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Die Straße von Hormus ist eine kritische Meerenge für den globalen Öltransport. Vorangegangene Angriffe des Irans auf Öltransporter hatten zu Preissteigerungen geführt, während kürzliche Berichte über erhöhte Exporte Hoffnungen auf fallende Spritpreise geweckt hatten.
Im September fließt wieder Rohöl durch die Straße von Hormus wie in den Zeiten vor dem Iran-Krieg. Doch Teheran reagiert schnell und startet eine neue Angriffswelle auf Öltransporter. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass das Regime mit der Einschüchterungstaktik Erfolg haben könnte.
Jeden Tag spüren Milliarden Menschen an Tankstellen in Deutschland und dem Rest der Welt die Folgen von Donald Trumps und Benjamin Netanjahus Krieg im Iran. Was in der Straße von Hormus geschieht, hat Auswirkungen auf die globale Wirtschaft und damit auch konkret auf das Leben von Menschen weltweit. Deshalb weckten Berichte aus der Meerenge in den vergangenen Wochen Hoffnungen auf Besserung bei den Spritpreisen: Rohölausfuhren durch die Straße von Hormus lagen im Wochendurchschnitt zwischenzeitlich sogar leicht über den Werten vor dem Krieg. Doch eine neue Angriffswelle des Iran gefährdet laut dem "Wall Street Journal" (WSJ) den Positivtrend.
Als Antwort auf die steigende Zahl von Schiffen, die die Meeresenge im September durchquerten, griff der Iran in der vergangenen Woche mindestens acht Schiffe an. Zuvor waren mehrere Tage ohne Angriffe vergangen. Die Marine der Islamischen Revolutionsgarden warnte Schiffe darüber hinaus in einem Funkspruch, sie würden ins Visier genommen werden, sollten sie die von den USA unterstützte Route wählen. "Vertraut nicht der US-Marine, nutzt den südlichen Korridor auf keinen Fall und gefährdet euer Leben nicht", zitiert das WSJ. "Ihr Ziel ist es, durch Einschüchterung die Kontrolle über die Straße von Hormus zu erlangen", sagte ein Experte der "New York Times" (NYT).
Hohe Exporte "waren nie nachhaltig"
Analysten zufolge könnten die neuerlichen Attacken bereits erste Folgen zeigen. Diese Befürchtung an Zahlen festzumachen, ist jedoch noch schwierig, da wirkliche Daten erst mit Verzögerung auslesbar sind. Das liegt daran, dass viele Schiffe mit ausgeschaltetem Transponder fahren, um nicht auf dem Radar des iranischen Militärs zu erscheinen. Rory Johnston, Gründer des Ölforschungsunternehmens Commodity Context, schätzt jedoch, dass die Liefermengen seit den iranischen Angriffen um zwei bis drei Millionen Barrel pro Tag zurückgegangen sind. Die Zahlen könnten sich noch nach oben entwickeln, sobald genauere Daten vorliegen, sagte Johnston dem WSJ.
Das Export-Tempo der vergangenen Wochen sei beeindruckend gewesen, so Johnston. "Es war jedoch nie nachhaltig und hat viel gekostet." Ihm zufolge zahlen Ölproduzenten am Persischen Golf zwischen 30 und 40 Millionen Dollar für eine Hin- und Rückfahrt durch die Straße von Hormus. Das entspricht 15 bis 20 Dollar pro Fass, noch vor Einrechnung der Versicherungskosten. Ein Grund für die gesteigerte Menge an Lieferungen sei darauf zurückzuführen, dass Exporteure ihr Öl vor einer befürchteten neuen Eskalation schnellstmöglich aus dem Land bringen wollen, so Johnston.
Der NYT zufolge bieten Länder wie Saudi-Arabien und die Emirate in ihrer Verzweiflung Tankerbetreibern in manchen Fällen das Zehnfache der Gebühren aus der Zeit vor dem Krieg. Und diese Kosten sprechen für das Risiko, das die Crews auf sich nehmen. Laut dem Bericht starben im September etwa zwei Dutzend Crew-Mitglieder in Folge der gegenseitigen Angriffe. Auch wegen der stark gestiegenen Transportkosten ist das Öl, das bei den Verbrauchern ankommt, trotz der gestiegenen Exporte weiterhin extrem teuer.
US-Navy griff iranische Radarstationen an
Dass die iranische Marine im September weniger Schiffe attackierte, laut WSJ auch an der US-Navy. Die hatte zuletzt vermehrt iranische Radar- und Funkstationen nahe der Straße von Hormus angegriffen, und damit die Möglichkeiten Teherans limitiert. Eine flächendeckende Überwachung des Schiffsverkehrs durch die Meerenge war damit erschwert. Seit dem Frühjahr bietet das US-Militär den Crews der Öltanker zudem Schutz aus der Luft, was die Gefahr iranischer Raketenschläge verhindern soll.
Außerdem hatten die USA wiederholt angedroht, Teherans Angriffe zu vergelten und iranische Öltanker ins Visier zu nehmen. Ein US-Beamter, den das WSJ zitiert, berichtet nun jedoch, dass das US-Militär von diesem Vorhaben Abstand genommen habe. Grund dafür seien eine Reihe von iranischen Raketenangriffen auf einen US-Luftwaffenstützpunkt in Jordanien.
Reedereien versuchen zudem, iranischen Angriffen durch neue Routen zu entgehen, etwa an der Nordküste des Oman entlang. Experten zufolge chartern Kuwait, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate große Öltanker, um den Persischen Golf über die Straße von Hormus zu verlassen und das Öl anschließend auf die Schiffe ihrer Kunden außerhalb der Gefahrenzone im Golf von Oman umzuladen. Die großen Öltanker sollen bei diesen Manövern wochenlang ohne Transponder durch die Wasserstraße fahren.
Iran führt "Ausdauerwettkampf"
Auch wenn die Kontrolle des Iran über die Straße von Hormus nach und nach sinkt, bleibt ein zentraler Fakt bestehen: Das Regime kann den Transport immer noch so schwer gestalten, dass die Preise auf der ganzen Welt hoch bleiben. Mit Angriffen wie in den vergangenen Tagen sorgt Teheran dafür, dass der Druck auf die USA nicht ablässt. Leidtragende des andauernden Konflikts sind vor allem Konsumenten auf der ganzen Welt.
Darüber hinaus ist die Straße von Hormus nur eines der Instrumente, mit denen der Iran den Ölpreis kontrollieren kann. Sollten die USA tatsächlich vollständige Kontrolle über die Meerenge gewinnen, könnte Teheran die verbündeten Huthis im Jemen anweisen, die Lage im Roten Meer zu verschärfen. "Die Iraner betrachten dies als einen Ausdauerwettkampf", sagte Iran-Experte Hamidreza Azizi der NYT. "Sie könnten die Situation eskalieren lassen, sollte der Ölpreis fallen oder sollten sie glauben, dass die Amerikaner erneut angreifen werden. Eine Eskalation ist ihr wichtigstes Druckmittel gegenüber den USA."
AI outlook — possibilities, not facts
Die Ölpreise werden aufgrund der iranischen Angriffswelle in den kommenden Wochen wieder steigen.
Likely · Within weeks
Der Iran könnte die Huthis im Jemen anweisen, die Lage im Roten Meer zu verschärfen, sollte der Ölpreis fallen oder sollten sie glauben, dass die Amerikaner erneut angreifen werden.
Possible · Within months

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