Klimabilanz von DAX-Unternehmen: Was wäre, wenn die Welt so wirtschaften würde?
Eine Auswertung der Frankfurter Beratungsfirma "Right.based on science" zeigt die Erwärmungswerte von DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen im Vergleich zu den Pariser Klimazielen.
Quick Look
- Die Nachhaltigkeits-Beratungsfirma "Right.based on science" hat Emissions- und Finanzdaten von 71 Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX ausgewertet und in Relation zum Pariser 1,7-Grad-Ziel gesetzt.
- Der Report zeigt einen insgesamt durchwachsenen Trend.
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Why It Matters
Die Frankfurter Beratungsfirma "Right.based on science" wertet Nachhaltigkeitsberichte von DAX-Unternehmen aus und setzt diese in Relation zum Pariser 1,7-Grad-Ziel.
Was wäre, wenn die ganze Welt wirtschaften würde wie ein bestimmtes Unternehmen? Und um wieviel Grad würde sie sich dann erhitzen? Diese Fragen stellt die Frankfurter Nachhaltigkeits-Beratungsfirma "Right.based on science" und nennt ihre Auswertung passenderweise "What if" – also "Was wäre, wenn".
Das Team wertet dabei die Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen aus. In diesem Jahr sind es Emissions- und Finanzdaten von insgesamt 71 DAX-Unternehmen, aus dem Leitindex DAX, dem MDAX und dem SDAX. Die Daten werden dann ins Verhältnis gesetzt zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens, mit einem Grenzwert bei einer globalen Erwärmung von 1,7 Grad bis 2100.
Grad-Zahl soll Klimaziel deutlich machen
Es ist eine Methodik, die eine einfache Zahl am Ende haben soll, um Klimaschutz-Anstrengungen zu vergleichen. Knapp über dem Paris-Ziel liegt beispielsweise die Deutsche Telekom - mit 1,8 Grad. Gestartet war sie bei 5 Grad. Der Trend ist also positiv, was Robert Metzke, Leiter des Bereichs Unternehmensverantwortung, freut.
Man setze im Konzern auf "grünen" Strom und mehr Effizienz, halte trotz der stetig steigenden Datenmengen den Gesamtenergieverbrauch konstant und habe "den Energieverbrauch zum Beispiel von über 90 Kilowattstunden pro Terabyte auf 48 Kilowattstunden pro Terabyte" gesenkt, so Metzke. Bis 2040 wolle die Telekom klimaneutral sein.
Die Telekom sei ein positives Beispiel, der Report insgesamt zeige aber keinen ganz positiven Trend, sagt Hanna Helmke, Geschäftsführerin von "Right.based on science": "Wir haben mehr Unternehmen, die sich verschlechtert haben, als sich verbessert haben." Das zeige, dass da "ein bisschen Dynamik rausgegangen ist". Ihre Beratungsfirma berechnet nicht nur seit einigen Jahren Gradziele, sondern verkauft auch Software, die Unternehmen den Weg in die Klimaneutralität erleichtern soll.
Emissionen und Wertschöpfung
Die Berechnungen des Reports schauen auf die Emissionen, aber auch auf die Bilanzen der Unternehmen und setzen sie ins Verhältnis. Das bedeutete vereinfacht gesagt: Ist die Bilanz schlechter, müssten auch die Emissionen schrumpfen; passiert das nicht, verschlechtert sich die Gradzahl. Ein Beispiel ist der Leverkusener Konzern Bayer. Im Report ist er derzeit auf dem Weg zu 7,5 Grad.
Das liege unter anderem an den milliardenschweren Rechtsstreitigkeiten, die zu Buche schlagen, so Helmke. Bayer selbst teilt die Einschätzung nicht. Man müsse das Gesamtbild betrachten, betont Daniel Schneiders, der bei Bayer für Nachhaltigkeitsthemen zuständig ist. Bayers Geschäftsmodell mit einer Kombination aus Pharma und Agrar sei einzigartig: "Und auch das sehen wir im Ansatz des Reports nicht abgebildet."
Man sei aber in Kontakt mit den Machern. Bis spätestens 2050 wolle der Konzern klimaneutral sein. Bayer stehe dabei auch vor einigen Herausforderungen, beispielsweise die Lieferkette und Rohstoffe zu dekarbonisieren; dies sei "herausfordernd".
Welche Branchen haben es schwer?
Eine klare Aussage, welche Branchen es am schwersten haben, CO2-sparsamer zu wirtschaften, ergibt sich aus dem Report auf den ersten Blick nicht. Mit Ausnahme der Chemie-Branche. Diese habe es auch weiterhin schwer, Emissionen zu senken, so Geschäftsführerin Hanna Helmke. Schon jetzt sei aber aus den vergangenen Jahren ablesbar, dass die selbst gesetzten Klimaziele von Unternehmen oft nichts mit der Realität zu tun hätten. Manche Unternehmen hätten ein hoch gestecktes Ziel, zeigten aber zu wenig Anstrengungen.
Andere hätten keine oder niedrige Ziele, stünden aber der Analyse zufolge sehr gut da. Gespannt schaut Helmke auf Branchen, die ihres Erachtens nach viel Potential haben, den Kurs um einige Grad zu verschieben - wie die Stahlindustrie.
Die Salzgitter AG steht laut Report beispielsweise derzeit bei 6,4 Grad, will aber in den nächsten Jahren durch den Kauf und die Eigenproduktion von Wasserstoff viel klimaschädliches Gas einsparen. Aktuell liege das Unternehmen bei etwa 8 Millionen Tonnen CO2. Bis 2030 wolle man nach Aussage des Unternehmens klimaneutral sein.
Der Einfluss von Klima-Berichten
Der Klimaökonom Paul Lehmann von der Universität Leipzig merkt kritisch an, dass in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs schlechtere Emissionswerte bei manchen Unternehmen zu sehen sein könnten.
Trotzdem könnten solche Reports motivieren und auch Druck bei den Unternehmen erzeugen. Deswegen sei es wichtig, unterschiedliche Instrumente zu haben, um Klimaneutralität voranzutreiben, beispielsweise auch den Emissionshandel.
Open Questions
- Wie stark werden sich wirtschaftliche Abschwünge auf die Emissionsdaten auswirken?
- Wann setzen Unternehmen ihre Klimaziele verbindlich um?







