Kateryna Mykhalko: Die Drohnen-Managerin zwischen Kyiv und Berlin
Die 25-jährige Ukrainerin leitet die Allianz „New Age Defence“ und vernetzt die deutsche Drohnenindustrie mit der Ukraine.
Quick Look
- Die 25-jährige Ukrainerin Kateryna Mykhalko leitet die Allianz „New Age Defence“ in Berlin.
- Sie vernetzt die deutsche Drohnenindustrie mit der Ukraine und setzt sich für eine stärkere europäische Integration und industrielle Kooperation in der Rüstung ein.
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Why It Matters
Die Allianz „New Age Defence“ wurde im Herbst 2024 gegründet, um die Interessen deutscher Drohnenhersteller zu bündeln. Sie entstand aus der UXS Alliance.
Berlin. Im Angesicht des Krieges stechen die neongrünen High Heels deutlich hervor. Genau, wie es Kateryna Mykhalko will. Während im Hintergrund die Motoren von Drohnen in der Luft sirren, steht die 25-jährige Managerin im ehemaligen Hangar in Berlin-Tempelhof unter einem Baldachin aus Abfangnetzen und möchte ein Zeichen setzen.
„Wenn ich mir erlaube, das zu tragen, was mir gefällt, heißt das, dass es dem Feind nicht gelungen ist, die Kontrolle über mein Leben zu übernehmen“, sagt sie später.
Dann erzählt sie weiter: von den kreativen und talentierten ukrainischen Designerinnen und Designern, die sie unterstützen möchte, wann immer sie kann, und von der Selbstbestimmung, die sie dadurch erfährt. Es ist die Leidenschaft, die sie sich erhalten hat, seit ihr Leben von Gegensätzen bestimmt ist.
Ansonsten ist für Kateryna Mykhalko kaum etwas so, wie es vor der Vollinvasion 2022 war. Als Managerin hat sie sich seitdem in der ukrainischen Drohnenindustrie einen Namen gemacht. Inzwischen leitet sie aus Kyiv die in Berlin ansässige Allianz „New Age Defence“, die die Interessen deutscher Drohnenhersteller bündelt.
Hervorgegangen ist der Verband aus der UXS Alliance, die Quantum Systems und Arx Robotics im Herbst 2024 ins Leben riefen, unter anderem im Beisein des ukrainischen Botschafters Oleksii Makeiev und des damaligen Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses Marcus Faber (FDP).
Vor einigen Wochen hat Mykhalko ihren 25. Geburtstag gefeiert. Nicht etwa in einer Bar oder im Club mit ihren Freundinnen und Freunden, sondern im litauischen Parlament, mit einer Rede vor der Parlamentarischen Versammlung der Nato.
Sie kennt das Umfeld der sicherheitspolitischen Elite; auf ihren Social-Media-Kanälen präsentiert sie sich mit Spitzenpolitikern wie Emmanuel Macron, David Cameron oder Wolodymyr Selenskyj. Natürlich ging es auch in Vilnius um Drohnen und Fragen von industrieller Kooperation, wie so oft, seit sie sich diesem Thema verschrieben hat.
Als Russland die Ukraine überfällt, ist Mykhalko gerade Anfang 20. Damals arbeitet sie bei einer staatlichen Agentur, die den Verkauf öffentlichen Eigentums koordiniert. Angetrieben von den Angriffen, so erzählt sie, sucht sie ihren Platz in ihrem Land, das im Krieg ist.
In der Rüstungsindustrie wird sie fündig: Ein ukrainischer Drohnenhersteller sucht Verstärkung für die Lobbyarbeit, Mykhalko übernimmt. Zu Beginn des Krieges spielen Drohnen noch kaum eine Rolle, sie soll daran mitarbeiten, das zu ändern. „Wir wollten unsere Regierung überzeugen, auf unbemannte Systeme zu setzen, weil wir uns die Verluste der Soldaten nicht leisten konnten“, sagt sie.
Inspiriert sei sie von dem Vorhaben gewesen, gleichzeitig habe sie gemerkt, wie schwierig die Umsetzung sei: „In der Ukraine gab es damals nur fünf Drohnenhersteller. Wir mussten uns zusammentun, als ganze Industrie.“ Deshalb gründet sie einen Verband, der die gemeinsamen Interessen vertritt. Unter ihrer Führung wächst dieser stark an, so wie die Bedeutung von Drohnen im Abwehrkampf.
Kateryna Mykhalko wird nicht pathetisch, sie agiert subtiler. Sie erzählt nicht von ihren Freundinnen und Freunden, von ihren Erfahrungen im Krieg, von Verlusten, von Familie und geplatzten Träumen.
Stattdessen spricht sie über das Flugzeug, das im Hangar ausgestellt ist: ein Rosinenbomber, der während der Berlin-Blockade durch die Sowjetunion den Westteil der Stadt 322 Tage mit Lebensmitteln und Hilfsgütern versorgt hat. Dabei geht es ihr gar nicht nur um Solidarität, sondern auch um ein Zusammenwachsen in Europa. Und um die Frage, auf wen man eigentlich noch zählen kann.
Als Managerin ist Mykhalko Überzeugungstäterin. Wenn sie von sich erzählt, dann vor allem davon, wie sehr es sie schmerzt, sich an der EU-Außengrenze nicht in die Schlange für EU-Bürgerinnen und -Bürger einreihen zu können. Und davon, wie sehr die Zukunft der Ukraine und der Europäischen Union voneinander abhängen: „Emotional und weltanschaulich“, sagt sie, „sind wir bereits Teil der EU“.
Ihre Arbeit hat sie deshalb ausgeweitet – sie kümmert sich längst nicht mehr nur um den ukrainischen Drohnenmarkt, sondern auch um den deutschen und den europäischen. „Ein gutes Werkzeug“ sei die Industrie für den Weg der Ukraine in die Europäische Union, sagt Mykhalko.
In der Ukraine lernt sie Vertreter von Quantum Systems kennen. Man ist sich einig: Auch hierzulande brauche es eine vereinte Interessenvertretung der Drohnen- und Rüstungsindustrie gegenüber der Politik. Mit ihren Referenzen nimmt sich Mykhalko im Frühjahr dieser Aufgabe an. Als Geschäftsführerin von „New Age Defence“ soll sie die Stimmen der Unternehmen in Deutschland zukünftig einen.
Bekannt ist bisher wenig über die neuen Schwerpunkte des Verbands, ein erstes Signal wurde aber bereits gesendet: die Konferenz Anfang Juni im Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof, organisiert für knapp 800 Teilnehmende, unterstützt von Unternehmen wie Uforce, Helsing, Quantum Systems, Tytan Technologies, Stark Defence oder Arx Robotics. Zu Gast waren hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie aus deutschem und ukrainischem Militär.
Für die Organisation der Konferenz blieben nach ihrem Start nur wenige Monate. Mykhalko wirkt müde nach ihrem ersten großen Projekt in ihrer neuen Rolle, aber auch stolz. Für sie ist es nicht nur ein Schritt in ihrer Karriere in der Rüstungsindustrie, sondern auch ein Etappensieg: im Kampf um ihre Selbstbestimmung und um eine Zukunft der Ukraine im Kreise europäischer Staaten.
Open Questions
- Welche konkreten politischen Ziele verfolgt New Age Defence in Berlin?
- Wie wird die Finanzierung des Verbands langfristig sichergestellt?





