Klimawandel führt zu Artenverlust auf europäischen Berggipfeln
Quick Look
- Eine Studie im Fachmagazin Science zeigt, dass steigende Temperaturen durch den Klimawandel zu einem Artenverlust auf europäischen Berggipfeln führen, während gleichzeitig neue Arten wie Alpenrispengras und Arnika die Gipfel erobern.
- Die Untersuchung analysierte Daten von 62 Berggipfeln zwischen 2001 und 2022.
AI-generated summary
Why It Matters
Die Studie baut auf früheren Forschungen auf, darunter eine Untersuchung aus dem Jahr 2018 im Fachmagazin Nature, die zeigte, dass Arten wie Alpenrispengras und Arnika aufgrund steigender Temperaturen die Berggipfel erobern.
Wien. Als Folge steigender Temperaturen hat sich die Pflanzenwelt auf europäischen Berggipfeln erweitert – gleichzeitig verschwinden auf Hochgebirge spezialisierte Arten. Das geht aus einer im Fachmagazin „Science“ veröffentlichten Untersuchung hervor. Die Ergebnisse legen nahe, dass dieses Phänomen auf den Klimawandel zurückzuführen ist, wie der Erstautor der Studie, Johannes Wessely, erklärt. „Die Daten zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen dem Ausmaß des lokalen Temperaturanstiegs auf den einzelnen Gipfeln und dem Artenverlust auf diesen Gipfeln“, sagte der Forscher der Universität Wien.
Noch bis vor wenigen Jahrzehnten waren die Regionen oberhalb der alpinen Baumgrenze für viele Pflanzen nicht besiedelbar. Den Wissenschaftlern zufolge haben die seit den 1980er Jahren rasant steigenden Temperaturen diese Kältegrenzen aufgeweicht und zum Anstieg der Artenzahlen auf den europäischen Berggipfeln geführt. Unter anderem eroberten das Alpenrispengras und Arnika die Gipfel, wie eine Studie im Fachmagazin „Nature“ aus dem Jahr 2018 zeigt.
Für die aktuelle Studie wurden die Daten von Dauerbeobachtungsflächen auf 62 europäischen Berggipfeln ausgewertet. Die Flächen wurden zwischen 2001 und 2022 im Rahmen des globalen Monitoring-Netzwerks Gloria viermal untersucht, etwa am Schrankogel in Tirol, aber auch in der Schweiz, den Pyrenäen oder im georgischen Kaukasus.
Der Prozentsatz der Arten, die bei der jeweils nächsten Untersuchung nicht wiedergefunden wurden, stieg von Mal zu Mal an. Verschwunden waren vor allem an kühlere Standorte angepasste Arten. Zu diesen zählen in den Alpen laut Projektleiter Stefan Dullinger Arten wie Gletscher-Hahnenfuß, Einblütiges Hornkraut oder Alpen-Mannsschild.
Welche Faktoren genau zu dem lokalen Aussterben der auf die höchsten Lagen spezialisierten Arten führte, muss den Forschern zufolge genauer untersucht werden. Weitere Einflüsse neben den gestiegenen Temperaturen könnten abnehmende Wasserverfügbarkeit, die verkürzte Dauer der Schneebedeckung und der Konkurrenzdruck durch neue Arten sein, die in den vergangenen Jahren die Gipfel erobert haben.
Open Questions
- Welche genauen Faktoren führen zum lokalen Aussterben der auf hohe Lagen spezialisierten Arten?
- Wie stark tragen abnehmende Wasserverfügbarkeit, verkürzte Schneebedeckung und Konkurrenzdruck durch neue Arten zum Artenverlust bei?
- Wie werden sich diese Veränderungen langfristig auf die Biodiversität der alpine Ökosysteme auswirken?



