Joschka Fischer erwartet Ende der Nato in bisheriger Form
Der frühere Außenminister warnt vor dem Ende des transatlantischen Sicherheitsbündnisses und fordert eine stärkere europäische Verteidigungsfähigkeit.
Quick Look
- Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer prognostiziert das Ende der Nato als transatlantisches Sicherheitsbündnis.
- Er fordert Europa auf, militärisch eigenständiger zu werden und die demokratischen Grundwerte angesichts politischer Herausforderungen zu verteidigen.
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Why It Matters
Die Aussagen beziehen sich auf die transatlantischen Beziehungen während der Amtszeit von Donald Trump und die allgemeine Sicherheitslage in Europa.
Der frühere Außenminister Joschka Fischer erwartet ein Ende der Nato. „Ich gehe nicht davon aus, dass die Nato überlebt“, sagte Fischer in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“. „Die Nato als transatlantisches Sicherheitsbündnis wird nicht bestehen bleiben, fürchte ich. Aber die Nato als militärisches Bündnis für Europa, vielleicht mit Kanada, mit Großbritannien – das aufzugeben, wäre ein großer Fehler. Man muss auch defensive Kämpfe führen, mit aller Kraft, dann und wann“, sagte der ehemalige Vizekanzler von den Grünen.
Aus dem Vertrauensverlust, den die transatlantischen Beziehungen in der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump erlebt hätten, müsse Europa Konsequenzen ziehen, so Fischer: „Wenn Europa stärker wird, auch machtpolitisch stärker, militärisch stärker, dann wird ein anderes Verhältnis entstehen. Die Situation der Nachkriegszeit mit der Hyperdominanz der USA im Nato-Raum ist vorbei. Wir müssen in der Lage sein, uns selbst zu verteidigen.“
In Sachsen-Anhalt gehe es um „unsere Identität“. „Bleiben wir ein europäisches, westorientiertes Land, eine offene Demokratie?“ Die Antwort auf diese Frage hänge davon ab, „wie hart der Kampf um die Seele Deutschlands geführt wird. Ich bin jedenfalls nicht bereit, die Fahne einzurollen.“ Kämpfen heiße in diesem Fall „nicht zurückweichen, auch unter schwierigsten Bedingungen“.
Auch im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl in Frankreich im kommenden Jahr sehe es „düster“ aus. „Wir müssen an dem europäischen Projekt, wir müssen an der gemeinsamen Sicherheit trotz Trump festhalten. Und wir müssen an den Grundwerten unserer Demokratie festhalten“, sagte Fischer.
Open Questions
- Wie soll eine europäische Verteidigungsunion konkret finanziert werden?
- Welche Rolle spielen Großbritannien und Kanada in Fischers Szenario?
