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BackJürgen Klopps Bundestrainer-Debüt bei RTL: Eine mediale Inszenierung
Jürgen Klopps Bundestrainer-Debüt bei RTL: Eine mediale Inszenierung
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Die Welt1 hour agoMedia3 min readGermany

Jürgen Klopps Bundestrainer-Debüt bei RTL: Eine mediale Inszenierung

Nach dem quotenstarken Nations-League-Auftakt zwischen Deutschland und den Niederlanden steht die journalistische Distanz zwischen Moderatorin Laura Wontorra und Jürgen Klopp im Fokus.

Quick Look

  • Jürgen Klopps Debüt als Bundestrainer bei RTL erreichte 10,76 Millionen Zuschauer.
  • Die Berichterstattung fokussierte sich auf die emotionale Inszenierung Klopps und die journalistische Nähe der Moderatorin Laura Wontorra zu ihrem ehemaligen TV-Experten.

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Why It Matters

Jürgen Klopp gab sein Debüt als Bundestrainer in einem Nations-League-Spiel gegen die Niederlande, das 1:1 endete. Die Übertragung wurde von RTL produziert.

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Nach dem quotentechnisch abgesoffenen „HeidiFest“ war am Donnerstag „KloppFest“ bei RTL mit 10,76 Millionen Zuschauern. Vom klumschen Dirndl-Desaster aus dem Hofbräuhaus, dem laut WELT-Kritik „Show-Elend des Jahres“, zu Jürgen Klopps Bundestrainer-Premiere in Amsterdam: Eine bessere Live-Wiedergutmachung hätte den Kölnern innerhalb einer Woche kaum glücken können.

„Schwarz. Rot. Klopp.“ – schon der Sendungstitel für das Nations-League-Duell in den Niederlanden (1:1) presst sich bretthart in 83 Millionen Stammhirne, wie die dazugehörigen Ansagen von Klopp („Ich will uns die Fahne zurückholen“). Der Anti-Merz brüllt, gestikuliert und scherzt wie zu besten Dortmund- und Liverpool-Zeiten. Die Hymne schmettert er inbrünstig mit. Beim 1:0 durch Nmecha jubelt Klopp impulsiv an der Seitenlinie. Seinen Emotionen entkommen? Nahezu unmöglich.

Vor seinen ersten Interviews mit RTL-Moderatorin Laura Wontorra ist deshalb die wichtigste Frage: Schafft sie es, die journalistische Distanz zu wahren, wenn Klopp mit ihr Sympathie-Pressing spielt?

Zur Erinnerung: Bis vor 87 Tagen standen beide noch für MagentaTV bei der WM in den USA gemeinsam vor der Kamera. Duz-Kollegen. Am Spieltag in Holland postete Wontorra passend dazu dann ein gemeinsames Grinse-Foto aus dieser Zeit plus Botschaft („Wehe, Du lachst vor und nach dem Spiel nicht genauso“) an ihren Ex-Experten. Zu nah dran, um kritisch zu sein? Zu aufgedreht, um griffig zu fragen?

Am Ende bekommen beide trotz aller Aufgeregtheit den schwierigen Spagat gut gewuppt. Genauso wie Spielkommentator Wolff Fuss („So viel Tempo war sehr lange nicht im deutschen Spiel“), der als „Kloppos Skat-Bruder“ von der Kollegin eingeführt wird.

Lederjacken-Laura piesackt Klopp (Vertrag bis 2030) sogar mit Nachfragen zu seinem Vorgänger: „Du hast jetzt ganz gekonnt versucht, meiner Frage auszuweichen. Hat sich Julian Nagelsmann gemeldet?“ Klopp antwortet kloppo-like: „Wow! Ja, wir machen es einfach so: Ich spreche nicht über die Menschen, die sich bei mir gemeldet haben. (...) Also Bully Herbig hat sich gemeldet – der Schuh des Manitu. Und Campino. (...) Ich weiß, dass alle, von denen Du eben gesprochen hast, ob das Julian ist, ob das Jogi ist, dass sie alle wollen, dass es funktioniert.“

Für das zweite Spiel am Sonntag gegen Griechenland (20.45 Uhr) gerne merken: Klopp benötigt keinen Après-Spiel-Espresso wie Jogi Löw, Klopp benötigt kreativ-kernige Fragen – dann wird er noch besser. Seinen Menschenfänger-Momenten kann ohnehin kaum wer entkommen: Als Wontorra ihm zum Abschied die Hand reichen will, wird sie von Klopp umarmt. Mit Liebe erdrücken – auch so eine Sieg-Strategie von ihm. Vom TV-Experten zum neuen Entertainer der Nation. Hoffentlich bleibt es auch so unterhaltsam, wenn’s in Zukunft mal sportlich kriselt.

Bester Klopp-Spruch des Abends zur Tor-Vorbereitung durch Mark-van-Bommel-Sohn Ruben: „Ich habe den kleinen van Bommel gefragt – sein Außenrist muss von der Mutter sein. Vom Vater ist er sicher nicht.“

Schräg: Die Super-Zeitlupe einer Klopp-Umarmung mit BVB-Präsident, DFB-Vize und Bundestrainer-Macher Hans-Joachim Watzke („Ich habe bei Klopp ein gutes Gefühl“) vor Anpfiff. Sieht man so bei RTL eher, wenn sie Formel-1-Unfälle sezieren.

Humorig: DFB-Sportdirektor Rudi Völler verrät, dass er nach Spielschluss aus dem Mittelkreis mit seiner Frau Sabrina telefoniert hat: „Ich soll Dich grüßen, Lothar, Du sollst mir keine blöden Fragen stellen.“

Stark: Die Sofort-Analyse von Experte Lothar Matthäus: „Note 2 bis 3 von mir! Das war ein guter Klopp-Auftakt beim stärksten Gruppen-Gegner.“

Einprägsam: Reporter Felix Görner mit seiner Einschätzung, dass „Deutschland wieder ein Verteidigungsmonster ist“.

Nervig: Zu viele Werbespots und Programm-Teaser. Von martialischem Käfigkampf bis zu Jauchs „Wer wird Millionär“ – wer sonst kein RTL schaut, kennt spätestens jetzt die gesamte Senderflöte.

Open Questions

  • Wie wird sich die journalistische Distanz bei künftigen sportlichen Krisen entwickeln?

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This article was originally published by Die Welt.

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