Journalists protest unauthorized use of their names by Ostdeutsche Allgemeine Zeitung
Quick Look
- Journalists Miray Caliskan and Martin Rücker have publicly distanced themselves from the Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ) after the newspaper listed them as authors without their consent, implying they were current contributors to the newly founded publication.
- Both journalists previously worked for the Berliner Zeitung, which is also owned by Holger Friedrich's publishing house.
- The OAZ cited a technical error in its content management system for the misattributions.
AI-generated summary
Why It Matters
The Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ), a publication founded in 2026 and part of Holger Friedrich's publishing house, has faced criticism for listing journalists Miray Caliskan and Martin Rücker as authors without their consent. Both journalists previously worked for the Berliner Zeitung, also owned by Friedrich's group. The OAZ claims these misattributions were due to a technical error in its content management system.
„Die ‚Ostdeutsche Allgemeine‘ führt mich auf ihrer Website fälschlicherweise als Autorin auf“, heißt es in einer Erklärung der Journalistin Miray Caliskan. Bis zum Jahr 2022 hatte sie für die „Berliner Zeitung“ geschrieben, die, ebenso wie die „Ostdeutsche Allgemeine Zeitung“ (OAZ), im Verlag von Holger Friedrich erscheint. Entsprechend heißt es auf der OAZ-Autorenseite richtigerweise: „Sie war bis April 2022 bei der ‚Berliner Zeitung‘.“ Nun wird Caliskan bei der 2026 gegründeten OAZ unter „Autoren“ gelistet, was sie aber nie war und nicht ist.
„Schreiben die alle für diesen Verlag?“
Entsprechend schreibt sie, dass die OAZ ihre Arbeit für die „Berliner Zeitung“ abgreift und so tut, als wäre sie heute Teil des neu gegründeten Verlags. „Damit das allen klar wird: Hier werden die Namen etablierter Journalist:innen ungefragt genutzt, um den eigenen Inhalten einen seriösen Anstrich zu verpassen. Dutzende Autor:innen sind da aufgelistet. Schreiben die alle für diesen Verlag? Ich bezweifele das sehr stark. Ich distanziere mich in aller Deutlichkeit davon.“
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Ähnliches ist dem freien Investigativjournalisten Martin Rücker passiert, der auch für die F.A.Z. schreibt. Rücker äußerte sich ebenfalls in den sozialen Medien und auf unsere Anfrage. „Richtig ist: Ich habe mehrere Jahre freiberuflich für die ‚Berliner Zeitung‘ gearbeitet, vor allem im Bereich investigativer Recherchen. Es gab in dieser Zeit eine ausgesprochen gute Zusammenarbeit mit dem damaligen Chefredakteur Tomasz Kurianowicz und mit einer Reihe von Kolleginnen und Kollegen der Redaktion. Darüber möchte ich im Nachgang kein schlechtes Wort verlieren, auch wenn ich bereits in dieser Zeit einen Teil der Veröffentlichungen der Zeitung hochproblematisch fand“, erklärt Rücker: „Nach dem Wechsel der Chefredaktion war mir klar, dass unsere Vorstellungen von Journalismus nicht vereinbar waren. Ich habe der ,Berliner Zeitung‘ daher am 1. Dezember 2025 mitgeteilt, dass ich die Zusammenarbeit beende. Das war entsprechend vor der Erstausgabe der OAZ.“
Mit der OAZ hatte er nie zu tun. Der erzeugte Eindruck, dass er Teil der Redaktion oder als freier Autor für die OAZ tätig geworden sein könnte, ist also falsch. „Zugleich unterstelle ich bei dieser Darstellung keine Absicht. Die Redaktionssysteme von ,Berliner Zeitung‘ und OAZ scheinen technisch miteinander verknüpft zu sein, sodass ich davon ausgehe, dass hier ohne bewusste Entscheidung auch frühere Autor:innen der ,Berliner Zeitung‘ als Teil der OAZ-Redaktion dargestellt wurden.“ Da dies falsch sei und er zudem den redaktionellen Kurs der OAZ nicht teile, sei ihm eine Korrektur des falschen Eindrucks wichtig. „Ich wäre dazu auf die Verantwortlichen zugegangen; dies war jedoch nicht mehr erforderlich, da ‚mein‘ Autorenprofil bereits offline genommen war. Es gab also in dieser Sache keinen Kontakt zwischen mir und dem Verlag, der hier ganz offensichtlich schnell gehandelt hat.“
Über diese Fälle hinaus gibt es eine weitere Merkwürdigkeit im Redaktionssystem der OAZ und ebenso bei der „Berliner Zeitung“: Einige Artikel werden in der Übersicht der dazugehörigen Autoren als aktueller dargestellt, als sie sind. Bei Caliskan, die bis April 2022 bei der „Berliner Zeitung“ war, wird ihr neuester Beitrag angegeben, als sei dieser am 16. November 2023 erstellt worden. Tatsächlich stammt der Beitrag vom Mai 2021. Auch bei Anja Reich, die Friedrichs Reich im April dieses Jahres verlassen hatte, wird ein Beitrag vom August 2020 angezeigt als „Podcast 26.05.2026, 17:35 Uhr“. Das passiert bei drei weiteren Artikeln. So wird der Eindruck erweckt, dass Reich noch Ende Mai für den Verlag tätig gewesen ist.
Kurz nachdem die F.A.Z. bei der OAZ zu diesen Fällen angefragt hatte, wurden Änderungen an OAZ-Websites vorgenommen. Am Morgen des 1. Juni waren unter „Redaktion“ noch 315 (sic!) Personen gelistet. Nach unserer Anfrage war diese Zahl plötzlich auf 30 Personen geschrumpft, inklusive „Freier Autoren“ wie der Bundestagsabgeordneten Saskia Ludwig, die im Namensverzeichnis unter „D“ eingeordnet wurde, weil sie einen Doktorgrad trägt. Bei Professor Andreas Tutić dagegen fehlt die Angabe seines Grades, sodass er nicht unter „D“ zu finden ist. Ludwig und Tutić haben bislang jeweils einen Beitrag für die OAZ verfasst.
Die OAZ erklärt, man bedauere die „Irritationen bei unseren Leserinnen und Lesern sowie bei den betroffenen Autorinnen und Autoren“. Ursache sei ein Fehler im Mandantenmanagement des Content-Management-Systems gewesen. Dadurch seien Autorenprofile und Beiträge „teilweise falsch zugeordnet oder angezeigt“ worden. Die technische Bereinigung habe man unmittelbar eingeleitet.
Open Questions
- What specific technical error caused the misattribution in the content management system?
- Were other journalists' names also misused without consent?
- What is the exact relationship between the editorial systems of Berliner Zeitung and OAZ?
- What is the editorial policy and journalistic standard the OAZ aims to uphold?



