AI-generated summary
Die invasive Ameisenart Tapinoma magnum breitet sich in Baden-Württemberg aus, besonders in sandigen Böden und mediterranem Klima der Rheinebene. Sie verursacht Schäden an Infrastruktur und belastet Bewohner durch Massenauftreten in Häusern und Gärten.
Attacke! Es zischt und dampft. Richard Blantz vom Gartenbauamt Karlsruhe hält eine Sprühlanze auf die Steinmauer und spült im Stadtteil Neureut mit 110 Grad heißem Wasser die Lücken zwischen den Steinen und den sandigen Untergrund, auf dem die Mauer steht. Abertausende Ameisen treiben mit ihrer Brut alsbald leblos in den Pfützen, ein nicht enden wollender Strom. Die eingeschleppte Ameisenart Tapinoma magnum, die enorme Schäden anrichtet und Häuser unbewohnbar machen kann, wird bekämpft.
Tag für Tag vom Frühjahr bis Spätherbst oder auch in den Winter hinein werden befallene Straßen, Plätze und Parks in Karlsruhe mit dem Heißwasser-Fahrzeug abgefahren. Eine Sisyphusarbeit nennt Blantz das. «Der Kampf ist nicht mehr zu gewinnen», sagt Karen Eßrich, die sich seit dem vergangenen Jahr in Karlsruhe federführend um das Thema kümmert. Ausrottung unmöglich. Es gelte nur noch, die weitere Ausbreitung der sogenannten Superkolonien zu verhindern.
Zahl der betroffenen Kommunen wächst - wo Tapinoma vorkommt
Inzwischen liege die Zahl der in Baden-Württemberg betroffenen Kommunen, in denen das Tier nachgewiesen wurde, bei fast 90, sagen das Umweltministerium und Ameisenexperte Manfred Verhaagh. Der Südwesten mit seinem für die Ameisen angenehm mediterranen Klima und teils sandigen Böden in der Rheinebene hat damit Verhaaghs Angaben zufolge die bundesweit deutlich höchste Anzahl an von den Tieren heimgesuchten Gemeinden. Und die sollten das Thema sehr ernst nehmen, betont er.
Eßrich nimmt das Thema sehr ernst. Denn in Karlsruhe-Neureut lebt Deutschlands wohl größte Tapinoma-Kolonie, eine Superkolonie, die es sich auf sage und schreibe 100 Hektar gemütlich gemacht hat. Milliarden Tiere dürften dort herumwimmeln - die meisten unterirdisch, etwa 20 Prozent oberirdisch.
Schlafstörungen, Depressionen - was die Ameise anrichtet
Da sind sie dann sichtbar für den Menschen und äußerst nervig spürbar, wenn sie Beine und Arme hochklettern, wenn im Haus oder auf der Terrasse so viele Ameisen sind, dass weder das Einsaugen mit dem Staubsauger noch gängige Ameisenköder helfen. «Das ist dann das Unangenehme, dass man sich vor den Ameisen nicht retten kann», sagt Eßrich.
Einwohner verzweifeln, weil sie der Tiere in ihrem Garten, in ihrem Haus nicht Herr werden. In der Pfalz habe eine Frau aus Verzweiflung ihr Eigenheim verkauft und sei nach Teneriffa ausgewandert, wie Verhaagh berichtet. Es gebe auch Menschen, die nicht mehr in den Urlaub fahren, die Schlafstörungen haben, die depressiv werden - «das sind schon Nebenwirkungen dieser Ameisenplage», sagt Andreas Martens. Er leitet das Institut für Biologie an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe - und hat eine spezielle Falle entwickelt. Die soll bei der Bekämpfung der Tiere helfen.
Gehwege, Mauern und Terrassen - was die Ameise zerstört
Denn «befallene Stellen» - das hört sich so harmlos an, ist es aber nicht. Schlagzeilen machte die Gemeinde Kehl, wo Tapinoma-Horden in Verteilerkästen einmarschierten, das Internet lahmlegten, einen Spielplatz vorübergehend unbenutzbar machten. Wie in Karlsruhe senken sich Bordsteinkanten ab und Mauern drohen wegen von Ameisen befallener Fugen locker zu werden und einzustürzen.
Kampf gegen die Ameise - was es nicht alles gibt
Kommunen wenden unterschiedliche Maßnahmen an. Sie arbeiten mit Fraßködern, mit Kammerjägern, mit Schädlingsbekämpfern oder eben mit Fahrzeugen mit Heißwasseraufsatz. Noch nicht erprobt, mutmaßlich teuer, aber theoretisch möglich: Vereisen mit Stickstoff.
In Karlsruhe kommen auch Martens' Fallen zum Einsatz: Lochsteine, über denen eine schwarze Teichfolie liegt. Tapinoma magnum liebt es trocken und zieht dort gerne ein, sagte er. Wenn Ameisen mitsamt Brut und möglichst vielen Königinnen drin sind, wird der Stein in einen Wassereimer ausgekippt. Spülmittel wird dazu gegeben, sodass die Ameisen nicht mehr herausklettern können. Die Falle sei gut geeignet für private Grundstücke - denn wenn Hauseigentümer nicht mitziehen, dann wird es noch schwerer. Andere Kommunen haben nach Eßrichs Worten bereits ihr Interesse bekundet.
Teurer Spaß für die Kommunen - was die Bekämpfung kostet
In Kehl, wo die Ameise seit 2023 bekämpft wird, fallen jährlich rund 50.000 Euro Kosten im Betriebshof an. Plus Anschaffung des Heißwassergerätes für 60.000 Euro, wie eine Stadtsprecherin berichtet. Vorher habe man auf Fremdfirmen gesetzt, das habe sich aber als ineffizient erwiesen. In Nürtingen kämpft man seit diesem Jahr gegen die Tapinoma und hat nach Worten einer Stadtsprecherin schon 14.000 Euro dafür ausgegeben, insgesamt seien derzeit 25.000 Euro im Haushalt dafür vorgesehen.
Karlsruhe hat dieses Jahr 120.000 Euro für die Anschaffung des Fahrzeugs mit dem Heißwasseraufsatz bezahlt. Plus Personalkosten. Plus Sanierungskosten beschädigter Gehwege etc. Seit Mai sind die Ameisenbekämpfer rund um die Uhr im Einsatz, sagt Eßrich. «Und es reicht eigentlich hinten und vorne nicht.» Zum bisher zuständige Zwei-Mann-Team sollen nun drei weitere kommen, möglichst ab März/April 2027 im Einsatz. Kostenpunkt: rund 250.000 Euro pro Team, allein für das Personal. Eine Million Euro pro Jahr wären das im Haushalt der ohnehin klammen Stadt. «Aber wir müssen was machen», sagt Eßrich.
AI outlook — possibilities, not facts
Die Anzahl der betroffenen Kommunen in Baden-Württemberg wird weiter steigen.
Likely · Within months
Karlsruhe wird personelle und finanzielle Ressourcen für die Ameisenbekämpfung erhöhen.
Very likely · Within months

The Trump administration is significantly easing fuel economy standards for cars and trucks by 2031 to make new vehicles cheaper, but this will increase fuel consumption and CO₂ emissions. This reverses a Biden-era climate initiative.
The federal states of Schleswig-Holstein, Lower Saxony and Hamburg are planning to deploy national park rangers at sea in the Wadden Sea in the future in order to expand protected area management, monitoring and environmental education. A project application to the German Federal Environmental Foundation is ongoing, costs and personnel details are still unclear. Fishermen raise concerns about lack of involvement, while WWF welcomes the plans.
Schleswig-Holstein, Lower Saxony and Hamburg are planning to expand the area of operation of the national park rangers in the Wadden Sea out to sea. An application for funding has been submitted to the DBU and a decision is expected to be made in the autumn. Environment Minister Meyer emphasizes the information work for recreational boaters, while the Weser-Ems State Fishing Association criticizes the fact that fishermen were not informed.
The invasive ant species Tapinoma magnum has spread to around 90 cities and communities in almost 25 rural and urban districts, with the largest colony in Karlsruhe-Neureut estimated to be 100 hectares in size with billions of specimens. The spread is causing significant distress for residents, including sleep disorders and depression, while communities face high costs for control measures such as hot water heaters and professional pest control.
The low water level of the Rhine in North Rhine-Westphalia is reaching critical levels. A new record low was measured in Düsseldorf, while levels continue to fall in Cologne and Duisburg. A lasting easing of the situation is currently not foreseeable.
The article examines the hydrological consequences of glacier retreat in the Alps for the Rhine. Glaciologist Matthias Huss explains how glaciers act as water reservoirs in times of drought, but their reserves are expected to disappear by the end of the century.