political instability and high national debt, which increases the risk premium compared to German federal bonds to 1.44 percentage points.

The German stock market is decoupling from the USA, but the Handelsblatt sentiment shows that investors should remain cautious despite the recovery. A lack of liquid assets and upcoming US elections could cause further turbulence on the stock market.

The reinsurer Hannover Re warns that the situation in German motor vehicle insurance remains fragile. Despite past premium adjustments, claims costs remain high, which is why further single-digit premium increases are expected for 2027.

Elon Musk has announced that he will give every child under 18 in the US a SpaceX share. The package would be worth over ten billion dollars. The billionaire has not yet given any details about the implementation of the project.

New data from the Federal Statistical Office shows that women in Germany are underrepresented in leadership positions at 30.3 percent. The value is below the EU average of 35.9 percent, while the proportion of women in politics is significantly higher at 42.6 percent.

The Swiss pharmaceutical company Roche is putting all future investments in Germany on hold due to the federal government's austerity policy. Germany boss Daniel Steiners criticizes the lack of structural reforms and a crisis of confidence caused by the GKV Financial Stabilization Act.